Vier Pässe, 155 Kilometer, ein Ziel: Die Tour de France gastiert am Samstag quasi vor der Haustür. Saarländische Fans können die Berg-Etappe in den Vogesen live erleben. Was sie über steile Anstiege, wichtigste Fahrer-Zeiten und extra Parkplätze wissen müssen.
Mühlhausen/Le Fellering · Vier Pässe, 155 Kilometer, ein Ziel: Die Tour de France gastiert am Samstag quasi vor der Haustür. Saarländische Fans können die Berg-Etappe in den Vogesen live erleben. Was sie über steile Anstiege, wichtigste Fahrer-Zeiten und extra Parkplätze wissen müssen.
Trikot, Hut und rauf auf den Peloton-Beobachtungsposten: Die Tour de France kommt nach dem Sommer 2023 wieder in die Vogesen. Mit ein paar Tipps wird das Ereignis auch für saarländische Radsportfans zum Fest.
Foto: A.S.O./Pauline BalletEs wird eine Tour-Berg-Etappe, quasi vor der Haustür: Die Tour de France kommt am Samstag, 18. Juli, in die Vogesen. Die 14. Etappe führt von Mülhausen in den Skiort Le Markstein in der Gemeinde Fellering. Unterwegs, es sind 155,3 Kilometer, schrubbt das Peloton vier Gipfel und Bergkuppen – ein Fest für Radsportfans aus Grand Est und aus dem Saarland. Los geht‘s mit einem fiktiven Start in Mülhausen (13.10 Uhr). Im Ziel in Le Markstein werden die Fahrer ab 17.24 Uhr erwartet. Tipps für Anreise, Straßensperrungen, Gipfel und steilste Steigungen.
Der interessante Teil der Etappe spielt sich in den Wäldern und auf den Gipfeln der Vogesen ab. Die Gipfel liegen zwischen 225 und 260 Kilometer von Saarbrücken entfernt, etwa drei Stunden Autofahrt. Meist schlägt der Routenplaner als schnellste Variante die A4 bis Straßburg, dann die A35 in Richtung Mülhausen und Landstraßen vor, für den „Ballon d’Alsace“ die A4 bis Metz, dann über Nancy und Épinal.
Auf der Vogesen-Etappe warten Gipfel der ersten Kategorie auf die Fahrer. Die steilen Anstiege sind bei Fans besonders beliebt, um den Fahrern nah zu kommen.
Foto: A.S.O./Charly Lopez
Die besten Zuschauerplätze der Etappe bieten die Anstiege zu den insgesamt vier Gipfeln. Der „Col du Page“ ist ein Gipfel der zweiten Kategorie: 959 Meter hoch, 4,7 Prozent Steigung über 9,8 Kilometer.
Intensivere Tour-Erlebnisse versprechen die Anstiege zu den Gipfeln der ersten Kategorie der Etappe. Das sind der „Grand Ballon“ (1336 Meter, 4,8 Prozent Steigung über 21,5 Kilometer), der „Ballon d’Alsace“ (1173 Meter, 6,9 Prozent Steigung über 8,9 Kilometer) und der „Col du Haag“ kurz vor dem Ziel.
Den serpentinenreichen Waldweg geht’s am steilsten hinauf: Der „Col du Haag“ ist mit 1233 Metern nicht so hoch wie der „Grand Ballon“, aber die Strecke hat auf 11,2 Kilometern eine Steigung von 7,3 Prozent.
Auch im Sommer 2023 machte sich das Peloton auf nach Le Markstein – und brachte viele Fans an den Streckenrand.
Foto: A.S.O./Pauline Ballet
Wer rechtzeitig da ist und einen Platz am Streckenrand hat – wartet. Bis zu den entscheidenden Augenblicken. Am „Grand Ballon“ wird die Werbekarawane um 12.16 Uhr erwartet, die ersten Fahrer ab 14.35 Uhr (wenn sie durchschnittlich 40 km/h fahren) oder ab 14.44 Uhr (bei 36 km/h). Für den „Col du Page“ gelten 13.14 Uhr (Werbekarawane), 15.22 Uhr und 15.36 Uhr. Auf dem „Ballon d’Alsace“ passiert alles zwischen 13.52 Uhr (Werbekarawane), 15.57 Uhr und 16.17 Uhr. Für den „Col du Haag“ gelten 15.24 Uhr (Werbekarawane), 17.17 Uhr und 17.44 Uhr als Richtwerte.
