Der Ausverkauf von US-Anleihen lässt nach. Doch Tech-Unternehmer wie Elon Musk könnten den Druck erneut erhöhen und einen Teufelskreis auslösen.
Der Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen lässt nach. Doch ausgerechnet Tech-Unternehmer wie Elon Musk könnten die Lage verschärfen – und einen Teufelskreis auslösen.
Die USA müssen ihren Gläubigern inzwischen Zinsen zahlen, wie sie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr üblich waren. Der Brent-Ölpreis steigt, Inflationsängste und die enorme Kreditnachfrage der Technologieindustrie treiben die Renditen amerikanischer Staatsanleihen in die Höhe.
Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt des jüngsten Ausverkaufs sendet der Anleihemarkt nun ein überraschendes Signal: Die Investoren kaufen wieder. Dahinter steckt eine Entwicklung, die auch für Anleger entscheidend ist.
Das Wichtigste in Kürze:
Noch am Mittwoch schien sich der Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen weiter zu beschleunigen. Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zeitweise auf 5,364 Prozent. Auch dreißigjährige Anleihen erreichten ein 24-Jahres-Hoch. Hinter der Entwicklung stehen Zweifel, ob die Inflation dauerhaft unter Kontrolle gebracht werden kann, und die Sorge über die wachsenden amerikanischen Haushaltsdefizite.
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Dann folgte die Überraschung: Das US-Finanzministerium versteigerte zehnjährige Staatsanleihen im Umfang von 39 Milliarden Dollar – und die Nachfrage übertraf die Erwartungen deutlich.
Auf jeden angebotenen Dollar entfielen Gebote im Umfang von 2,77 Dollar. Bei den sechs vorangegangenen Auktionen hatte das Verhältnis durchschnittlich nur 2,54 betragen. Die Papiere wurden mit einer Rendite von 5,3 Prozent zugeteilt, etwas weniger als zuvor erwartet. Das deutet auf eine höhere Kaufbereitschaft hin, als der Markt eingepreist hatte.
Für Anleger ist das ein wichtiges Signal. Steigende Renditen bedeuten bei bereits ausgegebenen Anleihen fallende Kurse. Wer dagegen neu investiert und die Papiere bis zur Fälligkeit hält, kann sich inzwischen wieder vergleichsweise hohe nominale Renditen sichern. Voraussetzung bleibt, dass der Emittent seinen Verpflichtungen nachkommt.
Die Erholung zeigte sich unmittelbar: Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen fiel von ihrem Tageshoch auf rund 5,28 Prozent zurück. Das bedeutete allerdings nur eine Entspannung gegenüber dem Höchststand, keine nachhaltige Trendwende.
Entscheidend für den jüngsten Renditeanstieg war auch der Ölmarkt. Nachdem die Ölpreise (Sorte Brent) erneut über die Marke von 100 Dollar gestiegen waren, fürchteten Investoren einen weiteren Inflationsschub. Hohe Energiekosten verteuern Produktion und Transport und können damit auf zahlreiche andere Preise durchschlagen.
Entlastung brachte laut Reuters die Internationale Energieagentur, die eine beschleunigte Freigabe von Ölreserven vereinbarte. Der Preis für Brent-Rohöl fiel daraufhin zeitweise um 0,5 Prozent auf 100,09 Dollar je Barrel.
Das Problem für Anleger hierbei: Bleibt die Inflation hoch, dürfte auch der Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen begrenzt sein. Gerade langfristige Anleihen reagieren empfindlich auf solche Erwartungen.
Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Konkurrent des amerikanischen Finanzministeriums: die Technologiebranche. Wie die Financial Times berichtet, plant Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, rund 40 Milliarden Dollar Schulden aufzunehmen, um Nvidia-Chips zu finanzieren. Davon sollen 30 Milliarden Dollar über neue Unternehmensanleihen und zehn Milliarden Dollar über Bankkredite beschafft werden.
Daraus könnte sich ein gefährlicher Teufelskreis entwickeln: Wenn Technologiekonzerne immer größere Summen für ihre KI-Infrastruktur benötigen, konkurrieren sie mit dem amerikanischen Staat um das Geld der Investoren. Um ausreichend Käufer für ihre Anleihen zu finden, müssen die Schuldner möglicherweise höhere Zinsen bieten.
Das wiederum kann die Renditen am gesamten Anleihemarkt nach oben treiben und bestehende Anleihen unter Druck setzen. Gleichzeitig verteuern sich neue Kredite für Staaten und Unternehmen. Gerade hoch bewertete Wachstumsaktien könnten darunter leiden. Denn je höher die Zinsen steigen, desto weniger sind ihre erhofften künftigen Gewinne heute wert.
Für Anleger ergibt sich daraus ein widersprüchliches Bild. US-Staatsanleihen bieten wieder vergleichsweise hohe Renditen. Gleichzeitig könnten die wachsende Kreditnachfrage, die amerikanischen Haushaltsdefizite und eine hartnäckige Inflation die Zinsen weiter nach oben treiben. Letztere schränkt zudem den Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen ein. Für deutsche Anleger kommt das Wechselkursrisiko hinzu.
Die starke Anleiheauktion zeigt deshalb vor allem eines: Käufer sind trotz der Turbulenzen weiterhin vorhanden. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, ist jedoch offen. Denn die grundlegenden Probleme des amerikanischen Anleihemarktes sind damit nicht gelöst.