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Konzert in Saarbrücken: Von Rihm zum Gottesdienst – wie Daniel N. Seel erst Komponist und dann Pfarrer wurde

Дата публикации: 16-10-2026 16:00:00




Ein Komponist wird Pfarrer – und schreibt danach lieber als je zuvor. Daniel N. Seel, unter anderem Schüler von Wolfgang Rihm, stellt sich in einem Porträtkonzert in Saarbrücken vor.



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Konzert in Saarbrücken Von Rihm zum Gottesdienst – wie Daniel N. Seel erst Komponist und dann Pfarrer wurde

Saarbrücken/Hornbach · Ein Komponist wird Pfarrer – und schreibt danach lieber als je zuvor. Daniel N. Seel, unter anderem Schüler von Wolfgang Rihm, stellt sich in einem Porträtkonzert in Saarbrücken vor.

16.10.2026 , 18:00 Uhr

Daniel N. Seel, hier vor der Klosterkirche in Hornbach, ist ausgebildeter Komponist und zugleich Pfarrer.

Daniel N. Seel, hier vor der Klosterkirche in Hornbach, ist ausgebildeter Komponist und zugleich Pfarrer.

Foto: Sebastian Dingler

Daniel N. Seel ist Komponist und Pianist, Schüler von Wolfgang Rihm und Walter Zimmermann. Und er ist seit gut zehn Jahren evangelischer Pfarrer in Hornbach. Am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr stellt er sich in der Maria-Magdalenen-Kirche in Saarbrücken in einem Porträtkonzert vor, mit Werken von sich selbst, aber auch von Rihm, Messiaen, Cage, Feldman sowie historischer Vokalmusik. Ralf Peter übernimmt Gesang und Moderation, erwartet wird außerdem noch ein Überraschungsgast.

„Seitdem ich Pfarrer bin, komponiere ich wieder viel lieber als vorher“

Dass ein Komponist mit solchem Werdegang Pfarrer wird, wirkt auf den ersten Blick wie ein Bruch mit der Musik. Seel sieht es anders: „Seitdem ich Pfarrer bin, komponiere ich wieder viel lieber als vorher.“ Im Musikbetrieb habe er sich den Marktgesetzen beugen müssen, Aufträgen von Rundfunkanstalten hinterherlaufen und lange Durststrecken überstehen müssen – als Familienvater keine leichte Lage. Zudem wuchs das Interesse an der Theologie irgendwann. Mit 39 begann Seel dann noch einmal zu studieren, wurde Vikar in Zweibrücken und dann eben Pfarrer.

Ursprünglich stammt Seel aus Neu-Aschbach im Saarbrücker Stadtteil Gersweiler. Der 1970 Geborene wuchs mit den Beatles auf, die seine Eltern hörten, und schnitt alles aus dem Radio mit, was ihm spannend vorkam. Er höre heute auch „alles, von Punk bis Jazz“. Zum Schlüsselerlebnis wurde aber Gustav Mahlers Siebte unter Hans Zender mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken: „Ich wollte Dinge hören, die ich noch nicht kenne – und so was hatte ich noch nie gehört.“

Seel studierte beim Komponisten und Musikwissenschaftler Wolfgang Rihm

Er pilgerte anschließend zum Saarbrücker Festival „Musik im 20. Jahrhundert“ oder fuhr mit 16 Jahren allein nach Metz, um Stockhausens „Donnerstag aus Licht“ zu hören. Für seine Mitschüler sei er ein Freak gewesen, sagt er schmunzelnd. Sein Klavierlehrer Günter Reinhold, selbst Schüler von Olivier Messiaen, nahm den 17-Jährigen mit in das Umfeld des großen französischen Komponisten. „Ich hatte jetzt zu Messiaen kein tolles Verhältnis, der war uralt, ich war blutjung. Aber seine Frau Yvonne Loriod, die Pianistin, die hat mich so ein bisschen an die Hand genommen.“ Mit 18 schrieb Seel seine „Nachtstücke“ für Klavier solo. Sie entstanden, wie er sagt, „im luftleeren Raum“ und gingen „bis heute gut durch“. Am Sonntag stehen sie auf dem Programm.

