Über 1.000 Wohnungen im Südpark in Halle haben einen neuen Investor. Bei einer Mieterversammlung wurden die Pläne vorgestellt – viele Mieter sind noch skeptisch.
AUDIO: SIM-Gruppe stellt Pläne für über 1000 Wohnungen in Halle-Neustadt vor (2 Min)
Mieter sind skeptisch
Nach Jahren voller Probleme: Wohnungen in Halles Südpark sollen saniert werdenStand: 02.10.2026 11:20 Uhr
Für über 250 Mieter in Halle-Neustadt gibt es Grund zur Hoffnung: Ein neuer Investor will aufräumen und die Wohnungen im Wohngebiet "Südpark" wieder in Schuss bringen. Seit mehr als eineinhalb Jahren sind die Mieter hier auf sich allein gestellt und kämpfen mit Schimmel, Müll und Ungeziefer. Das soll sich jetzt ändern, teilt die SIM-Gruppe mit. Bereits in den kommenden Wochen seien erste Verbesserungen geplant, heißt es. Die Mieter sind allerdings skeptisch.
von Chiara Swenson, MDR SACHSEN-ANHALT
Eigentlich wollte die SIM-Gruppe eine Turnhalle mieten, um die Mieter zu informieren, doch die Stadt Halle stellte sich quer. Nun finden zwei Versammlungen hintereinander in einer kleinen Eventlocation im Südpark statt. An der Tür werden die Teilnehmer von Security-Personal nach ihren Adressen gefragt. Der Geschäftsführer der SIM-Gruppe wirkt nervös, ihm ist bewusst, dass in den nächsten Stunden einiges an Frust und Unzufriedenheit zu hören sein wird.
Auch im MDR-Format exactly haben wir ausführlich über die Zustände im Südpark berichtet:
Video: Zwischen Schimmel und Sperrmüll – Profit auf Kosten der Mieter (30 Min)
Auf die Frage, was sie sich von dem Treffen erhoffe, sagt eine ältere Frau: "Eine ordentliche Verwaltung, die auch was macht, Hausordnung und Grünpflege, die eine ordentliche Abrechnung zum Jahresende für die Betriebskosten bringt." Sie wohnt seit 40 Jahren in einem der Häuser, viele Nachbarn sind bereits ausgezogen.
Die junge Mieterin Pamela Alnajjar wiederum wünscht sich, "dass die Kinder da spielen können, dass da kein Sperrmüll mehr liegt, dass da Gras gemäht wird." Sie habe schon mehrmals den Notdienst rufen müssen, da sich die Kinder im Viertel an herumliegenden Gegenständen verletzt hätten.
Versorgungsausfälle, Schimmel und Sperrmüll vor der Tür – die Mängelliste ist lang. Grund dafür ist die Pleite der Eigentümer-Firmen, die zur insolventen DEGAG-Immobiliengruppe gehören. Eine aktive Hausverwaltung gab es schon seit über einem Jahr nicht mehr – offiziell war die SIM Property GmbH zuständig. Ein Grund, weshalb Geschäftsführer Benjamin Spieler nun um einen Vertrauensvorschuss bei den Mieterinnen und Mietern bitten will.
"Wir hoffen, dass wir ein Vertrauensverhältnis zwischen uns als Verwaltern und Investoren und den Mietern eben herstellen können. Wir verstehen die Frustration, die sich hier in den vergangenen Jahren zu Recht angesammelt hat", sagt Spieler. Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Marcus Spangenberger, der sich um das Insolvenzverfahren kümmert, erklärt er, dass nun ein Insolvenzverfahren eröffnet werden konnte und die Bewirtschaftung der Häuser sichergestellt sei.
Der Investor – der anonym bleiben möchte – ist nicht neuer Eigentümer der Wohnungen. Er hat jedoch faule Kredite der insolventen Eigentümer-Firmen übernommen und stellt dadurch sicher, dass die Wohnungen bewirtschaftet werden können. Dadurch solle es bereits in den nächsten Wochen konkrete Verbesserungen für die Mieter geben, verspricht Spieler: "Wir werden hier Geld investieren in die monatliche Bewirtschaftung, auch wieder in die Reparaturen, in die Sanierung auch von einzelnen Wohneinheiten."
Wir werden hier Geld investieren in die monatliche Bewirtschaftung, auch wieder in die Reparaturen, in die Sanierung auch von einzelnen Wohneinheiten. Benjamin Spieler, Geschäftsführer der SIM-GruppeSIM-Gruppe will Wohnungen im Südpark Halle sanieren
Der SIM-Gruppe kommt nun eine Doppelrolle zu: Sie tritt weiterhin als Verwaltung auf, aber entwickelt die Wohnungen nun auch zusätzlich in Absprache mit dem Investor weiter. Ziel ist es, die Wohnungen in einen besseren Zustand zu bringen, dafür soll auch saniert werden, heißt es.
Ob das Ziel ein Verkauf der Wohnungen ist und den Mietern beispielsweise höhere Mieten drohen könnten, beantwortete der Geschäftsführer nicht. Aufgrund der "komplexen Insolvenzsituation" könne man noch keine Angaben zu langfristigen Plänen machen, sagt Spieler.
Benjamin Spieler betont, dass man mit dem Investor bereits bei anderen Projekten zusammengearbeitet habe.
Ab 1. Oktober soll es jedoch wieder einen aktiven Hausmeisterservice geben. Die SIM-Gruppe plant zudem ein Büro im Südpark zu eröffnen, um ansprechbar zu bleiben. Defekte Klingelanlagen, Briefkästen und Hauseingangstüren sollen repariert, Grünanlagen frisiert und Müll entfernt werden. Am Ende der Veranstaltung gibt es zwar Applaus – auf Nachfrage zeigen sich viele Mieterinnen und Mieter jedoch noch skeptisch:
Ich sehe es erst, wenn es passiert. Dann kann ich sagen, ja, vielleicht, aber so ist noch alles skeptisch. Pamela Alnajjar, Mieterin
"Ich sehe es erst, wenn es passiert. Dann kann ich sagen, ja, vielleicht, aber so ist noch alles skeptisch", sagt die Mieterin Pamela Alnajjar. Die langjährige Bewohnerin bemüht sich um Optimismus: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, wir hoffen ja, dass jetzt wirklich etwas bewegt wird." So richtig überzeugt wirkt sie jedoch nicht. Viele der Mieter wohnen seit Jahrzehnten im Viertel und haben wechselnde Verwaltungen und Investoren erlebt. Grundlegende Verbesserungen gab es jedoch selten.
MDR (Chiara Swenson), zuerst veröffentlicht am 1. Oktober 2026