Wie Marco Börries Milliardäre und Gerichte narrt und wie Janna Ensthaler das Geschäft mit der Empörung für sich entdeckt hat. Unser Newsletter „Tech Update“ liefert wöchentlich exklusive Recherchen, Analysen und News zu Start-ups und Innovationen.
Liebe Leserin, lieber Leser.
Anthropics CEO Dario Amodei (43) und sein Rivale Sam Altman (41) von OpenAI trommelten in dieser Woche vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für eine kontrollierte und langsamere KI-Entwicklung, was beide freilich nicht davon abhielt, jeweils ein neues Modell zu veröffentlichen. US-Präsident Donald Trump (80) will derweil nichts von irgendwelcher Kontrolle wissen und spricht künftig statt von „künstlicher Intelligenz“ nur noch von „Superintelligenz“, weil das sonst so fake klinge. Problem fast gelöst, würde ich sagen.
Eigentlich teile ich nur sehr selten KI-Content, aber dieses Video fasst die aktuelle Situation ganz passend zusammen.
Das sind unsere Topthemen diese Woche:
Catch me if you can – wie Marco Börries Milliardäre und Gerichte narrt
Start-ups und Empörung: Das Geschäftsmodell des „Höhle der Löwen“-Stars Janna Ensthaler
Ex-Springer-Vorstand Andreas Wiele startet neuen 250-Millionen-Euro-Fonds
Hält Abstand zur Heimat: Der abgestürzte Techstar Marco Börries
Foto: Gene Glover / manager magazinDer einstige Techstar Marco Börries (58), der einst als „deutscher Bill Gates“ gefeiert wurde, soll den deutsch-amerikanischen Milliardär und ersten Google-Investor Andreas von Bechtolsheim (70) um 21,5 Millionen Dollar gebracht haben. Das Geld war für einen heiklen Innolume-Deal gedacht, der wegen Russland-Sanktionen kippte. Laut Bechtolsheim landete die Summe wieder auf Börries’ Konto – weitergeleitet worden sei sie bis heute nicht. Börries bestreitet die Vorwürfe vollumfänglich, die bald vor dem Landgericht Berlin II verhandelt werden. Die exklusive Recherche meines Kollegen Jonas Rest zeigt , wie Börries Gerichte und Gläubiger auflaufen lässt. Am Ende wirkt die Geschichte wie ein Tech-Weiterdreh von "Catch me if you can" – nur mit echten Aktenzeichen.
Erstaunliche Wandlung: Investorin Janna Ensthaler
Foto:Krissi van der Viven
Janna Ensthaler (42), Investorin und „Höhle der Löwen“-Star, war mit ihrem 100 Millionen Euro schweren Green Generation Fund noch vor Kurzem das Gesicht des grünen Impact-Investings. Heute polemisiert sie gegen „CO₂-Start-ups“, polarisiert mit Anti-woke-Thesen und verteidigt AfD-Politiker. Was ist passiert? Woher kommt ihr Drang, sich so zu äußern? Was ist Überzeugung, was Geschäftsmodell? Mein Versuch, das herauszufinden, führte mich unter anderem nach Braunschweig, wo ich mich mit Ensthaler selbst getroffen habe. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen.
Josef Fleischmann (36), Mitgründer der Raketenfirma Isar Aerospace, steigt aus und macht was Neues. Dem Weltall bleibt er aber treu: Mit seiner neuen Firma Bavarian Instruments will er Technologien entwickeln, mit denen Satelliten Daten direkt im All auswerten können, statt sie erst zur Erde zu schicken.
Tatiana Shalalvand wird neue Partnerin beim Berliner Fonds Cherry Ventures in Stockholm. Zuvor war die Investorin bei der schwedischen Beteiligungsfirma Kinnevik.
Daniel Khachab (37), Gründer von Choco, gibt seinen CEO-Posten ab . Neuer Geschäftsführer wird David Howgego, zuvor Chief Revenue Officer bei Choco. Die Firma entwickelt eine KI-gestützte Bestellsoftware für Lebensmittel. Khachab wechselt auf den Posten des Executive Chairman.
Medienmanager a. D.: Der frühere Springer-Vorstand Andreas Wiele wettet auf europäische Digitalfirmen
Foto:DPA/Bernd von Jutrczenka
Mit seinem Fonds Giano Capital kauft der frühere Axel-Springer-Manager Andreas Wiele (64) Start-up-Anteile von bestehenden Investoren – sogenannte Secondaries. Star in seinem Portfolio ist die Neobank Revolut, weswegen es bisher auch sehr gut lief. Nun will er mehr und legt einen weiteren 250-Millionen-Euro-Fonds auf. Mehr dazu von meinem Kollege Caspar Schlenk.
Apropos neue Fonds: Die Hamburger Investmentfirma DTCP hat einen eigenen Defense- und Resilience-Fonds aufgelegt und dafür in einer ersten Runde Kapitalzusagen über 455 Millionen Euro eingesammelt. Zu den Investoren gehören unter anderem Deutsche Telekom, Porsche SE, EIFO, Danica und SmartCap.
OpenAI meldet den nächsten unerlaubten (und lange unbemerkt gebliebenen) Hack eines KI-Agenten. Dieses Mal kaperte er ein australisches Regierungsportal. Nach dem Hack bei Hugging Face und weiteren Vorfällen sorgt das nun für neue KI-Sicherheitsbedenken. Australiens Premierminister Anthony Albanese (63) äußerte jedenfalls „Besorgnis“ und kritisierte OpenAI scharf.
Meta will uns einen KI-Agenten an den Schlüsselbund hängen. Um mit den anderen Techkonzernen im KI-Wettrennen Schritt halten zu können, setzt CEO Mark Zuckerberg (42) auf innovative KI-Geräte wie das neue Muse Charm. Ich fühle mich bei dem Prototyp stark an die Tamagotchi-Zeiten zurückerinnert. Irgendwie der falsche Moment, eine so mächtige Technologie zu verniedlichen, oder?
Erstes Haus am Platz: An dieser schicken Adresse in San Francisco residiert Investor a16z – ob hier auch die Akademie einziehen wird, ist unklar
Foto: Smith Collection / Gado / Getty ImagesDie legendäre Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz (kurz: a16z) geht unter die Bildungsanbieter. Das Unternehmen hat eine nicht akkreditierte, zweijährige Alternative zum traditionellen Hochschulstudium gestartet und 35 Millionen Dollar reingesteckt. Anthropic, Google, Meta Platforms, Nvidia sowie OpenAI und weitere Unternehmen werden Zugang zu Software und Rechenkapazitäten bereitstellen. Während der umstrittene Investor Peter Thiel (58) einst Studierende dafür bezahlte, ihr Studium abzubrechen und stattdessen ein Unternehmen zu gründen, geht a16z also einen anderen Weg: Sie locken die Talente lieber in eine eigene Bildungseinrichtung. Danach können sie ja immer noch gründen, hoffentlich.
Nun wünschen wir euch einen schönen Freitag, denn das war es schon wieder mit dem aktuellen „Tech Update“. Leitet den Newsletter gern an andere Interessierte weiter. Abonnieren könnt ihr uns hier, damit ihr auch in Zukunft keine Ausgabe verpasst.
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Viele Grüße
Eure Sarah Heuberger