Beim 0:0 gegen den BVB verteidigen die Berliner aufmerksam und machen dem Spitzenteam das Leben schwer. Aus der Schießbude der Bundesliga wird wieder eine klassische Union-Defensive.
Felix Uduokhai lächelte, als er über die Zweikämpfe mit Serhou Guirassy sprach. Für die meisten Menschen wären Duelle mit dem robusten Dortmunder Stürmer, die zeitweise eher einem Ringkampf als einem Fußballspiel ähnelten, kein Vergnügen, doch der Verteidiger des 1. FC Union Berlin hatte an diesen sichtlich Freude. „Das ist unser Job. Als Verteidiger müssen wir uns da mit allem, was wir haben, reinwerfen“, sagte Uduokhai.
17
Tore kassierte Union in den ersten vier Bundesligaspielen
Der 29-Jährige ist erst seit wenigen Monaten in Berlin, die defensive Identität, von der Union in der Bundesliga stets gelebt hat, hat er aber bereits verinnerlicht.
Der Saisonstart mit 17 Gegentoren in vier Spielen hatte große Zweifel aufkommen lassen, ob diese Union-DNA, wie sie die Berliner Profis seit Jahren gerne nennen, spätestens mit dem Trainerwechsel zu Mauro Lustrinelli abhandengekommen ist. Das 0:0 gegen den BVB am Samstag war nach dem 1:0-Erfolg gegen Elversberg eine Woche zuvor aber ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Berliner zumindest defensiv wieder auf einem guten Weg befinden.
„Die Dortmunder haben irgendwann gemerkt, dass das hier, auch mit dem Wetter und den Fans, keinen Spaß macht“, sagte Uduokhai. „Genau das wollten wir provozieren, indem wir ekelhaft sind in den Zweikämpfen und hart am Mann.“

© imago/Matthias Koch
Union verteidigte zwar in einer Viererkette und hatte mit Uduokhai sowie Zeno Van den Bosch zwei Innenverteidiger auf dem Feld, die erst im Sommer nach Köpenick gewechselt sind, die Parallelen zur erfolgreichen Vergangenheit waren aber unübersehbar.
„Es war das erwartet schwierige Spiel. Union hat es richtig gut verteidigt“, sagte Dortmunds Trainer Niko Kovač, der schon einige schwierige Abende an der Alten Försterei erlebt hat. Die Berliner standen kompakt, köpften Flanken konsequent aus der Gefahrenzone und ließen nur wenige Chancen zu.
Wir haben jetzt eine bessere Balance zwischen hohem Pressing und dem aktiven Verteidigen im Block.
Mauro Lustrinelli
„Wir haben die Natipause sehr gut genutzt und zeigen ein ganz anderes Gesicht als vor einem Monat“, sagte Lustrinelli. Nach vielen Personalwechseln an den ersten Spieltagen hat der Schweizer vorerst ein stabiles Gerüst gefunden. Vor der Abwehr haben András Schäfer und Rani Khedira den Vorzug vor Aljoscha Kemlein.
Uduokhai und Van den Bosch haben sich festgespieltIm Abwehrzentrum kommen Rückkehrer Marvin Friedrich und Leopold Querfeld aktuell nicht an Uduokhai sowie Van den Bosch vorbei. „Zeno und ich wussten unter der Woche, dass wir wieder so spielen werden, und das ist gut so, weil wir ein Gefühl füreinander entwickeln“, sagte Uduokhai.
Der gesamten Mannschaft ist anzumerken, dass sie mit einer ganz anderen Überzeugung zu Werke geht. Die Abstände in der Abwehrkette, aber auch zwischen den Linien sind kleiner, die Absicherung besser, die Intensität in den Zweikämpfen höher. „Wir haben jetzt eine bessere Balance zwischen hohem Pressing und dem aktiven Verteidigen im Block“, sagte Lustrinelli.
Gegen Dortmund provozierte Union so einige Fehler im Spielaufbau des Gegners und erarbeitete sich aussichtsreiche Umschaltsituationen. So deutlich die Fortschritte im Spiel gegen den Ball sind, so klar ist aber auch, dass die Automatismen im Angriff noch arg verbesserungswürdig sind.
Zu oft fehlt im entscheidenden Moment die Präzision oder Spieler treffen die falsche Entscheidung. „Wir haben nach Ballgewinn leider nicht unsere Räume gefunden“, sagte Lustrinelli. „Aber wir haben mit Leidenschaft, Herz und Mentalität gespielt. Das war wichtig.“
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