Mit 3:1 hat sich der FC Energie Cottbus zurück in die 2. Liga gemeldet. Doch es war kein makelloser Erfolg. Ein Blackout auf und neben dem Rasen sorgte beim Auftakt gegen Hannover für Unmut bei Trainer Wollitz.
Analyse Cottbus' erfolgreiche Zweitliga-Rückkehr Pannen, Paraden und ein wütender Pele
Von Lukas Witte
Während draußen im Leag Energie Stadion die Party noch im vollen Gange war, stand Claus-Dieter Wollitz bereits in der Mixed Zone und schimpfte. Trotz des sensationellen Sieges seiner Mannschaft bei der Rückkehr in die 2. Liga hatte der Trainer einiges auszusetzen.
"Ich rede seit sechs Wochen über nichts anderes als Intensität. Das wird ein Schlüssel sein. Aber die habe ich ab der 15. Minute bei vielen Spielern nicht gesehen", sagte Wollitz. Ohne Basics und ohne Körperlichkeit habe man keine Berechtigung, in der 2. Liga zu spielen, so die vernichtende Analyse des Trainers nach dem 3:1 gegen Hannover.
Hannover trifft das Tor nicht
Dass sein Team am Ende dennoch mit drei Punkten dastand, hatte vor allem mit der schwachen Chancenverwertung des Gegners zu tun. Zwar begannen die Lausitzer vielversprechend, hatten aber bereits beim Führungstreffer jede Menge Glück. Schließlich flog der Freistoß von Tolcay Cigerci eigentlich direkt in die Mauer, in der sich Mustapha Bundu wegdrehte und den Ball so unhaltbar ins Tor abfälschte.
Danach stellte Energie plötzlich das Fußballspielen ein. Die Gäste aus Niedersachsen dominierten die Partie nach Belieben und kamen zu einer Großchance nach der nächsten. 2,52 xGoals und 17 Torschüsse verzeichnete Hannover zur Pause, mehr als der Ausgleich war aber nicht drin.
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Wenn Energie Cottbus das so wie früher haben will, immer lang und weit, dann müssen sie sich einen anderen Trainer holen.
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Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz
"Wir müssen in der ersten Hälfte sechs oder sieben Tore schießen", sagte 96-Trainer Christian Titz nach dem Abpfiff enttäuscht. "Das wäre auch gerecht gewesen", stimmte Wollitz zu, dessen Team spielerisch nach vorne nichts mehr zustande brachte. "Wenn Energie Cottbus das so wie früher haben will, immer lang und weit, dann müssen sie sich einen anderen Trainer holen. Ich werde das auf keinen Fall unterstützen", so der Coach wütend.
Einziger Lichtblick während des Cottbuser Total-Abschaltens war Keeper Marcel Lotka. Neun Paraden verzeichnete der überragende Neuzugang bei seinem Pflichtspiel-Debüt für Energie, sieben davon in der ersten Hälfte. "Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich bin komplett heiser und war nur am Rumschreien und Dirigieren", sagte der Torhüter, der seinen Vordermännern mit seinem Einsatz wohl den Sieg rettete.
Ein Sieg, nicht nach dem Geschmack des Trainers
Und doch war die Kritik des Trainers nach den vollen 90 Minuten möglicherweise ein wenig zu hart. Denn gerade sein Dreifachwechsel Energies zur Halbzeit brachte noch einmal eine neue Dynamik. Das Zusammenspiel zwischen Fousseny Doumbia und Justin Butler auf der linken Seite klappte immer wieder gut. Zudem fanden die Lausitzer besser in die Zweikämpfe und ließen deutlich weniger Chancen zu.
Klar blieb Hannover spielbestimmend und hatte den Sieg mehr verdient. Und doch war der Auftritt des Aufsteigers gegen die ambitionierten Niedersachsen in der zweiten Hälfte in Ordnung, zumal es das erste Zweitliga-Spiel seit zwölf Jahren war. Es war eben nur nicht der mutige und spielerische Offensivfußball, den Wollitz von seiner Mannschaft eigentlich erwartet.
Die zeigte sich dafür eiskalt. Aus gefühlt zwei Chancen nach der Pause machte Energie auch zwei Tore. Cigerci, der ja schon in der 3. Liga absoluter Leistungsträger war, stellte nun auch eine Klasse höher in vielen Momenten unter Beweis, dass er technisch mithalten kann. Und nach dem Doppelschlage verteidigte Cottbus alles solide weg und brachte die Führung über die Zeit.
Blackout nicht nur auf dem Rasen
Auf den Tribünen im Leag Energie Stadion, das mit rund 18.000 Zuschauern bei der Zweitliga-Rückkehr nicht ausverkauft war, wurde also trotzdem gefeiert. Der Blackout in der ersten Hälfte war bei den meisten längst vergessen.
In Erinnerung bleibt wohl viel eher der Erfolg an diesem lange herbeisehnten Tag - und vielleicht die kuriosen Pannen rund um die Partie. Denn nicht nur auf dem Rasen schien es mit dem Zweitliga-Fußball in der Lausitz noch ein wenig zu haken.
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Um hier dauerhaft Profifußball zu spielen haben wir einen weiten Weg vor uns.
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Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz
Wegen des kaputten Schiedsrichter-Funks begann die Partie bereits mit zehn Minuten Verspätung. Aufgrund eines weitreichenden Stromausfalls im Stadionumfeld fiel zudem immer wieder die Anzeigetafel aus und die Halbzeitpause musste auf fast 25 Minuten verlängert werden.
Das weckte auch bei Trainer Wollitz Erinnerung an ein Spiel gegen Hannover vor 29 Jahren, bei dem das Flutlicht den Geist aufgab. Und es bestärkte ihn in seiner Erkenntnis: "Um hier dauerhaft Profifußball zu spielen, haben wir einen weiten Weg vor uns."
Sendung: rbb|24, 09.08.26, 19:25 Uhr
Audio: rbb|24, 09.08.26, Jonas Bürgener im Gespräch mit Lukas Witte
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