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Sam Altman sagt Börsengang ab: Was weiß der OpenAI-Chef mehr als wir wissen?

Дата публикации: 16-09-2026 05:09:00

OpenAI will vorerst nicht an die Börse. Sicherheitsbedenken spielen eine Rolle. Doch der eigentliche Grund könnte viel profaner sein: Geld und Bewertung.

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OpenAI verschiebt den Börsengang. Offiziell geht es um KI-Risiken. Doch dahinter könnte es um Milliarden, Bewertungen und die Macht im KI-Geschäft gehen.

Sam Altman zieht die Notbremse. OpenAI werde 2026 nicht an die Börse gehen, sagt der Chef des ChatGPT-Konzerns. Der Zeitpunkt sei wegen der Sicherheitsrisiken künstlicher Intelligenz schlecht gewählt.

Die Weltzerstörungsmaschine heißt KI

Schon eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, dass KI eines Tages zur Auslöschung der Menschheit beitragen könnte, sei inakzeptabel. Anthropic-Chef Dario Amodei geht noch weiter: Er schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass es mit KI „wirklich, wirklich schlimm“ ausgeht – bis hin zur Zerstörung der Menschheit –, auf 25 Prozent. Selbst Elon Musk beteiligt sich an der Weltuntergangs-Propheterie: Er taxiert die Wahrscheinlichkeit, dass KI die Menschheit auslöscht, mal eben auf „zehn oder 20 Prozent“.

Das alles klingt beunruhigend. Offenbar sind es ausgerechnet die Männer, die den Wettlauf um immer leistungsfähigere Modelle, größere Rechenzentren und mehr Milliarden angeführt haben, die nun vor dessen Folgen warnen. Also: Was weiß Sam Altman, was wir nicht wissen?

Die Antwort steckt nicht im KI-Labor

Die Antwort lautet: Nichts – jedenfalls nichts, was man wissen müsste, um die Verschiebung des Börsengangs zu verstehen. Dafür muss man nicht in die geheimen KI-Labore schauen. Es genügt ein Blick in die Zahlen. Und die erzählen eine sehr viel profanere Geschichte.

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OpenAI hat im ersten Quartal 2026 nach Unterlagen, die Investoren vorgelegt wurden, 5,7 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und trotzdem 3,7 Milliarden Dollar Cash verbrannt. Gleichzeitig sammelte OpenAI im Frühjahr 122 Milliarden Dollar frisches Kapital ein. Bewertung nach der Runde: 852 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist damit finanziell üppig gepolstert und besitzt etwas außerordentlich Wertvolles: Zeit. Es muss nicht an die Börse, um morgen seine Rechnungen bezahlen zu können. Und warum sollte Altman sich dem Urteil des Kapitalmarkts aussetzen, solange private Investoren bereit sind, ihm zu nahezu traumhaften Konditionen Geld zu geben?

Für KI-Konzerne beginnt der harte Realitätscheck

An der Börse ist der Wind rauer. Auf dem Parkett reicht die Erzählung vom größten technologischen Umbruch seit dem Internet irgendwann nicht mehr. Dort kommen alle drei Monate sehr reale Fragen auf den Tisch:

  • Was kostet ein Dollar Umsatz?
  • Wie teuer ist die Rechenleistung?
  • Wann steigen die Margen?
  • Wie viele Milliarden verschlingen Chips, Rechenzentren und Strom?
  • Und vor allem: Warum soll OpenAI eine Billion Dollar oder mehr wert sein, wenn ein Wettbewerber inzwischen schneller wächst?
Ausgerechnet Anthropic zeigt, dass es auch anders geht

Dieser Wettbewerber heißt Anthropic. Ausgerechnet der kleinere Rivale hat OpenAI beim ausgewiesenen Umsatz inzwischen überholt. Im zweiten Quartal setzte Anthropic rund 11,5 Milliarden Dollar um, OpenAI dagegen etwa 6,7 Milliarden. Ende Juli lief das Geschäft bei Anthropic bereits auf einen hochgerechneten Jahresumsatz von mehr als 65 Milliarden Dollar hinaus; OpenAI kam zuletzt auf mehr als 40 Milliarden. Auch wenn die Zahlen nicht eins zu eins vergleichbar sind: Anthropic hat beim Wachstum und beim ausgewiesenen Umsatz derzeit die Nase vorn.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Anthropic erwartet nach Angaben gegenüber Investoren zum zweiten Mal in Folge ein positives bereinigtes operatives Ergebnis. Bereinigt heißt: Aktienvergütungen und weitere wichtige Kosten werden dabei nicht vollständig berücksichtigt. Gleichzeitig treibt Anthropic seinen Börsengang weiter voran. Nasdaq ist als Handelsplatz ausgewählt, im Raum steht eine Bewertung von mehr als zwei Billionen Dollar.

