Inflationssorgen bremsen den Dax. Gute Konjunktur- und Preisdaten aus den USA verpuffen, weil die Teuerung in Deutschland und anderen Euro-Ländern anzieht. Gefragt sind Aktien von BMW. Die Commerzbank muss Verluste hinnehmen.
Auf und Ab an der Börse: Die wichtigsten Informationen zum Dax, Dow Jones, zu den Aktienkursen und den Ölpreisen
Foto: Westend61 / Getty ImagesGute Nachrichten aus den USA haben den Dax am Mittwoch nicht dauerhaft gestützt. Für die Anleger wog am Ende die hohe Inflation in Deutschland und anderen wichtigen Euro-Ländern schwerer als die erfreuliche Konjunktur- und Preisentwicklung in der weltgrößten Volkswirtschaft.
Nach einem volatilen Handelsverlauf schloss der deutsche Leitindex 0,79 Prozent tiefer mit 25.199 Punkten. Damit rutschte er klar unter die für den mittel- bis langfristigen Trend wichtige 100-Tage-Linie, die ihm die vergangenen Tage noch Halt gegeben hatte. Im als traditionell schwach geltenden Börsenmonat September verbuchte der Dax ein Minus von 4 Prozent. Für das abgelaufene Quartal ergibt sich hingegen ein Kurszuwachs von 0,8 Prozent.
Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Mittwoch letztlich um 0,13 Prozent auf 30.842 Punkte nach unten.
Hohe Energiepreise trieben die Teuerung in Deutschland erstmals seit Ende 2023 über die Marke von 3 Prozent. Die Verbraucherpreise lagen im September um 3,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats – nach 2,9 Prozent Inflation im August, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Ähnlich sah die Entwicklung in Frankreich und Italien aus.
Dagegen stieg in den USA der sogenannte PCE-Deflator im August weniger stark als prognostiziert. Er gilt als bevorzugte Inflationskennziffer für die US-Notenbank Fed, die ihre Geldpolitik sowohl an der Teuerungsentwicklung als auch am Arbeitsmarkt ausrichtet. An diesem Freitag steht der offizielle monatliche Beschäftigungsbericht an. Bereits davor gaben Informationen des Arbeitsmarktdienstleisters ADP Einblick in die Entwicklung der Privatwirtschaft. Dort ist die Zahl der Beschäftigten im September stärker gestiegen als erwartet.
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets, sieht in den US-Daten „fast ein Wunschkonzert für die Aktienmärkte. Der Arbeitsmarkt bleibt robust, die Wirtschaft wächst stärker als erwartet und gleichzeitig fällt der Inflationsdruck geringer aus als befürchtet“. Dagegen sorgten die weiter steigenden Ölpreise und Anleiherenditen für Zurückhaltung bei den Anlegern, betonte der Experte.
Nach den vortags veröffentlichten Teuerungsdaten aus Spanien lagen nun auch die der anderen Länder weit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent. Die Währungshüter dürften daher wohl zur Überzeugung kommen, nochmals an der Zinsschraube zu drehen, was der Markt entsprechend einpreise, hieß es seitens der Landesbank Helaba. Zum Ende des Jahres sei eine Zinserhöhung vollständig eingepreist, im ersten Quartal eine weitere.
Im Dax zählte BMW zur Wochenmitte mit einem Kursplus von 1,5 Prozent zu den besten Werten. Die Pläne des Autobauers für die kommenden Jahre schienen den Anlegern Mut zu machen. Am Dienstag hatten noch kolportierte Aussagen vom Kapitalmarkttag im späten Handel für Nervosität gesorgt. Diese Verluste holte BMW wieder auf.
Index-Schlusslicht waren die Aktien der Commerzbank mit minus 4 Prozent. Analyst Benjamin Goy von der Deutschen Bank strich seine Kaufempfehlung. Viele der Kurstreiber, etwa steigende Zinseinkünfte und üppige Ausschüttungen, seien entweder bereits eingepreist oder durch die überdurchschnittliche Kursentwicklung am Markt inzwischen realisiert worden, schrieb er.
Am MDax-Ende büßten die zwischenzeitlich noch schwächeren Aktien von CTS Eventim 6,2 Prozent ein. Der Tickethändler und Veranstalter muss sich einen neuen Finanzchef suchen. Gründe wurden keine genannt. Für etwas Kursentlastung sorgten am Nachmittag bekannt gewordene Aktienkäufe von Unternehmenschef Klaus-Peter Schulenberg für gut 10 Millionen Euro.
Positiv aufgenommene Daten zur Entwicklung der US-Inflation haben der Wall Street am Mittwoch ein wenig Rückenwind gegeben. Zuletzt notierte der Dow Jones noch 0,1 Prozent höher bei 51.396 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,5 Prozent auf 7710 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq 100 verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 30.562 Stellen.
Der von der US-Notenbank Fed genau beobachtete Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) stieg im August im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent. Die Kernrate lag bei 3,0 Prozent. Beide Werte fielen niedriger aus als von Analysten erwartet. Die Daten nährten die Hoffnung, dass die US-Notenbank Fed auf eine weitere Zinserhöhung im Oktober verzichten könnte. „Dass die Inflation nicht so stark wie erwartet ausfällt, verringert den Druck auf die Fed, wenngleich die Teuerung eindeutig zu hoch bleibt“, sagte Neil Wilson, Stratege bei der Saxo Bank.
Gefragt bei den Einzelwerten waren unter anderem die Aktien von Robinhood, die um gut 5 Prozent zulegten. Der Online-Broker teilte mit, er werde den Handel mit ausgewählten US-Aktien und ETFs künftig auch am Wochenende anbieten.
Zuvor hatten steigende Renditen am US-Anleihemarkt die Aktienkurse belastet. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen kletterte zeitweise auf 5,293 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2007. Die 30-jährigen Papiere erreichten mit 5,6206 Prozent ein Hoch seit Juni 2002.
Die Ölpreise legen erneut zu, nachdem US-Präsident Trump eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran abgelehnt hat. Die Nordseesorte Brent verteuert sich gut ein Prozent auf bis zu 103,73 Dollar je Barrel. Der Preis für US-Leichtöl WTI steigt ein halbes Prozent auf 89,89 Dollar je Barrel. Trump wies einen Bericht des Nachrichtenportals Axios zurück, demzufolge er bereit sei, im Gegenzug für konkrete Schritte des Iran bei seinem Atomprogramm Sanktionen zu lockern und eingefrorene Gelder freizugeben. Am Vortag hatten die Preise wegen einer Erholung des Rohölangebots aus dem Nahen Osten nachgegeben.
In dieser Woche wollen demnach Vermittler aus Katar und Pakistan zusammenkommen, um ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu erörtern. Vor wenigen Tagen hatte Trump einem iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der für Erdöl-Lieferungen wichtigen Straße von Hormus eine Abfuhr erteilt.
Mit Nachrichtenagenturen
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