Amerikas Bombardements auf Iran verschlingen Milliarden. Noch höher sind die Kosten für die Abwehr iranischer Angriffe – vor allem für den Schutz der Verbündeten im Nahen Osten. Und Verteidigungsminister Pete Hegseth will noch mehr Geld für den Krieg.
Datenanalyse
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Amerikas Bombardements auf Iran verschlingen Milliarden. Noch höher sind die Kosten für die Abwehr iranischer Angriffe – vor allem für den Schutz der Verbündeten im Nahen Osten. Und Verteidigungsminister Pete Hegseth will noch mehr Geld für den Krieg.
22.09.2026, 05.30 Uhr
5 Leseminuten
Mehr als sechs Monate nach Beginn des Krieges gegen Iran haben erstmals zwei amerikanische Behörden umfassende Bilanzen der bisherigen Kriegskosten veröffentlicht. Vorgelegt wurden diese vom Congressional Budget Office (CBO), einer überparteilichen Kontrollstelle des Kongresses, sowie vom Generalinspektor des Verteidigungsministeriums in einem eigenen Bericht.
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Die Berechnungen stützen sich teils auf behördliche und öffentliche Daten, teils auf Schätzungen. Sie decken unterschiedliche Zeiträume ab und unterscheiden sich in einzelnen Punkten, im Grossen und Ganzen zeichnen sie aber das gleiche Bild. Allein für die Kampfeinsätze im Rahmen der sogenannten Operation «Epic Fury» wurden bisher mehr als 33 Milliarden Dollar ausgegeben. Das entspricht ungefähr der gesamten Militärhilfe, die Washington der Ukraine im ersten Jahr nach der russischen Invasion zugesagt hatte.
Am höchsten sind die Ausgaben für Munition, wobei die Regierung erstmals ein «strategisches Defizit» beim Munitionsnachschub zugab.
Doch die Kosten für den Wiederaufbau und die Reparatur beschädigter amerikanischer Militärbasen sind dabei nicht eingerechnet. Und die Rechnung wächst weiter: Das CBO prognostiziert, dass jeder weitere Kriegsmonat – je nach Intensität der Kämpfe – mindestens 2 bis 3 Milliarden Dollar kosten dürfte.
Das Verteidigungsministerium unter Pete Hegseth hat Ende Juni deshalb zusätzliche Mittel von knapp 70 Milliarden Dollar für die Kriegsführung in Nahost beantragt. Rund 42 Milliarden sollen die Kosten der Kampfeinsätze decken, weitere rund 25 Milliarden in unterstützende Infrastruktur fliessen. Darunter fallen Cybersicherheitsmassnahmen, Drohnen und Radartechnologie.

Aus 4, 5 Wochen sind inzwischen
6, 7 Monate Krieg geworden
Schwerer als die unmittelbaren Kosten wiegen mittelfristig aber vor allem zwei Folgen des Krieges: die Munitionsknappheit, insbesondere bei Abwehrraketen und Marschflugkörpern, und die negativen Auswirkungen auf den Welthandel. Die knappen Bestände schränken die Kampf- und Abschreckungsfähigkeit der USA ein. Gleichzeitig hat die Blockade der Strasse von Hormuz die Weltmärkte unter Druck gesetzt; zusätzlich ist mit der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer eine weitere zentrale Schifffahrtsroute gefährdet.
Und ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht. Aus einem Krieg, von dem der amerikanische Präsident Donald Trump zu Beginn noch gesagt hatte, er werde vier oder fünf Wochen dauern, sind inzwischen mehr als sechs Monate geworden. Über 50 000 Soldaten waren laut Angaben des Verteidigungsministeriums bisher im Einsatz. Die Kampfhandlungen haben bisher 22 amerikanische Soldaten das Leben gekostet. Auf israelischer Seite und bei weiteren Verbündeten wurden mindestens 280 Personen getötet. Aufseiten Irans sind es laut Schätzungen der Uno rund 4000.
