Beim Fußball-Talk sprach Maurizio Gaudino über emotionale Momente seiner Laufbahn, die WM 1994 und seine Beratungstätigkeit beim VfR Aalen.
Stand: 10.07.2026, 18:30 Uhr
Von: Max Wanner

Beim Fußball-Talk sprach Maurizio Gaudino über emotionale Momente seiner Laufbahn, die WM 1994 und seine Beratungstätigkeit beim VfR Aalen.
Aalen. Maurizio Gaudino, Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und langjähriger Bundesligaspieler, gewährte beim Fußball-Talk der Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost im Konrad Café und Bar Einblicke in die Höhepunkte und Tiefen seiner Karriere. Besonders emotional schilderte er seine Erlebnisse rund um die Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Zwar stand er im Kader der Nationalmannschaft, kam jedoch nicht zum Einsatz. „Ich habe schon vor Ort gespürt, dass die Stimmung kippt. Als junger Spieler war ich jedoch machtlos und konnte nichts tun“, erinnert sich Gaudino.
Er berichtet von Unstimmigkeiten im Team: „Matthäus hat sich immer beschwert, dass Berti Vogts nur noch mit Klinsmann spricht. Einige sind nachts heimlich zu ihren Frauen gefahren – das war eigentlich verboten.“ Die fehlende Autorität von Vogts habe das Team zusätzlich verunsichert. Er habe nicht die Autorität verkörpern können, wie sein Vorgänger Franz Beckenbauer, unter dem Deutschland 1990 Weltmeister wurde.
Das Ausscheiden gegen Bulgarien im Viertelfinale bleibt für Gaudino unvergessen: „Alle waren sicher, dass wir gewinnen. Selbst die Bulgaren glaubten nicht an ihren Sieg.“ Dass er selbst nicht zum Einsatz kam, schmerzt ihn bis heute: „Während des Spiels habe ich mit Kalle Riedle Späße gemacht, ob wir es wie Günther Netzer machen und uns selbst einwechseln sollen.“ Als das Spiel vorbei war, habe er wie ein kleiner Junge geweint. Noch heute bekomme er Gänsehaut, wenn er an diesen Moment denkt. "Wir alle würden am liebsten die Zeit zurückdrehen und 1000 Dinge anders machen", so Gaudino, doch damals sei es der Mannschaft nicht gelungen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Trotz der Enttäuschungen blickt Gaudino voller Stolz zurück: „Ich bin stolz auf alles, was ich erreicht habe. Die Meisterschaft mit dem VfB bleibt unvergesslich.“ Der Sohn italienischer Einwanderer entschied sich früh für einen deutschen Pass: „Für mich war es die richtige Entscheidung, für Deutschland zu spielen.“
Seine Vereinslaufbahn führte ihn unter anderem nach Mexiko und England. „Vor 120.000 Zuschauern im Aztekenstadion zu spielen – das vergisst man nie. Wenn nur 50.000 da waren, wirkte es fast leer.“ Auch bei Manchester City und in der Türkei sammelte er wertvolle Erfahrungen.
Heute ist Gaudino als Sportbeirat beim VfR Aalen aktiv. Der Kontakt zu Cidimar sowie die Gespräche mit Marc Elser und Michael Schäfer überzeugten ihn: „Ich bin total froh, dass ich beratend zur Seite stehen darf. Marc Elser und Michael Schäfer saugen mein Wissen wie Schwämme auf, wir denken oft in die gleiche Richtung.“
Vom aktuellen Trainer Beniamino Molinari ist Gaudino begeistert: „Er ist akribisch und kann im Spiel schnell reagieren. Dafür braucht er keine Analysten mit Lap-Top auf der Tribüne. Auch seine Vorbereitung auf die Spiele und Gegner sind sehr detailliert und umfassen alle Stärken und Schwächen des kommenden Gegners. Eigentlich ist er für die Regionalliga überqualifiziert.“
Gaudino hofft, dass der VfR Aalen in dieser Saison an den oberen Plätzen schnuppern kann, bleibt aber realistisch: „Als Aufsteiger müssen wir demütig bleiben. Aber ich war schon immer ein Träumer. Als Kind habe ich davon geträumt, eines Tages Nationalspieler zu werden, und bin es geworden. Jetzt träume ich davon, dass der VfR Aalen irgendwann wieder in der 2. Bundesliga spielen kann."
Ein besonderes Highlight: Auch sein Sohn Gianluca wechselte diesen Sommer zum VfR. „Ob es der richtige Schritt ist, wird sich zeigen. Aber er wollte unbedingt wieder näher bei seinem Sohn in München sein. Ich war in den Transfer und in die Gespräche nicht involviert, das ist mir total wichtig zu betonen." Für Gianluca sei es sicherlich auch nicht der gemütlichste Weg, da sein Vater sportlich immer sehr kritisch in der Bewertung seiner Leistungen sei. Trotzdem freut sich Maurizio Gaudino darauf, seinem Sohn wieder häufiger beim Fußballspielen zuschauen zu können.
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