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Kommentar: Warum Berlin alles gewinnt - außer im Fußball

Дата публикации: 22-06-2026 19:51:12

Liest man sich durch die Siegerlisten in den publikumswirksamsten Sportarten Deutschlands, ist Berlin fast immer ganz weit vorn mit dabei. Außer im Fußball. Warum das so ist - und warum womöglich gar nicht mal so schlimm.


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Kommentar Sport Warum Berlin alles gewinnt - außer im Fußball

Alba Berlins Basketballer jubeln über den Meister-Titel (imago images/Tilo Wiedensohler)
Alba Berlins Basketballer jubeln über den Meister-Titel (imago images/Tilo Wiedensohler)
  • Berlin wird auch in diesem Jahr wieder Meister im Eishockey, Basketball und Volleyball
  • Auch die Handballer der Füchse Berlin spielen sehr erfolgreich
  • Nur im Fußball enttäuscht die Hauptstadt nachhaltig
  • Der Grund dafür: das liebe Geld

Ganz Berlin ist eine Wolke, heißt es. Schaut man sport-meteorologisch drauf, lässt sich sogar ihr genauer Standort bestimmen - mitten im siebten Himmel. Ganz besonders nach dem sensationellen, weil so unerwarteten Titel-Gewinn der Basketballer von Alba Berlin. Womit es im Sommer 2026 einmal mehr und in Anlehnung an einen alten Werbespruch Baden-Württembergs heißt: (Sport-)Berlin kann alles. Außer Fußball.

Naja. Fast alles. Die Füchse Berlin sind in der stärksten Handball-Liga der Welt nur Zweiter geworden in dieser Saison. Dafür haben sie den Pokal geholt, standen im Finale der Champions League. Wer an dieser Füchse-Saison herummäkeln möchte, sucht auch hektisch nach einer Lademöglichkeit für sein Handy - bei 98 Prozent vollem Akku.

Es liegt am Geld

Meister hingegen: Die Eisbären Berlin (mal wieder), die BR Volleys (mal wieder) und also Alba Berlin (irgendwie auch: mal wieder). So richtig publikumswirksamen Sport gibt es dann auch nicht mehr in Deutschland. Außer eben genau dort, wo er am größten ist in diesem Land, wo Berlin aber zum Problem-Bär wird: im Fußball. Ein mittelmäßiger Erstligist (Union), ein mittelmäßiger Zweitligist (Hertha) - mehr ist nicht. Aber warum ist das so?

Bei einfachen Antworten soll man ja misstrauisch werden. Aber vielleicht ist es in diesem Fall mal wirklich ganz einfach. Es liegt am Geld.

Viele Mittel, schlaue Macher

Während der Berliner Haushalt immer zu wenig davon hat, haben die erfolgreichen Berliner Vereine im Vergleich zu ihrer bundesdeutschen Konkurrenz schlicht genug davon. Selbst Alba, deren Jahres-Etat auf rund sieben Millionen geschätzt und damit deutlich unter den wohl 50 Millionen des Finalgegners Bayern München liegt, hat im Vergleich zum bundesdeutschen Rest genug davon, um mindestens Platz zwei als Ziel zu setzen. Und dann, der Beweis wurde nun ja unlängst erbracht, ist im Sport eben noch immer alles möglich.

Dass die Berliner Vereine im Vergleich zur Konkurrenz so gut dastehen, hat mit ihren Machern zu tun. Mit Bob Hanning bei den Füchsen oder mit Kaweh Niroomand. Die wissen, wie man Geld besorgt. Und wie man es gut anlegt. Aber auch damit, dass Berlin über große Hallen und somit höhere Zuschauer-Einnahmen verfügt als die Konkurrenz.

Der Abstand bleibt groß für Union

Auch bei Union Berlin wissen die Macher mehr als gut genug, Geld zu besorgen und es nachhaltig einzusetzen. Der Aufstieg des Vereins vom klammen, mittelmäßigen Zweitligisten mit marodem Stadion zu einem mittelmäßigen Erstligisten, der zwischendurch aber sogar mal Champions League spielte und nebenbei sukzessive Stadion und Trainingsanlagen ausbaut und verbessert, ist mindestens eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten des deutschen Fußballs der letzten 25 Jahre. Der historische Abstand zu den Bundesliga-Granden aus München, Dortmund oder Stuttgart bleibt aber groß.

Aus der Not eine Tugend machen

Bei Hertha BSC hingegen hatten sie mal viel Geld und große Partner. Bei Hertha BSC haben sie ein großes Stadion. Nur eben seit Dieter Hoeneß Anfang der Jahrtausendwende keinen Macher mehr, der mit all dem etwas anzufangen wusste.

Aber im Fußball geht es ja bekanntlich weiter, immer weiter und die Hoffnung stirbt zuletzt. Vor allem aber ist man in Berlin ja gut und erfahren darin, aus der Not eine Tugend zu machen. Und weil die Not so aufs Ganze betrachtet gar nicht so groß ist, ist das mit der Tugend auch ziemlich einfach. Aus Unterhaltungszwecken geht’s zum Fußball. Für den Erfolg überall anders hin.

Sendung: rbb|24, 22.06.2026, 21:07 Uhr

Audio: rbb|24, 22.06.2026, Ilja Behnisch

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