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FKK-Verbot in der DDR: Die kuriose Geschichte

Дата публикации: 22-08-2026 07:22:51

In der DDR war Nacktbaden zwei Jahre lang komplett verboten, bis die Parteiführung 1956 aufgab. Die kuriose Geschichte des FKK-Verbots.

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In der DDR war FKK verboten! Dabei dachte man bisher, dass im Osten die Urlaube an der Ostsee mit Nacktbaden so selbstverständlich waren. Doch die Herrschenden im SED-Politbüro waren prüde, wie längst vergessene Dokumente belegen.

Zwei Jahre galt ein Verbot

Eines dieser Dokumente ist ein Gesetz. Eine Freibadeverordnung, die vor 70 Jahren im Sommer 1956 erlassen wurde und heute längst in Vergessenheit geraten ist.

Sie erlaubt ausdrücklich das „Baden ohne Badebekleidung (Wasser-, Luft- und Sonnenbaden)“. Und zwar an Orten, „die ausdrücklich dafür von den zuständigen örtlichen Räten freigegeben und entsprechend gekennzeichnet sind“. So entstanden in der DDR an der Ostseeküste die FKK-Strände, von denen es am Ende über 60 gab.

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Was noch mehr in Vergessenheit geraten ist: Warum es dieses Gesetz vor 70 Jahren überhaupt in der DDR geben musste. Ob man es glauben will oder nicht: In der DDR war tatsächlich zwei Jahre zuvor, also 1954, das Nacktbaden verboten worden.

Im Sommer 1955 mussten Ostsee-Urlauber vom Rat des Bezirks Rostock daran erinnert werden, „dass das Nacktbaden und die sogenannte Freikörperkultur an der gesamten Ostseeküste untersagt sind“.

<a href="https://www.berliner-kurier.de/ddr/geheimnis-der-mokka-milch-eisbar-ddr-wollte-buerger-vom-trinken-abhalten-li.10292168">FKK war in der DDR eigentlich beliebt.</a> Sogar Bücher und Reiseführer gab es – Jahre nach dem Verbot.

FKK war in der DDR eigentlich beliebt. Sogar Bücher und Reiseführer gab es – Jahre nach dem Verbot.Karina Hessland/imago

Was war geschehen? Die DDR ist kaum ein paar Jahre alt, da geht Anfang der 50er-Jahre schon die Freikörperkultur im Arbeiter-und-Bauern-Staat los.

Mit unbekleidetem Körper die Freiheit der Natur genießen: Das war keine Erfindung der DDR, einem Land, in dem bald viele Freiheiten verboten wurden. Mit der Freikörperkultur begann es schon in den 1920er-Jahren in Berlin.

Der Berliner Adolf Koch verbindet in seiner 1923 gegründeten Körperkultur-Schule Nacktheit mit Gesundheit und Arbeiterbewusstsein und sieht Scham als ein den Herrschenden nützliches „künstliches Minderwertigkeitsgefühl“. Das wäre doch ganz im Interesse der DDR gewesen. Ist es aber nicht.

Ausgerechnet der Mann hinter der DDR-Hymne schaut hin

Das nackte Treiben an der Ostseeküste: Vor allem der Darß gerät in das Visier der SED-Moralisten. Zu ihnen zählt Johannes R. Becher (1891-1958), der erste DDR-Kulturminister und Dichter der DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“.

Er gehört auch zu den Staatsmännern, Künstlern und Wissenschaftlern der Deutschen Demokratischen Republik, die die in den 20er-Jahren gegründete Künstlerkolonie Ahrenshoop zu ihrem elitären Ferienort erklären. Dort wollen sie, abgeschottet vom gemeinen Volk, an der Ostsee Urlaub machen.

Johannes R. Becher  genoss sein Ferienidyll in Ahrenshoop. Die Nackten am Strand waren dem Dichter der DDR-Hymne ein Dorn im Auge.

Johannes R. Becher genoss sein Ferienidyll in Ahrenshoop. Die Nackten am Strand waren dem Dichter der DDR-Hymne ein Dorn im Auge.Akademie der Künste Berlin

Doch das gemeine Volk zeigt sich am Strand hüllenlos. Was Johannes R. Becher da zu sehen bekommt, gefällt ihm überhaupt nicht. „Schont die Augen der Nation“, mahnt er vor dem nackten Treiben an der Ostsee.

Das Schlimme: Unter den Nackedeis sind auch Parteigenossen. Der Innenminister Willi Stoph reagiert und erlässt 1954 für die gesamte Ostseeküste der DDR ein Nacktbadeverbot.

Was folgt, ist der nächste Aufstand in der DDR, der es, anders als der Aufstand vom 17. Juni 1953, nicht in die Geschichtsbücher schafft – und auch nicht blutig endet. Dabei ist die Rebellion der Nackten auch nicht  ohne.

Mit Baströckchen gegen das Verbot

So halten FKK-Fans in Prerow sogenannte Kamerun-Feste ab. So heißt ein Strandabschnitt, der von Einheimischen nach dem afrikanischen Staat benannt wurde.

Bei diesen Spektakeln können sich Nacktbader zeigen, ohne wirklich nackt zu sein. Man trägt Baströckchen und Muschelketten, bemalt die nackten Körper, führt Tänze auf.

Und die Staatsmacht sieht ohnmächtig zu. Vor allem die Volkspolizei ist machtlos. Zeigen sich Ordnungshüter am Strand, springen die Nacktbader in ihrer wilden Kostümierung ins Wasser.

Mit Bastrock und Bemalung auf nacktem Körper: So feierten FKK-Anhänger das Kameruner Fest am Ostseestrand voon Prerow.

Mit Bastrock und Bemalung auf nacktem Körper: So feierten FKK-Anhänger das Kameruner Fest am Ostseestrand voon Prerow.Facebook "DDR Erinnerungen"

DDR-Polizeichef Karl Maron bringt das auf die Palme. Laut Dokumenten notiert er 1954 im Sprachgebrauch der damaligen DDR-Führung: „Die Kameruner Feste stellen in höchstem Maße eine Schmähung der Sitten und Gebräuche der Negervölker dar.“ Aufs Gröbste werde an der Ostsee der „Erholungsaufenthalt der Werktätigen“ verletzt.

1956: Die Blamage vor der Weltpresse

Tatenlos muss die Obrigkeit auch zusehen, wie an den Stränden der Ostsee immer wieder die Verbotsschilder von FKK-Anhängern beseitigt werden. Und die Nudisten bekommen ungewollt Unterstützung aus der Hauptstadt.

Als in Zeesen bei Berlin die Polizei gegen Nacktbader einschreitet, trifft sie auf unbekleidete Volkspolizei-Offiziere und Staatsanwälte. Auch so mancher SED-Funktionär bekundet seine Solidarität mit den Nacktbadern.

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Am Ende gibt die DDR-Führung auf. Im Juni 1956 wird das FKK-Verbot aufgehoben. Dennoch muss die DDR-Führung Spott dafür erfahren.

Denn mit dem neuen Gesetz, das nun Nacktbaden an ausgewiesenen Orten erlaubt, macht die ganze FKK-Posse made in GDR weltweit ihre Runde. Die New York Times titelt in ihrer Ausgabe vom 8. Juni 1956: „Ostdeutsche verbieten Nudismus“.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com

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