Juliette verdient 3800 Euro netto, doch fast die Hälfte davon geht für die Wohnung drauf. Trotzdem will sie in einigen Punkten nicht sparen – etwa bei Drinks mit Freunden oder ihren Therapiestunden.
Juliette verdient 3800 Euro netto, doch fast die Hälfte davon geht für die Wohnung drauf. Trotzdem will sie in einigen Punkten nicht sparen – etwa bei Drinks mit Freunden oder ihren Therapiestunden.
Juliette (32) betreut als Key-Account-Managerin die wichtigsten Geschäftskunden eines Snackunternehmens. Wie sie der niederländischen Tageszeitung „Het Parool“ schildert, erhält sie dafür 3800 Euro netto im Monat, bei 90 Prozent Arbeitszeit. Trotzdem ist das Leben allein in Amsterdam teuer: 2022 kaufte sie mit Hilfe ihrer Eltern eine 60-Quadratmeter-Wohnung im Stadtteil Oost für knapp 500.000 Euro und zahlt ihren Eltern nun monatlich 200 Euro zurück.
„Ich verdiene gut, aber ich finde auch, dass meine Fixkosten sehr hoch sind“, sagt sie zu „Het Parool“. Für Hypothek (900 Euro), Nebenkosten (500 Euro) und Gemeindesteuern (100 Euro) zahlt sie zusammen mindestens 1500 Euro im Monat – das sind rund 42 Prozent ihres Einkommens.
Sie führt ihre Finanzen in einer Excel-Liste, verhandelt regelmäßig über ihr Gehalt und spricht offen über Geld, um das Tabu zu brechen. Nach den Fixkosten verteilt sie den Rest auf Töpfe: 500 Euro will sie jeden Monat sparen, 150 Euro investieren.
Beim Konsum setzt sie klare Prioritäten: Essen vom Lieferdienst ist für sie rausgeworfenes Geld. Beim Einkauf von Lebensmitteln gibt sie dagegen bewusst mehr aus – abhängig von Gästen meist 300 bis 600 Euro im Monat. Sie möchte dazu nicht darauf verzichten, mit Freunden auszugehen und kauft sich regelmäßig Kaffee außer Haus.
Nicht gespart wird auch bei der Therapie, die Juliette 150 Euro im Monat kostet: „Wir gehen alle ins Fitnessstudio, um gesund zu bleiben – das sollten wir auch für unseren Kopf tun.“ Aus Kostengründen erwägt sie zwar, die Wohnung in eine Wohngemeinschaft mit einem Mitbewohner umzuwandeln. Vorerst überwiegt für sie aber die Freiheit, allein zu wohnen.
In den Niederlanden wohnen besonders viele Menschen in Häusern: Laut der aktuellen Auswertung von RationalFX leben gut 77 Prozent der Niederländer nicht in Apartments, sondern etwa in Einfamilien- oder Reihenhäusern. Damit liegt das Land im europäischen Hauptstadtvergleich auf Platz zwei hinter Irland (rund 90 Prozent).
Weil der Neubau dem Bevölkerungswachstum hinterherhinkt, bleibt vor allem innerstädtisches Wohnen teuer – das zeigt auch der Blick auf die Quadratmeterpreise beim Haus- und Wohnungskauf: Hier liegt Amsterdam im Vergleich der europäischen Hauptstädte auf Platz vier noch vor London.
Berlin kommt laut RationalFX auf 5379 Euro pro Quadratmeter und liegt damit beim Quadratmeterpreis klar unter Amsterdam. Anders sieht es hingegen beim Durchschnittspreis der Immobilie aus: Hier liegt Berlin (Platz acht) mit einem Schnitt von rund 570.000 Euro eine Position vor der niederländischen Hauptstadt, die auf einen Schnitt von rund 545.000 Euro kommt.