WBM überarbeitet die Abriss-Ausschreibung für das SEZ in Friedrichshain: Ein kompletter Abriss des DDR-Kultbads ist wohl vorerst vom Tisch.
Auch wenn noch die Bagger am Sport- und Erholungszentrum (SEZ) rütteln: Das einstige DDR-Kultbad an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain soll offenbar doch nicht komplett abgerissen werden. Die zuständige Wohnungsbaugesellschaft WBM ändert gerade die Ausschreibung für den Rückbau des SEZ. Wie ein Sprecher dem KURIER bestätigt, wird diese gerade überarbeitet.
Überraschende Änderung vier Wochen vor der WahlVier Wochen vor der Berlin-Wahl scheint sich eine kleine Sensation anzubahnen. Offenbar will Bausenator Christian Gaebler (SPD) nicht das ganze SEZ für den Bau von mehr als 500 Wohnungen an der Landsberger Allee opfern. Ob die Kehrtwende an den laut aktuellen INSA-Umfragen schlechten Werten für die SPD (15 Prozent, Platz 5) liegt?
Fakt ist: Aus Senatskreisen und aus dem Ressort des Bausenators sickerte durch, dass die WBM die Ausschreibung für einen Totalabriss des SEZ zurückgezogen habe. Es gebe damit weder eine Ausschreibung noch Aufträge für Abrissarbeiten. Das käme einer Sensation gleich, wenn das stimmt.
Daher fragte der Berliner KURIER bei der WBM nach, ob das Wohnungsbauunternehmen die Ausschreibung für einen Totalabriss des SEZ zurückgezogen hat. Die Antwort von Sprecher Matthias Borowski: „Die Ausschreibung der Rückbauleistungen wird derzeit überarbeitet. Entsprechend ist eine Beauftragung für den vollständigen Rückbau des ehemaligen SEZ bislang nicht erfolgt.“
Warum Änderungen in der Abriss-Ausschreibung?Warum wird die Ausschreibung geändert, die eigentlich einen kompletten Abriss des SEZ vorsah? „Bei einer Baumaßnahme dieser Größenordnung und Komplexität gehört es zu einer sorgfältigen Projektentwicklung, die Rahmenbedingungen und insbesondere die Baulogistik fortlaufend zu überprüfen und unterschiedliche Umsetzungsvarianten zu verproben“, sagt der WBM-Sprecher.
Er erklärt weiter: „Vor diesem Hintergrund erfolgt derzeit eine entsprechende Variantenanalyse. Auf dieser Grundlage wird anschließend das weitere Vorgehen im Vergabeverfahren intern festgelegt.“

Ein Bagger vor dem SEZ an der Berliner Landsberger Allee: Offenbar soll das DDR-Kultbad doch nicht komplett abgerissen werden.BI "SEZ für ale"
Zwischen den Zeilen könnte das nichts anderes bedeuten, als dass nun der Bausenator und die WBM ihre Ankündigungen umsetzen. Gaebler hatte im Juni auf einer Ausschusssitzung eingeräumt, dass das bisherige Abriss-Verfahren keine optimale städtebauliche Lösung liefert.
Er kündigte an, mit der WBM zu prüfen, ob der zentrale Gebäudeteil des SEZ mit seiner markanten Dachkonstruktion erhalten und in den geplanten Wohnungsneubau integriert werden kann. „Dabei bleibe es auch“, hieß es aus der Senatsbauverwaltung vergangene Woche.

Bausenator Christian Gaebler (SPD).Jörg Carstensen/dpa
Der Grund für die Aussage waren erneute Baggerarbeiten vor dem SEZ – trotz eines Baustopps, wie der KURIER berichtete. Bürgerinitiativen und auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg befürchteten, dass noch vor den Berlin-Wahlen Fakten geschaffen werden.
„Aktuell führen wir keine Maßnahmen durch, die einem teilweisen oder vollständigen Erhalt des Objektes entgegenstehen“, sagte damals WBM-Sprecher Matthias Borowski auf KURIER-Anfrage. Bei den Arbeiten soll es sich um die Schadstoffsanierung im nördlichen Bereich der Schwimmhalle handeln.
Von der offensichtlichen Kehrtwende sind auch die Mitglieder der Bürgerinitiative „SEZ für alle“ überrascht. „Es ist unglaublich, dass der Komplettabriss vom Tisch ist“, sagt Sprecherin Susanne Lorenz dem KURIER. „Auf der anderen Seite wissen wir allerdings nicht, was nach dem Überarbeiten der Ausschreibung vom SEZ übrig bleiben wird.“
Die Sprecherin der Bürgerinitiative fordert daher ein „transparentes Verfahren“ vom Senat und der WBM: „Wir wollen ein Verfahren, an dem auch Bürger und Experten mit ihren Vorschlägen und Ideen berücksichtigt werden.“
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