Ob zum ersten Mal oder längst als Tradition: Festivalbesuchende erzählen, weshalb sie ans Open Air Frauenfeld reisen, wie wichtig das perfekte Outfit ist und warum die Stimmung oft mehr zählt als die grossen Namen auf den Bühnen.

Andrea Tina Stalder
Mauro und sein Kollege Tim sind seit Donnerstag auf dem Gelände des Open Air Frauenfelds anzutreffen. Für die beiden steht fest: Sie bleiben bis Sonntag und übernachten auf dem Campingplatz in ihren Zelten. Für Mauro ist es eine Premiere: Mit 16 Jahren besucht er das Festival zum ersten Mal. «Bis jetzt empfinde ich das Festival als sehr entspannt», sagt er. Und ergänzt: «Ich muss aber sagen, ich habe mir das Open Air etwas grösser vorgestellt. Aber es passt schon.»
Für Tim ist es bereits der dritte Festivalbesuch. Der jährliche Termin am Open Air hat längst einen festen Platz in seinem Kalender. «Ich hatte hier bisher immer viel Spass. Ausserdem herrscht eine super Stimmung.»
Das Open Air ist bekannt dafür, dass viele Besuchende grossen Wert auf ihre Outfits legen. Die beiden sehen das gelassen. «Uns ist einfach wichtig, dass unsere Outfits bequem sind», sagt Tim. Besonders freuen sich die beiden auf den Auftritt von Ken Carson. Für sie steht fest: Das Alter spielt am Open Air keine grosse Rolle. Tim fasst es so zusammen: «Vor allem, wenn jemand Fan von einem Künstler oder einer Künstlerin ist.»

Bild: Andrea Tina Stalder
Morena und Jana sind zum ersten Mal überhaupt an einem Festival dabei. Die beiden 19-Jährigen haben sich bei ihrer Kleiderwahl für einen «Coachella-Vibe» entschieden. Da gehören kurze Hosen und am Rücken offene Oberteile dazu. Um ihr Outfit zu vervollständigen, haben sie sogar extra die passenden Stiefel bestellt.
Die Inspiration dafür haben die beiden aus einer ausgiebigen Suche auf der Plattform Pinterest geschöpft. Die Haare haben sich Morena und Jana spontan an einem Stand auf dem Festivalgelände noch machen lassen. «Wir sind am Stand vorbeigelaufen und haben uns gedacht, dass die Zöpfe sicher richtig cool aussehen», meinen sie. Zudem sei die Frisur bei dem heissen Wetter perfekt. Morena und Jana sind mit ihrem auffälligen Auftreten zufrieden. Sie sagen: «Lieber ‹overdressed› und selbstbewusst als ‹underdressed›.»

Bild: Andrea Tina Stalder
Luca* (27) und Matthias (24) wollten für ihren allerersten Besuch am Open Air Frauenfeld einfach etwas Cooles anziehen. Die beiden haben bereits letztes Jahr ihre Tickets gekauft. «Sonst findet man mich eher an Elektro-Musik-Festivals irgendwo in Deutschland», meint Luca. Für seinen Kollegen Matthias ist es das erste Open Air überhaupt.
Auf die Frage, weshalb sie denn nun extra den weiten Weg von Köln nach Frauenfeld auf sich genommen haben, sagen sie: «Wir wollten Wiz Khalifa sehen. Das geht jetzt leider nicht wie geplant, weil er seinen Auftritt absagen musste. Aber wir freuen uns auch auf Gunna, Don Toliver und ein paar andere Künstler.» Die erste Enttäuschung über die Absage des Auftritts von Wiz Khalifa haben die beiden aber bereits wieder überwunden. Die Stimmung des Publikums in Frauenfeld sagt ihnen zu. Feiern können sie auch so.
*Name anonymisiert.

Bild: Andrea Tina Stalder
Für Sara und Melisa ist das perfekte Outfit fürs Open Air besonders wichtig. «Wir planen unsere Outfits schon seit einem halben Jahr», sagt Sara. Melisa ergänzt lachend: «Genau. Damit haben wir gleich angefangen, nachdem wir die Tickets gekauft hatten.» Für jeden Festivaltag haben die beiden ein eigenes Outfit zusammengestellt. «Mein schönstes Outfit habe ich mir für den letzten Festivaltag aufgehoben», sagt die 22-jährige Sara und fügt mit einem Augenzwinkern an: «Dann sehe ich vielleicht meinen Ex-Freund – dann sieht er, was er verpasst hat.»
Für die beiden Freundinnen ist es bereits das dritte Open Air Frauenfeld in Folge. «Für uns ist es schon fast eine Tradition geworden», sagt Melisa. Besonders schätzen sie die Atmosphäre auf dem Festivalgelände. «Alle sind gut gelaunt, feiern und geniessen das Festival. Das gefällt mir besonders.» Die Acts seien für sie weniger wichtig als die Stimmung. Trotzdem freuen sie sich besonders auf den Rapper und Sänger Don Toliver. Neben den passenden Outfits dürfen in diesem Jahr für die beiden Ventilatoren oder Fächer sowie Wodka und Red Bull nicht fehlen.

Bild: Andrea Tina Stalder
Um die amerikanischen Künstlerinnen und Künstler einmal live auf der grossen Bühne performen sehen zu können, ist Yves extra aus der Umgebung von München angereist. «Nach Deutschland kommen die leider fast nie», meint der Hip-Hop-Fan. Yves freut sich auf die drei Tage voller guter Musik, Moshpits und ausgelassener Stimmung auf der Frauenfelder Allmend.
Zum Feiern am Festival zieht der 23-Jährige an, worauf er gerade «Bock» hat. Seine Schlüsselanhänger, die er an der Hose trägt, dürfen aber auf keinen Fall fehlen. Sie sind für ihn ein wichtiger Bestandteil des perfekten Festival-Styles. Yves sagt: «Es ist mir schon wichtig, wie ich aussehe und gestylt bin.» Um seinen Festival-Look zu komplettieren, hat der Münchner sogar auch seine Nägel mit Accessoires versehen.

Bild: Andrea Tina Stalder
Laila und Daniza feiern gerade vor der «La Fabrik Stage» zu der Musik von Popkünstler Bash. Während einer kurzen Pause im Schatten erzählen die beiden Freundinnen, dass sie in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auf der Grossen Allmend unterwegs sind. Übernachten werden die beiden 18-Jährigen allerdings nicht auf dem Festivalgelände. «Wir haben ein Hotel in Frauenfeld gebucht», meint Daniza. Das sei nicht nur entspannter, sondern lasse ihnen auch genügend Zeit und Platz, sich in Ruhe auf den Festivaltag vorzubereiten.
Denn für die beiden spielen die passenden Outfits eine wichtige Rolle. «Schon mehrere Wochen im Voraus haben wir uns viele Gedanken über unsere Outfits gemacht», erzählt Laila. Inspirieren liessen sie sich dabei von den Künstlerinnen und Künstlern, die an den drei Festivaltagen auftreten. «Wir wollten für jeden Tag ein Outfit finden, das die jeweilige Stimmung am besten widerspiegelt», sagt Daniza.
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