Nach 2023, als es um mehr Transparenz in der Rechnung von Energie Kreuzlingen (EnK) ging, ist die städtische Abteilung erneut Thema eines Vorstosses im Kreuzlinger Gemeinderat gewesen. Die meisten Räte haben nichts gegen die besondere Stellung des Betriebs innerhalb der Verwaltung.

Archivbild: Stefan Borkert
Letztlich war es denkbar knapp. Um ein Haar wäre der Kreuzlinger Gemeinderat Alexander Salzmann (FDP) mit seinem Postulat zum Eigenleben der «Energie Kreuzlingen» vom 13. November 2025 durchgekommen, doch nur 15 Rätinnen und Räte hoben dafür die Hand. 16 waren dagegen und fünf enthielten sich.
Salzmann und 17 Mitunterzeichnende kritisieren ein «Eigenleben» der Abteilung Energie Kreuzlingen, das sich nur teilweise durch ihre Art der Tätigkeit rechtfertigen lasse. Als Belege für ihre Behauptung gaben sie in ihrem Vorstoss unter anderem an, dass die Ressortleiter Mitglied einer «Geschäftsleitung» seien, der Betrieb eine eigene E-Mail-Domain und eine von der übrigen Stadtverwaltung unabhängige Homepage habe. Zudem betreibe Energie Kreuzlingen ein eigenes Marketing, eine eigene Kommunikation sowie einen eigenen Finanzhaushalt.
Salzmann und seine Mitstreiter forderten den Stadtrat auf, die bisherigen Unterschiede zwischen der Abteilung Energie Kreuzlingen und den übrigen Abteilungen der Stadtverwaltung zu analysieren und allenfalls die Liste mit neuen Erkenntnissen zu ergänzen. Dies lehnte der Stadtrat ab. Für ihn macht ein eigener Buchungskreis mit eigener Finanzhoheit des Betriebs jedoch durchaus Sinn. Eine Analyse zeige, dass die getrennte Rechnungsführung eine fachlich und regulatorisch notwendige Voraussetzung sei, heisst es in seiner Stellungnahme zum Postulat. So unterscheide sich etwa die Jahresrechnung in Aufbau und Tiefe, um die Kostenstellenstruktur der Sparten und regulatorische Vorgaben korrekt abzubilden.
Der Betrieb erkenne den politischen Wunsch nach mehr Lesbarkeit an und arbeite an einer neuen «noch transparenteren» Darstellung. Ab dem Budget 2027 werde eine detaillierte Erfolgsrechnung nach Sparten vorgelegt, wodurch die finanzielle Entwicklung besser nachvollziehbar werde, kündigt der Stadtrat an.
Dass die Führungsebene der Stadtverwaltung als Ressortleitung bezeichnet werde und bei Energie Kreuzlingen die gleiche Führungsebene Geschäftsleitung heisse, sei historisch gewachsen und spiegle unterschiedliche Organisationsstrukturen wider. Der Stadtrat schätzt die Unterscheidung nicht als zwingend notwendig, aber aus Sicht des Marktauftritts, der Branchenüblichkeit und der organisatorischen Eigenständigkeit als sachlich begründbar und legitim ein.
Die eigene E-Mail-Domain mit der Endung @energiekreuzlingen.ch wird damit erklärt, dass Energie Kreuzlingen nach aussen hin als eigenes Stadtwerk auftrete. «Die unterschiedliche Domain ermöglicht eine klare Zuordnung der Kommunikation», so der Stadtrat. Dies entspreche den branchenüblichen Standards. Gleiches gelte auch für die eigene Internetseite. Der Webauftritt des Betriebs erfülle völlig andere Aufgaben als jener der Stadt. Die Homepage von Energie Kreuzlingen sei als kundenorientierte Service- und Infoplattform für die Energie und Wasserversorgung aufgebaut. Sie biete Funktionen, die eine klassische Verwaltungswebsite weder benötigt noch integrieren könne.
Für Postulant Salzmann zeigen die Antworten des Stadtrats: «Wir wollen nicht.» Schützenhilfe bekam er von Seiten der SVP. «Energie Kreuzlingen fällt innerhalb der Stadt immer wieder mit einem Eigenleben auf, ist aber ein Teil der Stadt», meinte Nico Keller. Erklärungen mit der Branchenüblichkeit bezeichnete er als Ausrede. Thomas Leuch (EVP) entgegnete, dass Energie Kreuzlingen kein Sonderfall sei: «Es ist üblich, Verwaltung und Energieversorgung zu trennen.» Energie Kreuzlingen brauche mehr Spielraum, um im Markt flexibler agieren und reagieren zu können. Dies hatten auch die meisten Räte so gesehen.