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Social-Media-Verbot - Das Ringen um die Altersgrenze

Дата публикации: 25-06-2026 14:55:00


Ob ein Social-Media-Verbot in Deutschland kommt, ist auch nach dem Bericht einer Expertenkommission immer noch offen. Wir wirksam sind Altersgrenzen und was wünschen sich die Jugendlichen selbst?


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Social-Media-Verbot
Das Ringen um die Altersgrenze

Ob ein Social-Media-Verbot in Deutschland kommt, ist auch nach dem Bericht einer Expertenkommission immer noch offen. Wir wirksam sind Altersgrenzen und was wünschen sich die Jugendlichen selbst?

25.06.2026

Ein Junge liegt mit seinem Smartphone auf einem Sofa. Er trägt Kopfhörer und starrt auf den Bildschirm seines Handys.

Weiterhin umstritten in Deutschland: Soll die Nutzung von Tiktok, Instagram und Co. für Kinder und Jugendliche begrenzt werden? (picture alliance / Hans Lucas / Mathieu Thomasset)

Eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission hat jetzt 56 Handlungsempfehlungen präsentiert, die junge Menschen besser vor Risiken und Übergriffen in den sozialen Medien schützen sollen.

Keine klare Empfehlung gibt es für eine Altersgrenze für Tiktok, Instagram und Co. Die Kommission schlägt zwei Varianten vor: Entweder ein generelles Verbot für Kinder bis einschließlich zwölf Jahren oder keine Altersbeschränkung, dafür aber altersabhängige Einschränkungen auf den Plattformen.

Einig ist sich die Kommission darin, dass die Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden müssen. Nicht das Verhalten der Nutzenden, sondern die Dienste selbst, mit ihren Algorithmen und Endlos-Feeds, halten die Expertinnen und Experten für problematisch, weil diese auf eine möglichst lange Verweildauer abzielen.

Zwölf- bis 13-Jährige verbringen laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest mehr als zweieineinhalb Stunden täglich am Smartphone. Bei den 18- und 19-Jährigen sind es mehr als viereinhalb Stunden. Sie gucken Videos auf Youtube, chatten auf Snapchat und WhatsApp und scrollen durch Instagram- und Tiktok-Feeds.

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Dabei stoßen sie zum Teil auf verstörende Inhalte. „Ich habe eine kopflose Person gesehen“, berichtet ein Schüler, der die neunte Klasse eines Berliner Gymnasiums besucht.

Seine Mitschülerin erzählt, dass sie auf der Suche nach Fitnesstipps gewesen sei. Doch ihr Feed habe sich mit Videos von Menschen gefüllt, die penibel Kalorien zählten. Daraufhin habe sie ein unrealistisches Körperbild entwickelt, psychische Probleme bekommen und sei mit 13 Jahren in die Magersucht gerutscht. Vielleicht wäre das auch ohne die Apps passiert, sagt sie. Doch sie ist sicher, dass Social Media einen Anteil an ihrer Krankheit hatte.

Trotz solch negativer Erlebnisse nutzen die befragten Neuntklässler die sozialen Medien gern und viel. Sie lernen damit Sprachen oder ein Instrument und pflegen Freundschaften. Deshalb sprechen sie sich auch gegen ein Verbot aus, plädieren aber für Einschränkungen: Die Apps sollten so programmiert werden, dass sie nicht süchtig machen. Verstörende Inhalte sollten komplett von den Plattformen verschwinden. 

Auch der Jugendrat der Medienanstalt Berlin Brandenburg lehnt ein generelles Social-Media-Verbot ab. Er tritt für eine reflektierte Nutzung ein und sieht vor allem die Plattformen in der Verantwortung, junge Menschen zu schützen.

Altersgrenzen für Social Media: Pro und Contra

Der Bildungsforscher Klaus Zierer hält eine Altersgrenze ab 16 Jahren für sinnvoll, er ist Mitglied der Expertenkommission. „Die Selbststeuerung bei den sozialen Medien und die sozialen Medien sind so angelegt, dass sie (...) ein süchtig machendes Design haben, das übrigens nicht nur Kinder betrifft, sondern auch viele Erwachsene“, sagt er.

Um dem zu widerstehen, sei der präfrontale Kortex im Gehirn entscheidend. Doch dieser sei erst im frühen Erwachsenenalter ausgereift. „Ich kann von einem Zehn-, Elf-, Zwölfjährigen einfach nicht verlangen, regulier’ mal deinen ganzen Medienkonsum, weil das ganze Design so angelegt ist, dass der junge Mensch es eigentlich gar nicht schaffen kann“, betont der Wissenschaftler.

Eine andere Perspektive vertritt der Jurist Urs Gasser von der Kinderschutz-Initiative „Frontiers in Digital Child Safety“. Social-Media-Verbote schützten nicht vor den Gefahren im Netz, warnt er.

Die Plattformen müssten sich ändern und sichere, digitale Räume für junge Menschen schaffen. Zudem seien Altersverifikationen problematisch, weil Kinder und Jugendliche falsche Angaben machen oder auf andere Plattformen ausweichen könnten. Hinzu komme: Je genauer die Verifikation sei, desto mehr sensible Daten würden gesammelt, was wiederum neue Risiken schaffe.

„Der springende Punkt ist, dass Hilfe und Risiko hier in einem Ort zusammenfallen. In sozialen Medien ist man schädlichen Inhalten ausgesetzt. Gleichzeitig finden einige junge Leute hier auch Halt“, sagt Holly Beer. Sie forscht an der Universität Oxford zu den Auswirkungen von digitalen Medien auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

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In einer Befragung von mehr als 35.000 Schülerinnen und Schülern in Großbritannien zeigte sich, dass Jugendliche, die unter Einsamkeit oder Mobbing litten oder sich selbstverletzend verhielten, digitale Räume eher zur Unterstützung nutzten - oder um Anschluss zu finden.

Was das Social-Media-Verbot in Australien gebracht hat

Die Frage ist auch, wie praktikabel Verbote tatsächlich sind. Australien führte im Dezember 2025 als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Allerdings hat das bislang offenbar wenig verändert.

Eine im Fachjournal „The British Medical Journal“ veröffentliche Umfrage unter rund 400 Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren ergab, dass drei Monate nach dem Verbot noch immer mehr als 85 Prozent der Befragten in den sozialen Medien unterwegs waren. Auch die tägliche Nutzungsdauer hatte sich kaum verändert.


Onlinetext: Kristina Reymann-Schneider

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