Ausgerechnet Anthropic also. Das Unternehmen, dessen Chef ein 25-prozentiges Risiko sieht, dass es mit KI „wirklich, wirklich schlimm“ ausgeht, marschiert Richtung Börse. Altman bleibt wegen angeblicher KI-Gefahren lieber draußen. Als alleinige Erklärung für den Rückzug wirkt das jedoch ziemlich dünn.

Google und Microsoft haben, was OpenAI fehlt

Nicht viel besser fällt der Vergleich für OpenAI aus, wenn die Messlatte die etablierten Tech-Konzerne sind. Die Google-Mutter Alphabet setzte allein im zweiten Quartal 119,8 Milliarden Dollar um und erzielte eine operative Marge von 34 Prozent. Google Cloud wuchs um 82 Prozent. Meta plant für dieses Jahr zwar Investitionen von 130 bis 145 Milliarden Dollar, vor allem für KI-Infrastruktur, kann diese Summen aber aus einem hochprofitablen bestehenden Geschäft stemmen.

Und Microsoft ist nicht nur Investor von OpenAI, sondern zugleich einer seiner wichtigsten Geschäftspartner und Infrastrukturanbieter. Im Geschäftsjahr 2026 verbuchte Microsoft 24,1 Milliarden Dollar Umsatz aus seinen kommerziellen Vereinbarungen mit OpenAI. Das ist kein Gewinn und lässt sich auch nicht einfach mit OpenAIs Umsatz verrechnen. Aber die Größenordnung zeigt, welche gewaltigen Zahlungsströme Altmans KI-Geschäft inzwischen erzeugt.

Der entscheidende Unterschied zwischen OpenAI und den etablierten Tech-Konzernen lautet: Google, Meta und Microsoft finanzieren die KI-Revolution aus bestehenden Geldmaschinen. OpenAI muss erst noch beweisen, dass KI selbst eine Geldmaschine ist.

Musk warnt vor dem Weltuntergang und gibt Vollgas

Und dann ist da Elon Musk. Musk warnt seit Jahren vor existenziellen KI-Risiken. Wirtschaftlich handelt er allerdings nicht wie jemand, der kurz vor dem Weltuntergang auf die Bremse tritt. SpaceX hat xAI übernommen. Damit wachsen KI, Satelliten, Raketen, Kommunikation und Rechenzentren unter Musks Kontrolle immer enger zusammen.

Die Zahlen zeigen, was Vorsicht bei Musk praktisch bedeutet: Allein im ersten Quartal 2026 schrieb der KI-Bereich einen operativen Verlust von rund 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig fließen gigantische Summen in Rechenleistung und Infrastruktur. Im zweiten Quartal investierte SpaceX rund 16 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur. Musk warnt vor der Geschwindigkeit der KI und baut gleichzeitig mit Hochdruck eine der größten KI-Maschinen der Welt.

Hinter der Sicherheitsdebatte steckt die Geldfrage

Das ist der zentrale Widerspruch, mit dem uns die KI-Unternehmer im Regen stehen lassen. Natürlich haben Altman, Amodei, Musk und Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis ein ernsthaftes Interesse daran, dass leistungsfähigere KI nicht außer Kontrolle gerät. Aber dieselben Männer kämpfen gleichzeitig um Marktanteile, Ingenieure, Chips, Rechenzentren, Strom, Investoren und politischen Einfluss.

Die Sicherheitsdebatte ist damit zumindest auch eine Finanzierungsdebatte. Was weiß Sam Altman also, was wir nicht wissen? Vielleicht eine Menge über KI. Aber nichts davon braucht man, um seinen Rückzug von der Börse zu erklären.

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