Das "KI-Update" liefert werktäglich eine Zusammenfassung der wichtigsten KI-Entwicklungen.
China prüft, den Auslandszugang zu seinen fortschrittlichsten KI-Modellen zu beschränken. Damit behandeln beide Supermächte, die USA und China, ihre stärksten Systeme als strategisches Gut. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sprachen chinesische Behörden zuletzt mit Alibaba, Bytedance und dem Start-up Z.ai über ein gestuftes System: einfache Open-Source-Werkzeuge nur mit Meldepflicht, fortgeschrittene Technik mit Sicherheitsprüfung, die sensibelsten Modelle gar nicht zur öffentlichen Freigabe.
Für Europa verschärft das eine ohnehin schwierige Lage. Bislang galten offene chinesische Modelle als günstige und selbst gehostet als quasi-souveräne Alternative zu teuren US-Diensten. Ein eigenes, konkurrenzfähiges Angebot fehlt weitgehend, abgesehen vom französischen Anbieter Mistral. Zugleich fließt europäisches Fachwissen ab: Plattformen wie Mercor vermitteln Experten an KI-Labore, die deren Wissen als hochwertige Trainingsdaten nutzen. Programme wie InvestAI sollen 200 Milliarden Euro mobilisieren, die Umsetzung stockt aber noch.
Apple plant mit iOS 27 ein Framework namens Trust Insights, eine KI-basierte Verhaltensanalyse, die Nutzer vor Betrug warnen soll. Zwei-Faktor-Authentifizierung und Gesichtserkennung schützen vor Angreifern von außen, nicht aber vor Social Engineering, bei dem Betrüger Menschen zu Überweisungen oder Fernzugriff überreden. Die KI beobachtet das Verhalten auf dem iPhone und schlägt Alarm bei ungewöhnlich hohen Überweisungen, dem Löschen von Konten oder dem Export sensibler Daten. Erkennt das System eine Gefahr, entscheidet die jeweilige App selbst über eine Warnung oder eine kurze Verzögerung.
Die Analyse läuft größtenteils auf dem Gerät, Inhalte aus Fotos, Nachrichten oder Mails bezieht sie nicht ein. Nutzer können die Funktion abschalten, allerdings erst nach einer Wartezeit, damit Betrüger ihre Opfer nicht zum schnellen Deaktivieren drängen. Ob Trust Insights nützt, hängt davon ab, ob Banken und App-Anbieter mitziehen. Der Start erfolgt im Herbst.
Nvidia startet ein neues Geschäftsmodell für seine KI-Beschleuniger. Kleinere Cloud-Betreiber, sogenannte Neoclouds, drücken einen Teil ihres Umsatzes an Nvidia ab. Im Gegenzug mietet Nvidia im Zweifel ungenutzte Rechenkapazität zurück. So können die Anbieter ungehemmt weitere Rechenzentren aufbauen, inklusive Lieferversprechen für GPUs.
Die ersten Partner sind die australischen Neoclouds Sharon AI und Firmus Technologies. Sie planen Rechenzentren mit über 200.000 GPUs und einer Gesamtkapazität von über 400 Megawatt. Nvidia nutzt derweil seine prall gefüllten Konten, um den KI-Boom weiter anzutreiben.
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Samsung erwartet für das zweite Quartal einen 19-mal höheren Betriebsgewinn als im Vorjahr. Dennoch gaben die Aktien um fast zehn Prozent nach, weil die Rekordzahlen bereits erwartet waren. Die Gewinne beruhen vor allem auf Samsungs Rolle beim Ausbau der KI-Infrastruktur. Als einer der führenden Halbleiterproduzenten profitiert der Konzern bei Speicherchips stark vom KI-Boom.
Dass die Kurse nicht weiter anzogen, liegt auch an wachsender Unsicherheit, wie lange das KI-Wettrennen anhält. In Südkorea lösten die Rekordeinnahmen zugleich Debatten über die Gewinnverteilung aus.
Außerhalb der Technologiebranche gibt es bisher keine Anzeichen für steigende Gewinnmargen durch KI. Das schreibt Torsten Slok, Chefökonom beim US-Finanzunternehmen Apollo. Der Wert vieler KI-Unternehmen beruhe allein auf dem Versprechen steigender Margen.
In regulierten Branchen wie Gesundheitswesen, Banken, Energie oder Pharma könnten Prozessumstellungen und Datenschutzanforderungen Produktivitätsgewinne verzögern. Die Aktienmärkte preisen laut Slok schnelles Gewinnwachstum, während die realen Cashflows viel langsamer folgen könnten. Dauert der Produktivitätsschub zu lange, droht eine schmerzhafte Neubewertung vieler KI-Aktien.
