Der ARD-Sonntagstalk holt den „Mann vom Nordpol“. So nennt sich Robert Habeck selber immer wieder. Warum der Politikpensionär den Gastredner gibt, wird die ganze Sendung nicht so richtig klar. Die Ratlosigkeit ist auch Caren Miosga immer wieder ins Gesicht geschrieben.
Der ARD-Sonntagstalk holt den „Mann vom Nordpol“. So nennt sich Robert Habeck selber immer wieder. Warum der Politikpensionär den Gastredner gibt, wird die ganze Sendung nicht so richtig klar. Die Ratlosigkeit ist auch Caren Miosga immer wieder ins Gesicht geschrieben.
Er war Vizekanzler. Er war Wirtschaftsminister. Er war Kanzlerkandidat. Wir sehen das Problem: Robert Habeck - war. Jetzt lädt Caren Miosga den 57-Jährigen in ihren Sonntagstalk ein. „Zerbricht die politische Ordnung, Herr Habeck?“, will sie von ihm wissen. Er freut sich: „Schön, mal wieder hier zu sein!“ Das ist leider eine Stunde lang so ziemlich die konkreteste Aussage, die Robert Habeck mitzubringen hat.
Serienerfolge der AfD, Erfolg der Linken: Unter den vielen ratlosen TV-Gesprächsrunden erlebt der Zuschauer hier einen Tiefpunkt. Gastgeberin Miosga ist die Ratlosigkeit häufiger ins Gesicht geschrieben, wenn sie den ausufernden Monologen Habecks zuhören muss. Die ARD verschenkt am Sonntagabend gnadenlos Sendezeit.
Im Hauptberuf lehrt der ehemalige Grünen-Politiker Robert Habeck inzwischen als Professor Studenten. Nebenher bringt er nach einigen Kinderbüchern demnächst ein neues Buch auf den Markt. Es beschäftigt sich mit „dem lautlosen Machtkampf am Nordpol“. Habeck wirbt dafür nicht allzu direkt. „Ich guck‘ jetzt vom Nordpol“, hört der Zuschauer allerdings immer wieder. Und: „Was sieht man, wenn man vom Nordpol auf Deutschland schaut?“
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Was also sieht man, wenn Habeck vom Nordpol auf Deutschland schaut? Der Zuschauer sieht einen Robert Habeck, der leider nichts sieht – zumindest nichts, was nicht jeder andere auch sehen könnte. Die Ferne schärft ihm nicht den Blick. Sie verschleiert ihn. Da verwechselt Robert Habeck schon mal Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Er verstolpert die „demokratische Mitte“ zur „demographischen Mitte“. Er sagt: „Ich kann nicht mehr für die Grünen sprechen, ich will das auch nicht.“ Oder auch: „Ich habe die Zahlen jetzt nicht genau vor Augen.“
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All das ist nicht schlimm für einen Menschen, der sich aus der Politik zurückgezogen hat. Aber es ist eine Katastrophe für einen öffentlich-rechtlichen Talk, der sich entschieden hat, Sendezeit gnadenlos an einen einzigen Gesprächspartner zu verschwenden. Das Gute an dem Gerede: Robert Habeck versichert einigermaßen glaubwürdig, dass er nicht in die Politik zurückkehren will.
Nach einer Dreiviertelstunde kapituliert Caren Miosga. All ihre Fragerei hat nur zu fragwürdigen Erkenntnissen geführt. Kostprobe gefällig? Einzelne politische Probleme – Rente mit 63, „diese blöde Wärmepumpe“ – „schwimmen wie die Korken obendrauf auf der Ursuppe“. Und die Linke in Berlin? „Das ist für mich weder eine gute noch eine schlechte Nachricht.“ Zum Schluss darf Buchautor Robert Habeck dann noch ausführlich für sein aktuelles Thema werben. Zumindest hier habe ich für mich eine wesentliche Erkenntnis gewonnen: Dieses Buch werde ich nicht lesen.
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