Wer länger krank ist, bekommt deutlich weniger Geld. Besonders bei höheren Einkommen kann die Lücke groß werden.
Nach sechs Wochen Krankheit sinkt das Einkommen. Wie hoch das Krankengeld 2026 ausfällt, welche Abzüge gelten und wie Sie finanzielle Lücken absichern.
Eine Operation, ein schwerer Unfall oder eine langwierige Erkrankung können Arbeitnehmer für mehrere Monate außer Gefecht setzen. Neben der gesundheitlichen Belastung entsteht dann häufig ein finanzielles Problem. Denn das gewohnte Gehalt wird nicht unbegrenzt weitergezahlt.
Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Allerdings ersetzt das gesetzliche Krankengeld das bisherige Einkommen nur teilweise. Je nach Gehalt können mehrere Hundert oder sogar über 1000 Euro monatlich fehlen.
Die gesetzliche Berechnung folgt grundsätzlich zwei Regeln: Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des regelmäßigen beitragspflichtigen Bruttoarbeitsentgelts, höchstens jedoch 90 Prozent des maßgeblichen Nettoarbeitsentgelts.
Der niedrigere Betrag ist entscheidend. Außerdem gibt es eine gesetzliche Obergrenze. 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung bei 5812,50 Euro monatlich. Einkommen oberhalb dieser Grenze erhöht das Krankengeld nicht weiter.
Daraus ergibt sich ein maximales Bruttokrankengeld von 135,63 Euro pro Kalendertag. Bei einem vollen Abrechnungsmonat mit 30 Tagen sind das höchstens 4068,90 Euro. Auf dem Konto landet allerdings weniger. Vom Krankengeld werden in der Regel noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen.
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Wie groß die finanzielle Lücke ausfällt, hängt vom bisherigen Einkommen und den persönlichen Verhältnissen ab. Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Arbeitnehmer verdient monatlich 4500 Euro brutto und erhält rund 3000 Euro netto. 70 Prozent des Bruttogehalts entsprechen 3150 Euro. Die Grenze von 90 Prozent des Nettogehalts liegt dagegen bei 2700 Euro.
Damit beträgt das Bruttokrankengeld in diesem Beispiel höchstens 2700 Euro monatlich. Nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge bleibt nochmals weniger übrig. Der tatsächliche Fehlbetrag gegenüber dem bisherigen Nettogehalt kann deshalb mehrere Hundert Euro betragen. Wichtig zu wissen: Das Lohnersatzleistungs-Krankengeld wird zwar steuerfrei gezahlt, fällt aber unter den Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG) und kann daher im Rahmen der Steuererklärung den persönlichen Steuersatz beeinflussen.
Die genaue Berechnung hängt unter anderem von den persönlichen Beiträgen und möglichen Einmalzahlungen ab.
Auch die Bezugsdauer ist begrenzt. Wegen derselben Krankheit besteht grundsätzlich für längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren Anspruch auf Krankengeld. Zeiten der Entgeltfortzahlung werden dabei mitgerechnet.
Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung bleiben bei einem durchgehenden Krankheitsfall daher üblicherweise höchstens weitere 72 Wochen Krankengeld. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Arbeitsunfähigkeit ordnungsgemäß festgestellt wird und die weiteren gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
Wer danach weiterhin nicht arbeiten kann, muss prüfen, welche Leistungen anschließend infrage kommen.
Wichtig ist der vereinbarte Leistungsbeginn. Für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer kann beispielsweise eine Absicherung ab dem 43. Tag sinnvoll sein, wenn die Lohnfortzahlung nach sechs Wochen endet.
Die Höhe sollte sich an der tatsächlichen Versorgungslücke orientieren. Dabei müssen die tariflichen Grenzen und die Regeln gegen eine Überversicherung beachtet werden. Auch Gesundheitsfragen, mögliche Wartezeiten und die Vertragsbedingungen spielen beim Abschluss eine Rolle.
Beide Versicherungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Die Krankentagegeldversicherung dient vor allem dazu, Einkommensverluste während einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit auszugleichen.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann dagegen leisten, wenn die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich für längere Zeit nicht mehr ausreichend ausüben kann und die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt.
Bei schweren Erkrankungen können sich die Leistungsbereiche überschneiden. Viele Krankentagegeldtarife enthalten deshalb besondere Regelungen für den Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Eine Krankentagegeldversicherung ersetzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung somit nicht.
Wie problematisch eine längere Erkrankung wird, hängt nicht allein von der Höhe des Krankengeldes ab. Entscheidend sind auch die monatlichen Ausgaben.
Miete, Kreditraten, Versicherungen und laufende Haushaltskosten müssen häufig unverändert bezahlt werden. Gleichzeitig können zusätzliche Ausgaben durch die Erkrankung entstehen.
Arbeitnehmer sollten deshalb frühzeitig prüfen, wie viel Geld nach sechs Wochen Krankheit tatsächlich zur Verfügung steht. Wer seine persönliche Einkommenslücke kennt, kann besser entscheiden, ob vorhandene Rücklagen ausreichen oder eine ergänzende Absicherung sinnvoll ist.
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