Über einen CDU-Bildungsminister, der nichts schönzureden versucht
Schulbücher sind vorhanden, doch es mangelt an Lehrkräften.
Foto: dpa/Sebastian Christoph Gollnow
Die wichtigste Aufgabe eines brandenburgischen Bildungsministers ist es, die miserable Lage an den Schulen des Landes schönzureden, für schlechtes Abschneiden bei Leistungsvergleichen faule Ausreden zu erfinden und Lehrern Maulkörbe zu verpassen, damit niemand den Blick durch die rosa Brille verdirbt. Die sieben Bildungsminister der SPD, die seit 1994 in Brandenburg im Amt waren, haben das alle mehr oder weniger mustergültig erledigt.
Nun ist seit März mit Gordon Hoffmann erstmals ein CDU-Politiker für das Bildungsressort verantwortlich – und verblüfft mit schonungsloser Ehrlichkeit. Ganz kommt er nicht los vom Politikersprech, wenn er beispielsweise vom Anpassen der Stundentafel spricht, wo Kürzen das treffendere Wort wäre. Aber insgesamt redet Hoffmann Klartext, und das ist erfrischend. Er gibt auch zu, dass kein Problem allein dadurch gelöst ist, dass es endlich offen angesprochen wird. Aber es ist zumindest ein erster Schritt.
Insofern ist es halb richtig und halb falsch, wenn der Landtagsabgeordnete Falk Peschel (BSW) urteilt: »Vom erhofften Aufbruch nach dem Wechsel im Amt ist nichts zu spüren, stattdessen erleben wir weiterhin die bloße Verwaltung des Mangels und des vorletzten Platzes im Bildungsranking.« Nach Einschätzung von Peschel besteht das Kernproblem aktuell darin, »dass die benötigten Lehrkräfte auf dem Markt schlicht nicht vorhanden sind«. Blind gegen dieses seit zwei Jahrzehnten abzusehende Problem ist die Politik in diese Situation gestolpert.
Nun lässt sich mit perspektivisch wieder sinkenden Schülerzahlen die nächste Herausforderung erkennen: Werden in dünn besiedelten Gegenden Schulen geschlossen oder beispielsweise als Gemeinschaftsschulen so gestaltet, dass sie wohnortnah erhalten bleiben können? Es ist fraglich, ob ein CDU-Bildungsminister wie Gordon Hoffmann die Gymnasien anzutasten wagt, obwohl er diesem Gedanken ehrlicherweise nahetreten müsste. Die Grünen-Landesvorsitzende Juliana Meyer sagt, sie erwarte von ihm »mehr innovative Ideen als die Lösungsschablonen von vorgestern«.
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