Der Fifa-Präsident stellt zusammen mit dem US-Präsidenten seine eigenen WM-Regeln auf und gefährdet damit die Integrität des Fußballs. Warum er damit durchkommt? Weil er es kann.
Gianni Infantino ist bekanntermaßen ein Bewunderer von Donald Trump. Trotzdem dürfte sich der Fifa-Präsident wohl insgeheim über den Achtelfinalsieg der Belgier bei der WM gegen das US-Team gefreut haben. Schließlich erspart es ihm und diesem Turnier doch weitere Diskussionen über eine mögliche Begünstigung des WM-Gastgebers durch die Fifa.
Seine Machenschaften mit dem US-Präsidenten haben die Integrität des Wettbewerbs bewusst gefährdet. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem das sportliche Geschehen all die im Vorfeld geführten Diskussionen um die teilweise unwürdigen Begleiterscheinungen dieser Endrunde insbesondere im Land des Hauptausrichters gerade ein wenig in den Hintergrund gedrängt hatte.
Der Fußball reklamiert für sich, unabhängig und völkerverbindend zu sein. In den vergangenen Wochen war die besondere Kraft, die von diesem Sport ausgeht, wieder zu spüren. Doch wenn zwei Menschen sich absprechen, um den Ausgang eines Fußballspiels zumindest zu beeinflussen, dann ist es tatsächlich „eine absolute Schande“, wie es Wayne Rooney ausdrückte.
„Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel“, sagte Jürgen Klopp. Ein schöner Satz, der die tatsächliche Lage aber verkennt. Denn Klopp wie auch Rooney und all die anderen sind Teil dieses Spiels. Die Uefa fällt zwar immer wieder als lautstarker Kritiker von Infantino auf, aber wenn es darauf ankommt, ziehen die Europäer regelmäßig den Schwanz ein und kuschen.
Zu groß sind die von der Fifa aufgestellten Fleischtöpfe, als dass man darauf einfach so verzichten könnte. Und zu wenig Unterstützung gibt es aus den anderen Kontinentalverbänden, die Infantino für seine Macht geschickt einzusetzen weiß, indem er mal hier und mal da großzügig Geschenke verteilt.
Schon jetzt erscheint es aussichtslos, dass Infantino aus der Präsidentschaftswahl der Fifa im kommenden Jahr nicht als Sieger hervorgeht. Bisher gibt es noch nicht einmal einen Gegenkandidaten. Und wenn es dann doch mal so etwas wie Widerstand gegen seine Amtsführung gibt, verpufft der ganz schnell wieder.
So droht sich der Fußball letztlich gänzlich dem System Infantino zu unterwerfen. Mit all den hässlichen Folgen, wie sie jetzt im Fall Balogun zu sehen waren. Kritik an der Fifa wird zwar geäußert, Konsequenzen aber gibt es keine. Das ist die traurige Realität, in der große Worte wie die von Klopp und Rooney nur unbedeutende Fußnoten sind.
Diese WM 2026 wird damit enden, dass Gianni Infantino wieder einmal ungeschoren davonkommt und sich feiern lassen darf als Heilsbringer des Fußballs. Und den nicht einmal ein von seinen Gnaden gekürter Weltmeister USA hätte zu Fall bringen können. Von daher hat sich der Fifa-Präsident womöglich doch nicht über den belgischen Sieg gefreut. Weil er weiß, dass ihm nichts und niemand gefährlich werden kann.