Er wuchs in der DDR auf und landete 1985 im Westen. Im KURIER-Interview blickt Bernd Stegemann auf seine DDR-Vergangenheit zurück.
Bernd Stegemann hat in seinem Leben schon viele Rollen gespielt. Doch eine Geschichte musste ihm niemand schreiben: seine eigene. Aufgewachsen in der DDR, ausgebildet im Osten, irgendwann beruflich ausgebremst und 1985 schließlich im Westen gelandet. Heute, Jahrzehnte später, blickt der Schauspieler zurück und dabei kommen Erinnerungen an Freundschaften, Zusammenhalt und eine Heimat hoch, zu der es ihn später wieder zurückzog.
Bernd Stegemann kam von Berlin nach KölnAktuell ist Stegemann als Günther Merz in der ZDF-Komödie „Merz gegen Merz“ (läuft am 20 August um 201.15 Uhr im ZDF) zu sehen. Nach zahlreichen ernsten Rollen hatte er sich genau danach gesehnt. „Ich habe in meinem Leben immer viel gearbeitet und viele Filme gemacht. In der ersten Zeit bin ich verhaftet worden, in der Folgezeit habe ich viele Leute verhaftet und bin auch ein paar Mal erschossen worden oder habe geschossen. Ich wollte einfach was Lustiges machen und habe zum lieben Gott gebetet, dass ich das machen kann“, so der Schauspieler zum KURIER.

An der Seite von Carmen-Maja Antoni spielt Bernd Stegemann in der ZDF-Serie „Merz gegen Merz“ mit.Brendan Uffelmann/ZDF
Und tatsächlich kam die Chance. „Und bumms, hatte ich ein Casting für ‚Merz gegen Merz‘ und dachte, die nehmen mich nie als Berliner und dann spielt es auch noch in Köln. Aber die haben mich genommen.“ Heute schwärmt Stegemann von der Zusammenarbeit. Aus dem Ensemble sei für ihn tatsächlich eine Art Familie geworden.
Gemeinschaft ist auch ein Wort, das immer wieder fällt, wenn Bernd Stegemann über sein früheres Leben spricht. 1970 kam er nach Brandenburg, später absolvierte er seine Schauspielausbildung an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.
Seine Erinnerungen an das Aufwachsen in der DDR fallen überraschend warm aus. „Ja, ich hatte als Kind in der DDR alles, was ich brauchte. Ich habe nie etwas mit dem Westen verglichen.“ Auch die Sehnsucht nach Dingen, die es jenseits der Grenze gab, haben ihn kaum beschäftigt.
„Weil ich wusste, dass viele dieser Wünsche, die die Leute hatten – Reisen, Stereoanlagen, ein Golf GTI und so weiter – immer auch mit Geld zu tun hatten.“ Seine Frau Renate Krößner (†75) sei durch ihn ebenfalls bereits im Westen gewesen. Für den Schauspieler stand deshalb fest: „Wenn du kein Geld hast, bist du dort noch viel schlimmer dran, als du im Osten dran warst.“
Vor allem das gemeinsame Leben am Theater ist ihm geblieben. „Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Wir haben geprobt, Theater gespielt, sind nachmittags an den Badesee gefahren. Das war alles wunderschön.“

Bernd Stegemann (l.) ca. 1995 in dem Film „Rache ist süss“.KPA/Imago
Unkritisch war Stegemann gegenüber dem DDR-System trotzdem nicht. Gemeinsam mit anderen Schauspielern wollte er etwas bewegen. Wenn er heute zurückdenkt, erinnert er sich vor allem an seine damaligen Weggefährten. „Wir wollten den Leuten zeigen, dass man es auch noch besser und anders machen kann“, erinnert er sich im KURIER.
„Es kommen nur wahnsinnig tolle Erinnerungen an tolle Leute hoch. Wir sind immer noch befreundet. Ich treffe mich immer noch mit denen, die noch leben.“ Sie seien Schauspieler gewesen, „die was erzählen wollten“. Und sie wollten „ein bisschen die eingefahrenen Wege der uralten Obrigkeit im Osten verändern“.
Dass ausgerechnet Theaterschauspieler glaubten, etwas verändern zu können, nennt Stegemann heute selbst „ein bisschen absurd“. 1985 änderte sich sein Leben grundlegend. Der Film-Star ging mit seiner Frau in den Westen. In der DDR habe seine Frau Berufsverbot gehabt, auch er selbst konnte nach eigenen Worten irgendwann kaum noch arbeiten.

Der Fernsehstar und seine Ehefrau Renate Krößner 2015 bei einer Veranstaltung.Eventpress Herrmann/Imago
„Ja, da haben sie uns endlich rausgeschmissen“, sagt er und lacht. Stegemann rechnete zunächst mit einer längeren Zeit ohne Beschäftigung. Doch es kam völlig anders. „Ich hatte unheimliches Glück, weil ich nach einer Woche schon vom Düsseldorfer Schauspielhaus engagiert worden bin. Ich war natürlich ein furchtbarer Exot aus dem Osten“, freut sich der Schauspieler.
Im Westen habe er große Unterschiede zwischen Schauspielern wahrgenommen. „Im Westen ist das anders, dort konnte jeder Schauspieler sein. Deshalb ist es auch so ein unheimliches Gefälle zwischen Schauspielern, wie ich finde.“
Seinen eigenen Erfolg führt der TV-Star auch auf seine Ausbildung und die vielen Jahre am Theater zurück. Nicht jede Begegnung im Westen habe ihn überzeugt. „Ich habe im Westen ein paar nicht so erfreuliche Dinge mit Menschen erlebt, die dachten, wie wunderbar sie sind, aber dann gar nicht so wunderbar waren.“
Nach zehn Jahren in Düsseldorf zog es den Schauspieler schließlich zurück in den Osten. Seine Mutter und seine Freunde lebten dort, die neue Wohnung fand das Paar schließlich in Mahlow (Brandenburg). „Das hat sich gut so angefühlt. Und ich bin heute noch sehr glücklich hier zu leben.“
Dass er sich dem Osten noch immer verbunden fühlt, macht Stegemann deutlich. „Es ist traumhaft. Leipzig ist wahnsinnig toll. Diese ganzen Ost-Städte sind es. Ich war erst kürzlich wieder in Dresden. Da bin ich immer glücklich.“

Bis heute lebt Bernd Stegemann in Brandenburg. Den Osten hat er also nie ganz verlassen.Matthias Wehnert/Imago
Gleichzeitig sieht er, wie enorm sich seine alte Heimat verändert hat. Besonders Berlin-Rummelsburg ist ihm in Erinnerung geblieben. Dort besuchte er einst die Berufsschule, als er noch Werkzeugmacher lernte. Das damalige Gefängnis habe die Gegend für ihn zu einem beklemmenden Ort gemacht. Als er später wiederkam, war vieles kaum wiederzuerkennen. „Ich bin über diese enorme Veränderung ganz begeistert gewesen.“
Und auch beruflich ist Bernd Stegemann noch nicht fertig. Zwar will er inzwischen kürzertreten, doch einen Wunsch hat er: „In der Hoffnung, dass wir vielleicht nochmal ‚Merz gegen Merz‘ nächstes Jahr drehen.“ Seine Wurzeln aber liegen unabhängig davon dort, wo alles angefangen hat – im Osten.
Wie blicken Sie heute auf Ihr Leben in der DDR zurück? Können Sie die positiven Erinnerungen des Schauspielers nachvollziehen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com
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