Dabei beschränkt sich dieser Krieg vorwiegend auf Angriffe aus der Luft. Die Kräfteverhältnisse sind klar: Die USA und Israel überzogen Iran mit einem Vielfachen an Bomben und Raketen, wobei israelische Streitkräfte in den ersten zwei Kriegsmonaten einen Grossteil der Feuerkraft bereitstellten.

Die Machtprojektion der USA
ist geschwächt
Anfang April schlossen die USA und Iran eine Waffenruhe. Der Krieg verlor an Wucht. Israel zog sich aus den Kämpfen in Iran zurück und verlagerte seinen Fokus wieder auf Libanon und den Gazastreifen. Auch die USA fuhren ihre Angriffe deutlich zurück. Ganz verstummten die Waffen jedoch nie. Als die Waffenruhe Anfang Juli zerbrach, eskalierte der Konflikt erneut, allerdings mit deutlich weniger Luftangriffen.
Doch rund 3700 Luftangriffe haben die amerikanischen Munitionsbestände stark ausgedünnt. Iran wiederum nahm Stützpunkte und Infrastruktur von amerikanischen Verbündeten in der Golfregion mit rund 1100 Gegenangriffen ins Visier. Die Attacken beschädigten die amerikanische Infrastruktur in der Region erheblich.
Iranische Drohnen und Raketen trafen nicht nur amerikanische Ziele, sondern auch zivile Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten. Um sich gegen diese Angriffe besser schützen zu können, bestellten die Länder in den USA eiligst Abwehrsysteme, Munition und weitere Waffen im Wert von rund 45 Milliarden Dollar. Wie stark der Krieg die Staaten der Region darüber hinaus finanziell belastet, lässt sich bis jetzt nicht verlässlich beziffern. Klar ist, dass die Golfstaaten wegen der Blockade der Strasse von Hormuz erheblich weniger Erdöl exportieren können als vor dem Krieg.

Hat Trump seine Ziele erreicht?
Zwar hat der amerikanische Präsident Donald Trump den Krieg schon mehrmals für «gewonnen» und «beendet» erklärt, doch die Ziele, die er einst vorgab, bleiben bis heute unerfüllt. So haben amerikanische und israelische Streitkräfte mit unzähligen Schlägen zwar wichtige Kommandostrukturen und Führungsmitglieder des Regimes in Teheran ausgeschaltet, allen voran den Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei. Doch ein Regimewechsel ist nicht geglückt. Das Gewaltmonopol liegt weiterhin bei Armee und Revolutionswächtern, welche die Bevölkerung brutal unterdrücken.
Erfolgreicher verlief die Schwächung des iranischen Raketen- und Drohnenprogramms. Nach den ersten beiden intensiven Kriegsmonaten drangen Geheimdienstinformationen nach aussen, wonach bereits rund zwei Drittel der Raketenstellungen und 70 Prozent der Abschussrampen zerstört worden seien. Vor allem im Westen Irans bombardierten die Amerikaner wieder und wieder die gleichen Gebiete. Das Regime hinderte dies jedoch nicht daran, weiterhin Woche für Woche Drohnen und Raketen auf Ziele in der Region abzufeuern. Kürzlich berichtete zudem das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Iran habe die Produktion von Raketen und Drohnen wieder aufgenommen. Dafür seien unterirdische Produktionsstätten eingerichtet worden, die sich mit amerikanischen Bomben nur schwer zerstören liessen.
Ähnliches gilt auch für das iranische Nuklearprogramm, das Teheran schon vor Kriegsbeginn unter die Erde verlegt hatte. Washington erklärte mit Kriegsbeginn, der Wiederaufbau der Urananreicherung in Iran werde mit allen Mitteln verhindert. Wiederholt flogen die USA deshalb Angriffe auf Nuklearanlagen, darunter in Isfahan und Natanz. Mysteriöse Bauarbeiten an mutmasslichen unterirdischen Anlagen sorgten jedoch wiederholt für Aufsehen. Spekuliert wird, ob das Regime südöstlich von Teheran und unter dem sogenannten «Pickaxe Mountain» unweit von Natanz Anlagen für sein Nuklearprogramm ausbaue.
