Ein Bademeister scheucht Gäste mit einem Elektroschocker aus dem Becken. Der Vorfall in Österreich erschüttert viele Eltern. Der Fall zeigt, wie schnell ein einzelner Fehler das Vertrauen in einen ganzen Beruf beschädigt.
Ein Bademeister scheucht Gäste mit einem Elektroschocker aus dem Becken. Der Vorfall in Österreich erschüttert viele Eltern. Der Fall zeigt, wie schnell ein einzelner Fehler das Vertrauen in einen ganzen Beruf beschädigt.
Seit Jahrzehnten arbeite ich in Schwimmbädern. In dieser Zeit habe ich unzählige Sommertage erlebt. Tage, an denen man am Abend mit dem guten Gefühl nach Hause fährt, dass alles gut gegangen ist. Aber auch Tage, an denen man körperlich und mental an seine Grenzen kommt.
Als ich dann gelesen habe, dass ein Mitarbeiter eines Freibads in Österreich die Badegäste mit einem Elektroschocker bedroht haben soll, bin ich erst einmal ganz ruhig geworden. Ich habe den Bericht noch einmal gelesen, weil ich dachte, ich hätte etwas falsch verstanden. Nicht, weil ich den Kollegen kenne oder weil ich beurteilen könnte, was vorher passiert ist.
Aber ich habe sofort daran gedacht, was so eine Nachricht mit den vielen Menschen macht, die täglich ihren Kindern die Hand geben und sie mit gutem Gefühl ins Schwimmbad schicken.
Viele glauben noch immer, ein Bademeister sitzt den ganzen Tag am Beckenrand und pfeift ab und zu ins Wasser. Ganz ehrlich, ich wünschte manchmal, es wäre so einfach. Die Realität sieht anders aus. Während die einen ihre Freizeit genießen, behalten wir mehrere Becken gleichzeitig im Blick, achten auf Kinder, die sich vielleicht überschätzen, reagieren auf kleine Verletzungen, schlichten Streitigkeiten und müssen jederzeit damit rechnen, dass aus einem ganz normalen Badetag plötzlich ein Notfall wird.
Dazu kommen die vielen Gespräche, die kaum jemand mitbekommt. Da möchte ein Vater diskutieren, weil sein Sohn noch einmal rutschen will. Jugendliche sehen nicht ein, warum sie vom Beckenrandspringen lassen sollen. Andere ärgern sich, weil das Bad schließt, obwohl draußen noch die Sonne scheint. Glauben Sie mir, davon könnte ich nach all den Jahren ein ganzes Buch erzählen. Trotzdem habe ich mir immer eines vorgenommen: Egal wie hektisch es wird, egal wie laut jemand wird oder wie sehr mich eine Situation ärgert – ich darf niemals vergessen, welche Verantwortung ich in diesem Moment trage.
Ich kenne die Hintergründe aus Österreich nicht und werde sie auch nicht bewerten. Das ist Aufgabe der Ermittlungsbehörden. Was ich aber bewerten kann, ist die Botschaft, die bei den Menschen ankommt. Viele lesen am Ende nur die Überschrift und merken sich: „Ein Bademeister hat einen Elektroschocker eingesetzt.“
Dass es sich um einen einzelnen Mitarbeiter handelt, gerät dabei schnell in den Hintergrund. Für die vielen Kolleginnen und Kollegen, die Tag für Tag einen hervorragenden Job machen, ist das bitter.
Dabei weiß ich aus eigener Erfahrung, wie professionell die meisten arbeiten. Sie springen ins Wasser, wenn andere zögern. Sie beruhigen Eltern, versorgen Verletzte und behalten auch dann den Überblick, wenn um sie herum gefühlt alles gleichzeitig passiert. Von diesen Geschichten liest man selten etwas. Sie schaffen es nicht in die Schlagzeilen, obwohl genau sie den Alltag in unseren Schwimmbädern ausmachen.
Natürlich gibt es Situationen, in denen einem innerlich der Kragen platzen könnte. Wer etwas anderes behauptet, war wahrscheinlich noch nie an einem heißen Ferienwochenende in einem überfüllten Freibad im Einsatz. Aber genau dann trennt sich für mich Professionalität von Unprofessionalität. Wer Verantwortung für andere Menschen trägt, muss zuerst sich selbst im Griff haben. Das gilt für Rettungskräfte, für die Polizei, für Feuerwehrleute – und genauso für uns im Schwimmbad.
Ein Elektroschocker hat deshalb am Beckenrand nichts verloren. Nicht, weil ich jemandem vorschnell Vorwürfe machen möchte, sondern weil unsere Aufgabe eine andere ist. Wir sollen Sicherheit geben, Vertrauen schaffen und in schwierigen Situationen Ruhe ausstrahlen. Darauf verlassen sich Eltern, Kinder und alle anderen Badegäste.
Der Vorfall aus Österreich sollte deshalb nicht dazu führen, einen ganzen Berufsstand zu verurteilen. Er sollte uns aber daran erinnern, wie wichtig Selbstbeherrschung in unserem Beruf ist. Denn egal, wie stressig ein Sommertag auch werden kann – so darf einem Mitarbeiter im Schwimmbad niemals die Sicherung durchbrennen.
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