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„Hotel Mama“: Warum junge Erwachsene immer länger bei den Eltern wohnen

Дата публикации: 01-07-2026 12:55:00




Junge Menschen in Deutschland ziehen immer später aus dem Elternhaus aus. Die Gründe sind vielfältig. Entscheidend ist aber oft die langwierige und oft erfolglose Suche nach einer eigenen Wohnung oder einem WG-Zimmer.



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„Hotel Mama“ Warum junge Erwachsene immer länger bei den Eltern wohnen

Ein junger Mann hebt seine Beine, während eine Frau den Teppich saugt (Symbolbild).

Ein junger Mann hebt seine Beine, während eine Frau den Teppich saugt (Symbolbild).

Foto: dpa/Silvia Marks

Düsseldorf · Junge Menschen in Deutschland ziehen immer später aus dem Elternhaus aus. Die Gründe sind vielfältig. Entscheidend ist aber oft die langwierige und oft erfolglose Suche nach einer eigenen Wohnung oder einem WG-Zimmer.

Hupende Sprinter, Taschentücher schwenkende Mütter und reichlich Tränen: Der Auszug aus dem elterlichen Nest ist ein großer und für viele auch emotionaler Schritt. Ein Schritt, den jüngere Menschen in Deutschland später wagen als früher. Im vergangenen Jahr lebten 30 Prozent der 25-Jährigen noch im elterlichen Haushalt, gut zwei Prozent mehr als in den drei Jahren zuvor. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor.

Von den 25 Jahre alten Söhnen lebte mehr als jeder dritte (36 Prozent) im Elternhaus, bei den Töchtern knapp jede vierte. Diese Schere zwischen jungen Männern und Frauen geht mit zunehmendem Alter weiter auseinander. Mit 30 Jahren wohnten im vergangenen Jahr 13 Prozent der Söhne und 7 Prozent der Töchter bei den Eltern.

Anne Berngruber, Forscherin am Deutschen Jugendinstitut, spricht von einem „Statusübergang im jungen Erwachsenenalter“. Dieser hänge auch mit dem Bildungsgrad, der Unterstützung durch das Elternhaus und der eigenen finanziellen Unabhängigkeit zusammen. Schüler und Auszubildende blieben mehrheitlich bei den Eltern wohnen, Abiturientinnen zögen im Schnitt zum Studium aus, sagte Berngruber in einem Podcast zum Thema.

Früher Auszug in Deutschland im EU-Vergleich

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland ein Land mit vergleichsweise frühem Auszug. Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat zogen junge Menschen in Deutschland mit durchschnittlich 24,1 Jahren aus, der EU-Schnitt lag bei 26,3 Jahren. Letzterer Wert ist laut der Statistikbehörde seit beinahe zwei Jahrzehnten stabil.

Frühe Nestflucht gibt es in den nordeuropäischen Ländern. In Finnland lag das durchschnittliche Alter bei 21,3 Jahren. Dänemark, Litauen und Estland verzeichnen ebenfalls Werte unter 23 Jahren. Ganz anders sieht es im Süden und Osten Europas aus. In Kroatien betrug das Durchschnittsalter bei Auszug aus dem Elternhaus 31,5 Jahre, in Griechenland, Spanien und Italien lag es über 30 Jahren.

Jugendarbeitslosigkeit als Grund?

Ein Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Jahr zeigt, dass in zahlreichen südeuropäischen Ländern mit spätem Auszug die Arbeitslosigkeit unter den 15- bis 24-Jährigen überdurchschnittlich hoch war.

Die Arbeitslosigkeit in der besagten Altersgruppe liegt in Deutschland indes mit nur 6,4 Prozent deutlich unter dem EU-Schnitt von 14,7. In Estland, einem Land mit besonders frühem Auszug aus dem Elternhaus, ist sie mit 25,4 Prozent deutlich höher.

Mietpreise steigen

Der späte Auszug ist Experten zufolge selten eine Frage der Bequemlichkeit. Ausbildungszeiten sind länger geworden, die eigene Familiengründung kommt später. Doch vor allem braucht es für eine eigene Wohnung ein geregeltes Einkommen oder finanzielle Unterstützung, etwa durch die Eltern.

Deutschland ist im europäischen Vergleich das Mieterland. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt zur Miete. Grundsätzlich gibt es ein großes Angebot an Mietwohnungen, für Studenten kommt die Option Studentenwohnheim hinzu. Angesichts deutlich steigender Mietpreise in Städten und oft fehlender kleinerer Mietwohnungen, sind die Herausforderungen für junge Menschen dennoch programmiert. Nur etwa 15 Prozent aller Wohnungen in Deutschland sind Wohnungen mit 1 bis 2 Zimmern. Die Durchschnittswohnung ist 94 Quadratmeter groß.

Miete überfordert viele finanziell

Jeder dritte Miethaushalt ist laut einer aktuellen Studie des Instituts Wohnen und Umwelt im Auftrag des Mieterbunds zudem mit Kaltmiete und Heizkosten überlastet. Der starke Anstieg der Mieten liegt laut Mieterbund nicht zuletzt am starken Rückgang der Sozialwohnungen in Deutschland seit 1990. Und der Bestand werde noch geringer.

Eine nach eigenen Angaben repräsentative Umfrage von YouGov im Auftrag von Immowelt zeigte im vergangenen Jahr darüber hinaus, dass der Auszug nicht immer auf Dauer ist. Der Befragung zufolge steigt die Zahl der jungen Menschen, die nach einigen Jahren wieder ins Elternhaus zurückkehren - wenn auch meist nur temporär.

Laut Berngruber sind es oft kritische Wendepunkte, die zu einem Rückzug ins Elternhaus führen. Etwa die Trennung vom Partner, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme - oder zu hohe Mieten.

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