Elon Musks KI-Unternehmen xAI heißt künftig SpaceXAI und bekommt ein neues Logo. Bekannt ist die Sparte vor allem für den Chatbot Grok. Musk gründete xAI Mitte 2023, um eine, so wörtlich, „maximal wahrheitssuchende KI“ zu entwickeln.
Der in X integrierte Grok sorgte mehrfach für Skandale. Anfang des Jahres erzeugte die Technik sexualisierte Deepfakes realer Personen, teils Minderjähriger, woraufhin mehrere Staaten das Angebot blockierten. Zudem fiel Grok wiederholt durch rechtsextreme Inhalte auf. Trotz Milliardenverlusten schloss die Firma mehrere Verträge ab, um sich langfristig Rechenleistung zu sichern.
Microsoft ersetzt in einigen Copilot-Produkten wie Excel und Outlook Modelle von OpenAI und Anthropic durch eigene Systeme. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg verarbeiten Microsofts MAI-Modelle bereits zehntausende Anfragen pro Woche und sind auch in GitHub Copilot verfügbar. Der Anteil eigener Modelle ist insgesamt noch gering. KI-Chef Mustafa Suleyman erklärte, die Firma zahle viel Geld an Anthropic und wolle diese Kosten senken und letztlich beseitigen.
Für Kunden könnte das gleiches Geld für weniger KI-Leistung bedeuten. Microsoft-Chef Satya Nadella deutete an, dass die Abrechnung stärker nutzungsbasiert werden könnte. Denkbar wären günstige MAI-Modelle als Standard und externe Modelle gegen Aufpreis.
Smart Glasses lösen bei Umstehenden oft Unbehagen aus, da sie meist Kameras tragen und heimlich aufnehmen oder per Gesichtserkennung Daten sammeln könnten. In der EU stehen sie deshalb im Fokus von Datenschützern. Die neue AirGo A6 des US-Herstellers Solos verzichtet ganz auf Kameras und setzt allein auf einen KI-Sprachassistenten. Dadurch ist die Brille deutlich dünner und leichter, sie wiegt ohne Gläser nur wenige Gramm.
Der Assistent beantwortet Fragen, reagiert auf Sprachbefehle, übersetzt in Echtzeit und erinnert an Termine. Die Ausgabe erfolgt über Lautsprecher hinter den Ohren, auch Musikwiedergabe und Telefonate sind möglich. Marktstart und Preis stehen noch nicht fest.
Sicherheitsforscher der Firma Sysdig meldeten den ersten Ransomware-Angriff, der wohl komplett von einem großen Sprachmodell gesteuert wurde. Er trägt den Namen Jadepuffer. Eine KI drang in ein Produktionssystem ein, verschlüsselte und löschte weitgehend eigenständig Daten und forderte Lösegeld. Verräterisch waren kryptische Kommentare in den Angriffsskripten und die Geschwindigkeit, mit der die KI nach einem fehlgeschlagenen Login das Skript binnen Sekunden verbesserte.
Bei genauerem Hinsehen wirkte der Angriff dilettantisch. Als Zieladresse gab die KI eine Bitcoin-Wallet an, die oft als Platzhalter in Dokumentation auftaucht, ein Lösegeld wäre also nie angekommen. Zudem speicherte sie den Schlüssel zur Entschlüsselung nicht korrekt ab, ein Opfer hätte selbst nach Zahlung keine Chance auf Wiederherstellung gehabt.
KI-generierte Bilder und Videos werden immer realistischer. Moderne Modelle stellen anatomisch korrekte Körper dar und simulieren feinste Details, etwa das Pulsieren der Haut im Takt eines Herzschlags. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mit dem Fraunhofer-Institut IOSB das Verfahren RealOrRender entwickelt. Die KI produziert ein verdächtiges Bild noch einmal nach und vergleicht das Original mit der neuen Version. Ist das Ausgangsbild ein Deepfake, ähneln sich beide stark. Echte Aufnahmen weisen mehr Rauschen und natürliche Ungenauigkeiten auf.
Die Erkennungsrate liegt laut den Forschenden zwischen 85 und 91 Prozent. Zudem macht das Verfahren seine Entscheidung nachvollziehbar: Am Ende erzeugt es eine Heatmap, die zeigt, welche Bilddetails wie Gesicht, Haare oder Hintergrund als verdächtig gelten.
In Deutschland entstanden im ersten Halbjahr über 3000 Start-ups, so viele wie nie zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum. Das zeigt eine Auswertung des Start-up-Verbands anhand von Handelsregisterdaten. KI treibt die Entwicklung zweifach an: Sie erleichtert das Gründen, weil sich Softwareentwicklung, Marketing oder Verwaltung automatisieren lassen. Zugleich bauen viele neue Firmen ihr Geschäftsmodell auf KI auf, etwa mit Chatbots oder Analysewerkzeugen.
