Im Oktober startet das neue Semester. Für viele Studenten wird es schwierig, dies überhaupt zu finanzieren. Die Mieten steigen, das Bafög hält aber nicht mit. Ohne finanzkräftige Eltern geht wenig.
Im Oktober startet das neue Semester. Für viele Studenten wird es schwierig, dies überhaupt zu finanzieren. Die Mieten steigen, das Bafög hält aber nicht mit. Ohne finanzkräftige Eltern geht wenig.
512 Euro beträgt die durchschnittliche Warmmiete für ein WG-Zimmer in deutschen Hochschulstädten. Diese Zahl haben WG-Gesucht.de und das Moses Mendelssohn Institut für das aktuelle Sommersemester veröffentlicht. Geteilt durch die durchschnittlichen Kaltmieten und Nebenkosten in Deutschland bedeutet das ein Leben auf 38 Quadratmetern inklusive gemeinschaftlich genutzter Flächen wie Küche und Bad.
Gegenüber dem Vorjahr sind die Mietkosten damit schon um rund vier Prozent gestiegen. Sie bilden aber auch nur den Durchschnitt ab. 38 Quadratmeter zu 512 Euro gibt es im bundesweiten Durchschnitt. Doch in vielen Großstädten, in denen Universitäten nun einmal oft liegen, ist es deutlich teurer. So zahlen Studenten für 38 Quadratmeter in München horrende 1005 Euro Warmmiete. Auch in Frankfurt, Stuttgart und Freiburg im Breisgau sind die Kosten mit 750 bis 800 Euro hoch. Beim Vergleich der 50 größten deutschen Studentenstädte lebt es sich in Magdeburg mit 420 Euro und Halle an der Saale mit 435 Euro am günstigsten.
Mieten sind aber nur ein Kostenpunkt. Die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich innerhalb Deutschlands zwar kaum, machen aber einen wichtigen Anteil aus. Wie hoch sie genau liegen, hängt vom jeweiligen Lebensstil ab. Wir rechnen in unserem Vergleich deswegen mit dem absoluten Minimum und setzen den Grundsicherung-Regelsatz von 563 Euro für alleinstehende Erwachsene an. Dies treibt die monatlichen Kosten in fast allen Städten bereits auf mehr als 1000 Euro.
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Hinzu kommen die Semesterbeiträge. Zwar gibt es in Deutschland keine Studiengebühren, doch verlangt jede Uni einen halbjährlichen Beitrag. Der umfasst etwa Verwaltungskosten. Je nach Universität ist dabei auch ein verbilligtes Ticket für den jeweiligen ÖPNV enthalten. Mittlerweile geben einige Unis dafür auch das ermäßigte Deutschlandticket für Studenten im Wert von 37,80 Euro im Monat aus.
Die Semesterbeiträge unterscheiden sich in den 50 größten Studentenstädten stark. In den Städten, die mehrere Unis beherbergen, haben wir jeweils den Beitrag der größten Universität für den Vergleich genommen. Das trifft etwa auf Berlin und München zu. Zudem sind private Universitäten ausgeschlossen. Hier werden sowieso höhere Studiengebühren fällig.
Am günstigsten ist der Semesterbeitrag in Städten, in denen kein ÖPNV-Ticket enthalten ist. So liegen Nürnberg und Erlangen mit 84 Euro pro Semester vorne. Auf einen Monat heruntergebrochen sind das 14 Euro. Am teuersten ist der Beitrag in Göttingen mit 486 Euro pro Semester oder 81 Euro pro Monat. Hier ist dann aber auch ein ÖPNV-Ticket enthalten.
Wir haben in den Städten, in denen keine Tickets im Semesterbeitrag enthalten sind, keine Extrakosten dafür berechnet. Schließlich enthält der Bürgergeldsatz bereits 50 Euro für Mobilität im Monat. Das entspricht in etwa den Kosten eines Deutschlandtickets für Studenten.
Insgesamt kommen Studenten so auf monatliche Kosten von 1038 Euro in Magdeburg bis 1585 Euro in München. Der Durchschnitt liegt bei 1213 Euro. Der Median, also der Wert, über dem die Hälfte der Städte liegt und unter dem die andere Hälfte liegt, beträgt 1196 Euro. Wichtig: Die Zahlen sind nur vorsichtige Schätzungen. Die genaue Summe hängt davon ab, welche Miet- und Lebenshaltungskosten ein Student am Ende tatsächlich hat.
Nicht eingerechnet haben wir die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Die müssen Studenten nur dann selbst tragen, wenn sie nicht beispielsweise über die Eltern familienversichert sind. Für unsere Modellrechnung unterstellen wir, dass die Studierenden noch über ihre Eltern familienversichert sind.
