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Teamcheck Hertha: Aus der Not eine Jugend machen

Дата публикации: 05-08-2026 10:04:22

Die fetten Jahre sind vorbei. Hertha BSC startet in seine vierte Zweitliga-Saison und stellt sich neu auf. Der Aufstieg ist erst einmal Geschichte, Hertha will stattdessen etwas Langfristiges aufbauen – und dem Berliner Weg eine echte Chance geben.


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Teamcheck Hertha BSC Aus der Not eine Jugend machen

Stefan Leitl, Cheftrainer von Hertha BSC (Foto: IMAGO / Nordphoto)
Stefan Leitl, Cheftrainer von Hertha BSC (Foto: IMAGO / Nordphoto)
  • Hertha BSC startet am Freitag (20:30 Uhr) in die neue Zweitliga-Saison
  • Die Berliner streben nicht mehr den Aufstieg, sondern ein ruhiges Jahr an
  • Kader, Spielstil, Staff - alles neu

Dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, ist wahrlich nichts Neues. Doch Hertha BSC zeigt, wie rasant dieser Sport tatsächlich sein kann. Vor einem Jahr formulierten die Berliner noch den Aufstieg als glasklares Saisonziel – kein anderes Team wagte sich so aus der Deckung. Für die Saison 2026/27 stellte Geschäftsführer Peter Görlich gegenüber dem rbb vor Kurzem nun in Aussicht: "Wir haben ein ganz klares Ziel: Ein einstelliger Tabellenplatz mit einer maximalen Ambition nach vorne."

Zwischen diesen beiden Saisonzielen liegt die Erkenntnis, dass Hertha nicht mehr so weitermachen kann wie in den letzten drei Zweitliga-Jahren. Die fetten Jahre sind vorbei, Hauruck-Aktionen für die Erstliga-Rückkehr finanziell nicht mehr möglich. "Wir haben finanziell sicherlich an der einen oder anderen Stelle über unsere Verhältnisse gelebt", sagte Görlich, der im September 2025 sein Amt antrat und seitdem jeden Berliner Stein umdreht.

Für die anstehende Spielzeit lauten die Ziele nun: Eine ruhige Saison spielen, einen neuen Spielstil implementieren und neuen Eigengewächsen Chancen geben. Oberflächlich nicht so sexy wie ein Aufstieg, aber nötig wie nachhaltig.

13 Abgänge und erst ein Neuzugang

Dass sich bei Hertha zum vierten Zweitliga-Jahr in Folge viel verändert, zeigt sich vor allem im Kader. Viele Wochen war der Hauptstadtklub der einzige Profi-Verein Deutschlands, der im Transfersommer noch kein einziges Mal zugeschlagen hatte. Vor wenigen Tagen konnten die Blau-Weißen mit Olewaseun Adewumi endlich ihren ersten Neuzugang präsentieren. Der 21-jährige Österreicher kommt leihweise vom FC Burnley und soll der Offensive durch seine Flexibilität, Geschwindigkeit und Dribbelstärke helfen.

Adewumi ist der bislang einzige Neuzugang. Die Berliner suchen noch nach einem Torhüter, Linksverteidiger und Mittelstürmer. Das liegt auch am immensen Aderlass des Sommers. Gleich 13 Spieler haben die "alte Dame" verlassen. Allen voran die Abgänge von Starspieler Fabian Reese, Juwel Kennet Eichhorn, Spielmacher Michael Cuisance und Rückhalt Tjark Ernst tun weh.

Linus Gechter, Marten Winkler und Marton Dardai könnten Hertha ebenfalls noch verlassen – der Klub will sie halten. Dass das gelingen kann, zeigen die jüngsten Vertragsverlängerungen von Unterschiedsspieler Josip Brekalo und Rechtsverteidiger Julian Eitschberger.

Herthas Kader: Jünger, billiger und schlanker

Sicherlich hätte Hertha den einen oder anderen Spieler mehr gerne gehalten. Vor allem die Lücken im Mittelsturm und der linken Abwehrseite sind eklatant. Allerdings ist ein zentrales Motiv des Berliner Transfersommers, einerseits ein Transferplus zu erzielen und andererseits die Gehaltskosten massiv zu verringern. Hertha kann und will nicht mehr so viel zahlen.

Jelani Ndi (l.) und Soufian Gouram von Hertha BSC. (Foto: IMAGO / Nordphoto) Jelani Ndi (l.) und Soufian Gouram von Hertha BSC. (Foto: IMAGO / Nordphoto)

Stattdessen soll jungen Spielern Raum gegeben werden. "Wir glauben einfach daran, dass der beste Transfer der interne Transfer ist. Wir haben total spannende Jungs hochgezogen", so Görlich. Boris Mamuzah Lum (18), Jerome Diallo (17), Mayson Grothe (17), Selim Telib (20), Soufian Gouram (20), Jelani Ndi (19) und Niklas Hildebrandt (18) sollen in der kommenden Saison erste oder weitere Schritte im Profi-Bereich gehen. Der "Berliner Weg" soll gelebt werden, Identifikation schaffen – und auch Werte auf dem Transfermarkt, auf die Hertha weiter angewiesen sein wird.

Der Berliner Kader ist wesentlich jünger, schlanker und billiger geworden. Das birgt viele Fragezeichen, aber auch Chancen.

Endlich eine klare spielerische Identität?

Laut Görlich stand vor allem die Entwicklung einer klaren spielerischen Identität, die Hertha so viele Jahre fehlte, im Mittelpunkt aller Überlegungen. Die Idee: Hertha will wesentlich höher und intensiver pressen als in den vergangenen Jahren.

"Das Ziel ist, den Gegner mehr zu stressen und selbst einen kürzeren Weg zum Tor zu haben", sagte Mittelfeldregisseur Paul Seguin dem "Kicker". Agieren statt reagieren. "Hohes Pressing birgt immer Risiko. Ich glaube, wir werden auch das eine oder andere Gegentor schlucken müssen. Aber der offensive Gedanke gefällt uns grundsätzlich gut. So machen wir weiter", erklärte Leitl.

Mit dem Ball will Hertha wesentlich dominanter sein, das Spiel variabler und kürzer aufbauen, um erst in Richtung des letzten Drittels auf den Flügel auszuweichen. In der Vergangenheit war Herthas Ballbesitzspiel wenig dynamisch und leicht ausrechenbarer. Das soll sich nun ändern, wird aber Geduld benötigen.

Görlich stellt Weichen für Zukunft: Das Team um das Team

Sowohl im Kader als auch auf dem Rasen übt sich Hertha derzeit in großen Umbrüchen. Doch auch die Rahmenbedingungen um das Team verändern sich derzeit spürbar. Mit Andreas Schumacher gibt es einen neuen Co-Trainer, der die Blau-Weißen endlich gefährlich bei Standards machen soll. Hertha hat die Kaderplanung- und Scoutingabteilung verändert, in die medizinische Abteilung investiert und die Akademie umgebaut. "Es ist tatsächlich eine größere Transformation", so Görlich.

Eine Transformation, die Hertha in eine erfolgreiche Zukunft führen soll, nun aber erst einmal der rauen Zweitliga-Gegenwart standhalten muss. Beginnend mit dem Spiel am kommenden Freitag (20:30 Uhr) beim VfL Bochum.

Sendung: rbb|24, 05.08.2026, 12:04 Uhr

Audio: rbb|24, 05.08.2026, Marc Schwitzky

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