Mehr als ein Drittel der neuen Start-ups hat einen klaren KI-Bezug. Laut Verband spielt auch die Wirtschaftskrise eine Rolle: Da viele Unternehmen weniger einstellen, wird die eigene Gründung für Talente zur Alternative.
Laut einer Studie von IW Consult nutzen inzwischen 40 Prozent der Firmen in Deutschland KI, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Selbst in kleinen Betrieben liegt die Quote bei knapp 40 Prozent. Dass die Mehrheit KI nicht einsetzt, liegt an fehlender Relevanz für das Geschäftsmodell, aber auch an datenschutzrechtlichen Bedenken.
Der Einsatz verändert auch den Arbeitsmarkt. KI-Kenntnisse verlangen Firmen nicht mehr nur in IT-Abteilungen, sondern auch in Produktion, Logistik oder Qualitätsmanagement. So werden KI-Kompetenzen branchenübergreifend zur Grundanforderung im Beruf.
In vielen deutschen Rathäusern kommt KI für Verwaltungsaufgaben zum Einsatz oder wird getestet. In einer repräsentativen Forsa-Befragung von Bürgermeistern von Gemeinden mit mindestens 1000 Einwohnern gab gut die Hälfte an, die Technik bereits produktiv zu nutzen oder zu erproben. Am häufigsten dient KI dem Erstellen und Bearbeiten von Dokumenten, gefolgt von Übersetzungen, der Analyse von Akten und der Protokollierung von Sitzungen.
KI gilt vor allem als Chance für mehr Effizienz, Zeitersparnis und schnellere Bearbeitung von Bürger-Anliegen. Knapp die Hälfte der Befragten sieht zudem eine Chance, den Fachkräftemangel abzumildern.
Die KI-Figur Tilly Norwood soll die Hauptrolle in einem Spielfilm übernehmen. Bereits vor einigen Monaten sorgte die am Computer erzeugte Figur mit einem Musikvideo für Aufsehen. Nun bereitet das britische KI-Studio Particle 6 einen Film mit ihr vor, ein Comedy-Drama im sogenannten Tillyverse. In dieser surrealen, digitalen Welt versucht Tilly, angestachelt von einem Bot aus dem Darknet, menschliche Züge zu entwickeln.
Den Film sollen teils Menschen, teils KI gestalten. Regisseure, Autoren und KI-Spezialisten arbeiten zusammen. Schon die Vorstellung von Tilly Norwood im vergangenen Jahr sorgte für viel Kritik aus der Filmbranche. Der Film soll "Misaligned" heißen, was sich mit Fehlausrichtung übersetzen lässt.
Seit den Weltkriegen lagern große Mengen Munition in Nord- und Ostsee. Blindgänger gefährden besonders in Küstennähe Badegäste und Schifffahrt, sind mit Sonar und bildgebenden Verfahren aber schwer zu finden, weil das Wasser die Aufnahmen verzerrt. Forscher der Rosenstiel School kombinieren zwei von der NASA entwickelte Verfahren, um Drohnenbilder von Küstenabschnitten so aufzubereiten, dass eine KI sie auswerten kann. Die MIDA-Technik schickt Licht in verschiedenen Wellenlängen ins Wasser, Fluid Lensing rechnet Verzerrungen durch Wasserbewegung in Echtzeit heraus.
Die klareren Bilder wertet eine KI aus, die auf Strukturen von Bomben und Munition trainiert ist und diese von natürlichen Formen unterscheidet, selbst wenn Sediment oder Bewuchs sie bedecken. Erste Tests verliefen erfolgreich. Nun wollen die Forscher tiefere und trübere Gewässer erproben. Das Verfahren soll die Suche beschleunigen und günstiger machen.
Einschlagskrater verraten der Forschung das Alter von Oberflächen, denn auf Himmelskörpern ohne Atmosphäre bleiben sie lange bestehen. Wer die Krater zählt, kann das Alter ermitteln. Bislang mussten Menschen sie in jahrelanger Arbeit manuell kartieren. Ein US-Forschungsteam verglich acht KI-generierte Kraterkataloge des Mondes mit einem von Hand erstellten Katalog.
Das Ergebnis ist ernüchternd. Auf den ersten Blick halten die KI-Kataloge mit, doch bei genauerem Hinsehen sind sie deutlich ungenauer. Die eingezeichneten Kreise sind teils zu groß, zu klein oder verrutscht, was die Altersbestimmung verfälscht. Je nach Kratergröße kommt die KI mal gut, mal schlecht zurecht. Die Forscher halten die Technik grundsätzlich für geeignet, mahnen aber, ihre Schwächen zu beachten und das Training anzupassen.
(mali)
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