Summen in dieser Größenordnung sind für Studenten trotzdem schwer zu finanzieren. Die meisten Studenten studieren in Vollzeit. Ein Vollzeitjob neben dem Studium kommt deshalb kaum infrage. Bei den meisten müssen also die Eltern finanziell eingreifen. Die sind dazu beim Erststudium meist gesetzlich verpflichtet. Diese Pflicht orientiert sich aber an der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern. Ausschlaggebend für die Höhe der Unterstützung ist die Düsseldorfer Tabelle. Sie setzt den Unterhaltsbedarf eines Studenten aktuell bei 990 Euro im Monat an. Semesterbeiträge und Krankenkassenbeiträge sind hier noch nicht eingerechnet.
Die finanzielle Unterstützung der Eltern fällt aber geringer aus. Auf den Bedarf werden etwa Kindergeld, eigenes Einkommen der Kinder sowie Bafög-Zahlungen angerechnet. Nur die Differenz muss dann von den Eltern geleistet werden. Dabei gilt aber, dass diese sich dadurch nicht finanziell ruinieren müssen.
Grundsätzlich darf jeder Elternteil 1750 Euro von seinem Nettoeinkommen für sich selbst behalten. Alles darüber kann für den Unterhalt des Kindes herangezogen werden, wobei sich Mutter und Vater die Kosten teilen müssen. Die genaue Aufteilung wird anhand der nach dem Selbstbehalt verbleibenden Leistungsfähigkeit berechnet. Hätte ein Vater dann etwa noch 800 Euro zur Verfügung, eine Mutter aber nur noch 200 Euro, müsste er 80 Prozent des Unterhalts zahlen und sie nur 20 Prozent.
Sind die Eltern nicht ausreichend leistungsfähig, können Studenten BAföG beantragen. Das ist dann eine staatliche Unterstützung, die mangelnde Mittel der Eltern ausgleichen soll. Ihr Höchstsatz liegt aber bei 855 Euro. Das gilt für den Fall, dass der Student noch über die Eltern kranken- und pflegeversichert ist. In diesem Höchstsatz sind zudem nur 475 Euro für die Lebenshaltungskosten und 380 Euro für die Warmmiete außerhalb des Elternhauses veranschlagt. Wie oben gezeigt liegen die Durchschnittskosten in Deutschland deutlich höher.
Den Höchstsatz bekommen aber sowieso nur die wenigsten Studenten. Die Berechnung des Bafög erfolgt auf Grundlage eines Bedarfs von 855 Euro ohne Kranken- und Pflegeversicherung. Davon wird alles Einkommen des Studenten über der Minijobgrenze von 603 Euro im Monat abgezogen sowie Vermögen über 15.000 Euro angerechnet. Außerdem mindert die maximale Unterstützung, die Eltern leisten können, die Bafög-Zahlungen. Wichtig: Vom Bafög muss nach dem Studium die Hälfte wieder zurückgezahlt werden, maximal jedoch 10.010 Euro.
Weder der Bafög-Höchstsatz noch der gesetzliche Höchstsatz für den Elternunterhalt reichen derzeit also aus, um ein minimales Studentenleben in den 50 größten Universitätsstädten zu finanzieren. Entsprechend leben viele Studenten in prekären Verhältnissen. Nach einer Auswertung der EU waren schon 2022 rund 35 Prozent aller Studenten in Deutschland armutsgefährdet. Unter denen, die nicht bei ihren Eltern leben, waren es sogar 77 Prozent. In absoluten Zahlen waren das damals rund eine Million Menschen.
Die Finanzierungslücke verglichen mit dem Bafög-Höchstsatz liegt für sie zwischen 183 Euro im Monat in Magdeburg und 730 Euro in München. Manche können diese mit einem Nebenjob ausgleichen, manche nicht. Besonders Kinder aus armen Familien sind dadurch benachteiligt. Davor warnte etwa zuletzt das Deutsche Studierendenwerk (DSW), der „freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs)“ und die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)“. Sie alle fordern ein höheres und vom Einkommen der Eltern unabhängiges Bafög.
Tatsächlich hat die Bundesregierung höhere Sätze beschlossen. Ab dem Wintersemester 2027/28 soll der Grundbedarf auf 503 Euro steigen. Ein Jahr später geht er auf 563 Euro hoch. Die Wohnkostenpauschale wird schon ab dem Sommersemester 2027 auf 440 Euro erhöht. Das Gesetz hat bisher aber nur die Zustimmung des Kabinetts und ist damit noch nicht beschlossen.
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