Später studierte er bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe und wohnte um die Ecke des berühmten Neutöners. „Wenn ich Klavier geübt habe, konnte er mich durchs offene Fenster hören.“ Der „Unterricht“ habe aus Vormittagen bei Rihm mit Zigarren, Whisky und dem Zugriff auf dessen gigantische Bibliothek bestanden. Partituren korrigiert wurden dort kaum, Handwerk habe er bei ihm nicht gelernt, sagt Seel, wohl aber viel Anregung bekommen.

Komponist, Pianist und Pfarrer Daniel N. Seel machte Auslandsjahr in Seoul

Strenger sei es bei Walter Zimmermann zugegangen, der den amerikanischen Einfluss nach Europa gebracht hatte und in seiner Analyseklasse Partituren zerpflückte. Hier begegnete Seel auch der koreanischen Tradition – und weil er als Studienstiftler sein Auslandsjahr frei wählen konnte, ging er nach Seoul. „Damals war das völlig absurd, nach Korea zu gehen, wenn man auch hätte nach Paris oder New York gehen können. Aber ich fand das wahnsinnig interessant“, sagt er.

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Foto: AFP/SAEED KHAN

In Seoul saß er die meiste Zeit in der Abteilung für traditionelle koreanische Musik. An ihr faszinierten ihn die Mikrotonalität und das Pansori: Das bezeichnet das Epos, das ein einzelner Sänger mit Trommelbegleitung fünf bis acht Stunden lang vorträgt. „Also die Sänger und Sängerinnen üben das ein Leben lang. Dann präsentieren sie das eher in Auszügen. Wenn nicht, dann sind sie hinterher ein Jahr lang krank. Weil das den Körper komplett kaputtmacht“, erklärt Seel. In Korea lernte er auch seine Frau kennen. Heute ist sie, die bei Theo Brandmüller in Saarbrücken studiert hat, die Kirchenmusikerin der Gemeinde.

Auf subversive Art mit Traditionen beschäftigt

Seel sagt, er komme aus der John-Cage-Richtung. Er habe den amerikanischen Komponisten auch persönlich getroffen – „ein kleiner, sehr wacher, sehr intelligenter Mensch“, erzählt Seel. Cages berühmtestes Stück 4′33″, das nur aus Pause besteht, hält Seel für den Wendepunkt der Musikgeschichte, einen Epochenwandel, den aber noch kaum jemand bemerkt habe. Die eigene Musik beschreibt er als Spannungsfeld zwischen der koreanischen Tradition, Messiaens Kompositionstechniken, der amerikanischen Neuen Musik und der Minimal Music. Wer sie hört, sollte dennoch Seels eigenen Stil erkennen.

In den vergangenen Jahren habe er sich auf subversive Art mit Traditionen beschäftigt und dabei Liederzyklen und Orchesterstücke geschrieben, die sich auf vorhandene Musik beziehen. Das klinge aufs erste Hören zunächst romantisch. „Wenn man genauer hinhört, merkt man, dass das eigentlich nicht sein kann.“ Am Sonntag erklingen zwei solcher Zyklen, einer nach Paul Celan, einer nach Texten aus „Des Knaben Wunderhorn“.

Wer als Pfarrer alles selbst tun wolle, integriere die Menschen nicht

Nicht eine Sekunde habe Seel seine Transformation zum Pfarrer bereut. „Hier in Hornbach lebt die Kirche“, sagt er. In der schmucken Klosterkirche veranstaltet er eine Konzertreihe, auch mithilfe der Pirmasenser Mozartgesellschaft, deren Vorsitzender er ist. Dazu kommen ein großer Besuchsdienst, kreative Gottesdienste, die oft Laien gestalten, und eine Philosophenrunde, die an diesem Abend über Linkshegelianismus diskutiert.

Sein Erfolgsrezept: Wer als Pfarrer alles selbst tun wolle, integriere die Menschen nicht. Das Wichtigste aber sei für ihn, dass er nie das Gefühl habe, etwas Sinnloses zu tun. Im Musikbetrieb, wenn nach einem Jahr Vorbereitung auf ein Konzert 30 Leute im Saal saßen, davon 15 Kritiker mit gespitztem Stift, sei das anders gewesen.

(ceh/sm)

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