Rund 86.000 Menschen auf den Balearen leben in schwerer Armut. Alleinlebende müssen mit weniger als 680 Euro im Monat auskommen, bei Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt die Grenze bei 357 Euro pro Person. Insgesamt sind rund 190.000 Menschen und damit 15,2 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Rund 86.000 Menschen auf den Balearen leben in schwerer Armut. Alleinlebende müssen mit weniger als 680 Euro im Monat auskommen, bei Familien mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt die Grenze bei 357 Euro pro Person. Insgesamt sind rund 190.000 Menschen und damit 15,2 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
Das geht aus dem am Freitag (16.10.) im Balearen-Parlament vorgestellten Armutsbericht 2026 hervor, der auf Daten des spanischen Statistikamtes INE aus dem Jahr 2025 basiert.Viele Betroffene müssten „wahre Wunder vollbringen“, um über die Runden zu kommen, erklärte Xavier Torrens, Präsident des Europäischen Netzwerks zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (EAPN).
Fast jedes vierte Kind von Armut bedrohtBesonders betroffen sind Minderjährige: 23 Prozent der unter 18-Jährigen sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, fast acht Prozentpunkte mehr als im Bevölkerungsdurchschnitt. Das Netzwerk, dem 24 soziale Organisationen angehören, warnt vor langfristigen Folgen für die Entwicklungschancen der Kinder und einer Verfestigung der Armut über Generationen hinweg.

Sichtbare Armut auf Mallorca: Baracken am Torrent de Sa Riera in Palma. / B. Ramon
Auch die Einkommensarmut ist nach drei Jahren des Rückgangs wieder leicht gestiegen. 11,6 Prozent der Einwohner verfügen über weniger als 60 Prozent des nationalen Medianeinkommens. Die wirtschaftliche Erholung komme bei den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen nicht ausreichend an. Als Ursachen nennt das Netzwerk steigende Lebenshaltungskosten, die zunehmende Schwierigkeit, trotz Erwerbstätigkeit den Lebensunterhalt zu sichern, und den Mangel an bezahlbarem Wohnraum.
Wohnungsmarkt verschärft die LageBesonders kritisch bewertet die Organisation die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Zwischen 2015 und 2025 stiegen die Kaufpreise auf den Balearen um 95,1 Prozent, die Mieten verteuerten sich zwischen 2015 und 2024 um 28,8 Prozent. Das Netzwerk führt dies unter anderem auf zunehmende Immobilieninvestitionen, die Ausweitung der Ferienvermietung und den langjährigen Mangel an bezahlbarem öffentlichem Wohnraum zurück.
Torrens fordert deshalb einen Ausbau des öffentlichen Wohnungsbaus, mehr Sozialmietwohnungen sowie Maßnahmen gegen Zwangsräumungen und die Verdrängung von Bewohnern. Wohnen dürfe nicht ausschließlich als Wirtschaftsgut betrachtet werden.
Zudem müsse die soziale Absicherung verbessert und ein Mindesteinkommen für Menschen in prekären Lebenssituationen gewährleistet werden, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen, beruflichen oder aufenthaltsrechtlichen Situation. Konkret fordert Torrens eine Ausweitung der regionalen Sozialhilfe RESOGA und eine bessere Verwaltung der staatlichen Mindestsicherung IMV, die derzeit nur rund ein Drittel der potenziell Anspruchsberechtigten erreiche. Auch eine allgemeine finanzielle Unterstützung für die Kindererziehung, wie sie laut Netzwerk in den meisten europäischen Ländern existiert, sei notwendig. Ohne staatliche Transferleistungen würde die Armutsquote dem Bericht zufolge auf nahezu 28 Prozent steigen.
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Besorgt zeigte sich Torrens außerdem über zunehmende Hassreden und die sogenannte Aporophobie, also die Ablehnung armer Menschen, in Politik, Medien und Gesellschaft. Diese trügen zur Stigmatisierung und Ausgrenzung der Betroffenen bei. Das Netzwerk will deshalb in den kommenden Wochen eine Sensibilisierungskampagne starten.
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