Betrüger täuschen echte Banknummern vor und zielen auf SMS-Codes. Die Angriffe sind schwer zu erkennen – und führen immer häufiger zu leeren Konten.
Betrüger täuschen echte Banknummern vor und zielen auf SMS-Codes. Die Angriffe sind schwer zu erkennen – und führen immer häufiger zu leeren Konten.
Das Telefon klingelt, im Display erscheint die echte Rufnummer von zum Beispiel "Trade Republic" – verifiziert, korrekt, vertrauenswürdig. Ein angeblicher Mitarbeiter warnt vor Unregelmäßigkeiten im Depot und bittet um einen Einmalcode per SMS. Wer ihn weitergibt, ermöglicht Zugriff auf sein Konto.
Hinter dem Anruf steckt kein Mitarbeiter des Brokers, sondern ein Betrüger, der die offizielle Rufnummer digital gefälscht hat. Ähnliche Fälle wurden gegen Kunden verschiedener Banken und Broker wiederholt gemeldet und stehen stellvertretend für eine neue Generation des Telefonbetrugs – technisch raffiniert, schwer zu erkennen und längst kein Einzelfall mehr.
Eine unaufgeforderte telefonische Nachfrage nach einem Einmalcode, einer TAN oder einem Passwort ist ein starkes Warnsignal – seriöse Banken und Broker fordern solche Angaben in der Regel nicht unaufgefordert am Telefon ein. Wer unsicher ist, sollte sofort auflegen und die offizielle Nummer selbst heraussuchen – nie die zurückrufen, die auf dem Display stand, denn auch sie kann gefälscht sein.
Wer möchte, kann in den Einstellungen seiner Bank-App auf eine App-basierte Bestätigung umstellen – das ist sicherer als ein Code per SMS, weil kein Betrüger ihn abfangen oder erschleichen kann. Darüber hinaus gilt: Im Zweifel auflegen. Das Telefon kann zur Waffe werden – aber nur, wenn man es zulässt.
Hermann Sauer ist IT-Sicherheitsexperte engagiert sich seit über 20 Jahren für Datenschutz und Online-Anonymität. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
2025 war laut dem Spamschutzanbieter Clever Dialer das aktivste Jahr für Telefonspam in Deutschland überhaupt – mit rund 5,9 Millionen gemeldeten Spam-Anrufen. Vodafone spielte über seinen KI-basierten Spam-Warner allein 2025 rund 50 Millionen Warnmeldungen aus; an einem einzigen Tag im Mai registrierte das System über 660.000 Alarme.
Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom (März 2025) berichteten 61 Prozent der deutschen Internetnutzerinnen und -nutzer, in den vorangegangenen zwölf Monaten von Cyberkriminalität betroffen gewesen zu sein – darunter Phishing, Betrug und Kontomissbrauch. Nur rund jeder Vierte erstattete Anzeige.
Die technische Grundlage solcher Angriffe heißt Caller-ID-Spoofing: In der IP-basierten Telefonie können Absenderrufnummern manipuliert werden, insbesondere bei internationalen Übergängen zwischen Netzen. Das funktioniert ähnlich wie eine frei gewählte Absenderadresse auf einem Briefumschlag – das Netz prüft die Angabe nicht. So erscheint auf dem Display des Opfers die echte Nummer einer Bank, der Polizei oder einer Behörde, obwohl der Anruf aus einem Callcenter im Ausland kommt.
Die Bundesnetzagentur dokumentiert Rufnummernmissbrauch als bekanntes Problemfeld und hat 2025 ihre Befugnisse ausgeweitet: Verdächtige Nummern können nun binnen Stunden gesperrt werden. Seit Dezember 2022 sind Netzbetreiber zudem verpflichtet, internationale Anrufe zu blockieren, die eine deutsche Ortskennung vortäuschen – doch Betrüger weichen auf andere Vorwahlen aus, sobald eine Variante gesperrt ist.
Das Spoofing ist meist nur der erste Schritt. Das eigentliche Ziel ist der Einmalcode per SMS – jene kurze Zahlenfolge, mit der Banken, Broker und Plattformen wie Google oder Apple Anmeldungen absichern. Wer diesen Code auf Druck eines vermeintlichen Support-Mitarbeiters weitergibt, ermöglicht den Zugriff auf sein digitales Konto.
Ein Hinweisbeschluss des Oberlandesgerichts Bremen zeigt exemplarisch, wie das endet (Az. 1 U 32/24, Januar 2025): Ein Bankkunde gab nach mehreren Spoofing-Anrufen einen solchen Code weiter, überzeugt, eine Rückbuchung zu veranlassen – tatsächlich autorisierte er damit eine Echtzeitüberweisung von 10.000 Euro auf ein fremdes Konto.
Laut BSI-Cybersicherheitsmonitor 2025 berichteten elf Prozent der befragten Betrugsopfer von Online-Banking-Betrug, neun Prozent von Betrug über Messenger-Dienste.
Oft beginnt der Angriff nicht mit einem Anruf, sondern mit einer SMS. Beim sogenannten Smishing – aus "SMS" und "Phishing" – erhalten Nutzerinnen und Nutzer täuschend echte Nachrichten scheinbar von ihrer Bank oder einem Paketdienst. Der Trick: SMS-Absendernamen lassen sich frei vergeben, weshalb Betrugs-SMS im selben Chat-Verlauf wie echte Nachrichten erscheinen.
Der Link darin führt auf eine gefälschte Login-Seite – und wenig später folgt der Anruf mit der gespooften Nummer, um den letzten Sicherheitsriegel zu überwinden. KI eliminiert inzwischen die Grammatikfehler, die früher als Warnzeichen dienten. Die Bundesnetzagentur verzeichnete 2024 rund 11.400 Beschwerden wegen betrügerischer SMS.
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