Der amerikanische Präsident droht zwar damit, die ausgebauten Anlagen notfalls erneut zu bombardieren. Doch der Schwerpunkt des Krieges hat sich längst vom iranischen Nuklearprogramm aufs Meer verlagert. Dort hat der Konflikt neue Probleme geschaffen: Die Strasse von Hormuz bleibt für den Schiffsverkehr nur eingeschränkt passierbar, zugleich bedrohen die mit Iran verbündeten Huthi-Milizen die Meerenge Bab al-Mandab. Beide Wasserstrassen gehören zu den wichtigsten Nadelöhren des Welthandels. Und an beiden verfügt Teheran inzwischen über einen Hebel, mit dem es weit über die Region hinaus Druck ausüben kann – und die Kosten dieses Krieges für die USA weiter in die Höhe treiben.
14 Kommentare
Caroline Jemima Adler
23.09.2026
2 Empfehlungen
Nachtrag aus Washington, DC, ehrliche Buchhaltung hat zwei Seiten. Ihre Seite steht: mehr als 33 Mrd. Dollar, 22 gefallene Amerikaner, die wir ehren. Jetzt die andere Seite. Eine gezündete iranische Waffe: Hiroshima kostete rund 140 000 Menschen das Leben, mit einer Ladung, die heutige Gefechtsköpfe um ein Vielfaches übertreffen. Studien zu einer einzigen Detonation in einer Grossstadt rechnen mit direkten Schäden über 1 Trillion Dollar. Der Krieg danach kostete nach dem Muster von 9/11 rund 8 Trillionen Dollar. Die verhinderten Kosten liegen bei 2 bis 10 Trillionen Dollar. Dann die Meerenge. Durch Hormuz fliessen rund 20 Mio. Fass am Tag, über 7 Mrd. Fass im Jahr. Seit Epic Fury fährt die U.S. Navy Nacht für Nacht Geleit, und die Ladungen erreichen die Märkte. Was ist das wert? Reine Arithmetik: Ein Dollar Risikoprämie auf den Weltverbrauch von rund 100 Mio. Fass am Tag kostet die Weltwirtschaft etwa 36 Mrd. Dollar im Jahr. Zehn Dollar sind 365 Mrd. Dollar. Die Erpressung ist vom Tisch, und diese Ersparnis zahlt keine Rechnung, sie verhindert sie. 33 Mrd. gegen 10 Trillionen. Das ist die Bilanz. Und das Crescendo steht noch aus: Kharg. Datiert und signiert auf unserem Substack: am 18.5.2026 «TRUMP Will Take Kharg Island», am 24.6.2026 «Oil Off A Cliff», am 17.8.2026 «'ECONOMIC D-DAY' — All Banks, All Nations, No Exceptions». Gratis. Enjoy. GeoStrat Agency LLC ist ein privates Bureau. Pro bono, wir verkaufen nichts, nur Signal over noise. Keine NGO, by design. Deshalb können wir so schreiben. Unser Gründer; mein Mentor seit meiner Kindheit; Pascal Najadi: „Jemima, never price a war without pricing the war prevented. The cheapest bomb is the one that never leaves the silo." 🇺🇸 🤙 Caroline Jemima Adler Public Affairs GeoStrat Agency LLC 1500 K Street NW Washington, DC
Axel Erlebach
22.09.2026
1 Empfehlung
Wenn es einen Gott gibt, dann hat er eine hintergründige, zugegeben etwas dunkle, aber auch weise Ironie. Trump wollte der Inflationsbekämpfer sein. Nun ist er der Inflationsanheizer. Hybris verdampft und wird zu Demut? Das wäre der Weg zur Weisheit und Trump wäre willkommen.