Wer sein Tour-Lager im Zielort Le Markstein aufschlägt – das die Tour de France der Herren zuletzt im Juli 2023 empfing –, sieht die Fahrer sogar zweimal. Einmal bei der ersten Durchfahrt nach gut 40 gefahrenen Kilometern. Das soll laut Tour-Plan gegen 14.42 Uhr passieren. Zum zweiten Mal kommen die Fahrer für den Schlusssprint – ab 17.24 Uhr, wenn sie 149 Kilometer in den Beinen haben.
Sie gehören dazu, ohne sie geht gar nichts: Tourbedingte Straßensperrungen gibt es im Elsass auf dem Gebiet von gut 30 Kommunen. Das betrifft vor allem Département-Straßen außerhalb der Ortschaften. Routinierte Tour-Fans kennen die Grundregel: Die Straßen, auf denen die Tour rollt, werden eine Stunde vorher gesperrt.
Vorher heißt: eine Stunde vor der Werbekarawane. Diese passiert die Strecke reichlich zwei Stunden vor den Fahrern. Also rechtzeitig losfahren, damit man dort ist, wo man hin will, bevor die Karawane kommt. Freigegeben werden die Straßen eine Stunde, nachdem sich der letzte Fahrer durchgeschlagen hat. Erprobte Tour-Fans wissen: Von der Grundregel gibt’s auch Abweichungen, und Straßen können auch schneller wieder frei sein.
Neuralgische Punkte für die Durchführung der Etappe werden bereits am Vorabend gesperrt, und zwar fürs Durchfahren und Parken. Das betrifft unter anderem die D27 zwischen den Kreuzungen D27/D430 Le Markstein und D27/D13b Lac de Kruth. Die zentrale Kreuzung und Anfahrt auf Le Markstein wird in diesem Abschnitt von Freitag, 19 Uhr, bis Samstag, 22 Uhr, gesperrt.
Falls im Anfahrtsstress die Französischkenntnisse versagen, eine kleine Gedankenstütze: Das Schild „Route barrée“ kündigt eine gesperrte Straße an, steht irgendwo „interdiction de stationner“, darf dort nicht geparkt werden.
Die Gendarmerie richtet ab Freitag, 19 Uhr, an verschiedenen Punkten Parkmöglichkeiten ein. So auf der D430 zwischen Guebwiller und Le Markstein auf Höhe der Berghütte „Vosges Trotters“. Am Zielort Le Markstein über die D430 via Hahnenbrunnen oder von Munster über die D27.
Der Gemeindeverband Vallée de Saint-Amarin wird am Samstag, ab 6 Uhr, Parkmöglichkeiten organisieren. So im Anstieg der D13B6, von Willer-sur-Thur bis zum Col Amic, in Fahrtrichtung bergauf; außerdem im Anstieg der D13B8, von Moosch bis nach Geishouse, in Fahrtrichtung bergab. Parken soll auch an der D431G möglich sein, bei Uffholtz, am Fuße des „Grand Ballon“.
Tour-Gästen in Mühlhausen wird empfohlen, den Park-and-Ride-Parkplatz „P+Tram Kinepolis“ zu nutzen, der an dem Tag kostenlos ist.
Probleme beim Parken? In einer Umleitung gelandet, die kein Ende hat? Die Tour-Veranstalter verweisen da auf das GPS-gestützte Smartphone-Navigationssystem Waze, das Routen anzeigt, die auf Verkehrsdaten in Echtzeit basieren.
An der Strecke liegen nicht nur Gipfel und Bergkuppen, im weiteren Umkreis gibt es Orte und Städtchen, die bei Wochenendtouristen auch ohne Tour beliebt sind wie La Bresse, Thann oder Metzeral. Le Markstein selbst schmiegt sich an die beliebte Gipfelstraße „Route des Crêtes“, welche die Fahrer unterwegs in Teilen nutzen.
Vom Ziel nicht weit sind das Naturschutzgebiet Grand Ventron und der See Kruth-Wildenstein, der mit Bootsverleih und Abenteuerpark touristisch erschlossen ist. An der Gedenkstätte Hartmannswillerkopf lässt sich einem düsteren Kapitel nachspüren, war doch das Gebiet im Ersten Weltkrieg von Franzosen und Deutschen erbittert umkämpft. Fröhlich und friedlich wird es auf den zahlreichen Fanfesten und Marktplätzen der Durchfahrts- und Etappenorte, auf denen deutsche und französische Radsportfans gemeinsam feiern können. In Mülhausen sogar bis Mitternacht. ( lnz)