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Erik Spiekermann: Typograf von BVG und Deutscher Bahn im Interview

Дата публикации: 28-06-2026 05:29:19

Der Typograf Erik Spiekermann gestaltet seit Jahrzehnten Schriften, ob für die Berliner BVG oder Deutsche Bahn. Ein Gespräch über Lieblingsbuchstaben, gemütliche und laute Schriften.


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Typograf Erik Spiekermann "Das a sieht wie ein kleines Männlein mit einem Kopf und einem Bauch aus"

Der U-Bahnhof Rathaus Spandau in Berlin. (Quelle: picture alliance / Schoening)
Der U-Bahnhof Rathaus Spandau in Berlin. (Quelle: picture alliance / Schoening)

Er hat zahlreiche Schriften für Unternehmen entwickelt, unter anderem für die Berliner BVG und die Deutsche Bahn - der Typograf Erik Spiekermann gestaltet seit Jahrzehnten unsere Umwelt. Ein Gespräch über Lieblingsbuchstaben, gemütliche Schriften und Lesbarkeit.

rbb: Herr Spiekermann, haben Sie einen Lieblingsbuchstaben? Und wenn ja, welchen und warum?

Erik Spiekermann: Ja, natürlich: das a [Anm. d Redaktion: gemeint ist der Kleinbuchstabe]. Es ist der erste Buchstabe im Alphabet und der schönste. Das a sieht eigentlich aus wie ein kleines Männlein mit einem Kopf und einem Bauch.

Mit dem Buchstaben kann man sehr viel formen, zum Beispiel mit einem kleinen Schweif unten rechts. Auch das E oder das kleine g bieten sich gut an.

Bei einem n beispielsweise gibt es nicht so viel Möglichkeiten - das sind zwei Striche mit einer Rundung dazwischen. Das a begegnet mir wie ein Freund.

Zur Person Erik Spiekermann bei der Digital-Life-Design Konferenz. (Quelle: picture alliance/Robert Schlesinger)

Erik Spiekermann (1947 in Stadthagen geboren) ist Schriftgestalter, Typograf und Autor. Er studierte Kunstgeschichte in Berlin. Spiekermann entwarf Dutzende Schriften und Corporate-Design-Systeme unter anderem für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Deutsche Bahn, Bosch. Zu seinen bekanntesten Kreationen zählen die FF Meta, ITC Officina, Fira Sans und FF Unit. Seit 2013 betreibt Spiekermann die Buchdruckwerkstatt p98a in Berlin.

rbb: Sie bezeichnen sich selbst als Typoman. Wie haben Sie Ihre Leidenschaft dafür entdeckt?

Spiekermann: Neben meinem Elternhaus in Stadthagen bei Hannover befand sich eine Druckerei, wo ich viel Zeit als Kind verbracht habe – und praktisch groß geworden bin. Mein Vater war Fernfahrer und viel unterwegs. Meine Mutter musste sich um meine drei Geschwister und mich kümmern und arbeiten. Ich erinnere mich noch sehr an diese Geräusche. Und der Inhaber der Druckerei hat mir immer kleine Papierschnipsel gegeben, lange schmale Streifen, die abgeschnitten wurden. Auf denen habe ich gezeichnet - meistens Lastwagen mit Anhängern.

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"Theodor-Heuss-Platz" ist ein ziemlicher Trümmer, den man unterbringen muss. Und es gibt noch längere Straßennamen.

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Erik Spiekermann

rbb: Sie haben unter anderem die Schriften für die BVG und die Deutsche Bahn entworfen. Worauf kam es dabei an?

Spiekermann: Um es gleich vorwegzunehmen, die Schrift der BVG ist eine abgewandelte Frutiger eines französischen Kollegen [Anm. d. Redaktion: Es handelt sich um eine serifenlose Linear-Antiqua-Schrift, die 1975 von Adrian Frutiger entworfen wurde], die wir dem Zweck angepasst haben mit seiner Einwilligung. Wir haben sie schmaler gemacht, weil beispielsweise "Theodor-Heuss-Platz" schon ein ziemlicher Trümmer ist, den man unterbringen muss. Und es gibt noch längere Straßennamen. Und wir haben sie ein bisschen lesbarer gemacht, der i-Punkt ist rund geworden anstatt eckig, verschiedene Strichstärken wurden angepasst, die man auf Bildschirmen oder auf Anzeigen am Zug lesen können muss.

rbb: Vor allem der DB-Schriftzug wirkt gemütlich und rundlich. War das eine bewusste Entscheidung?

Spiekermann: Bei der Bahn haben wir ganz von vorne angefangen. Das war, glaube ich, 2003 - fertig waren wir 2008. Damals war der ICE noch relativ neu, und ich dachte zunächst: Die Bahn ist schick, modern, technisch. Ein Kollege meines Teams entwarf eine Schrift, die zum Zug passte: breit, langgezogen, sehr technisch. Auf den ersten Blick fand ich sie gelungen. Aber die Schrift war zu modisch, zu stark auf den ICE zugeschnitten. Das hätte nicht funktioniert.

In Absprache mit dem Auftraggeber habe ich mich noch einmal neu drangesetzt und mich gefragt: Was braucht die Bahn wirklich? Die Schrift muss auf Fahrplänen funktionieren, auch im Kleingedruckten. Man steht irgendwo im Regen, hat es eilig, das Licht ist schlecht – trotzdem müssen die Informationen gut lesbar sein.

Wir lesen am meisten und am besten Schriften mit Serifen, also mit den kleinen Strichen, die man aus Zeitungen und Büchern kennt. Deshalb hat die Schrift vielleicht etwas Gemütliches. Das soll so sein – trotz der Geschwindigkeit.

rbb: Sie entwickeln Schriften und Leitsysteme in einem Team. Wie lange dauert so ein Prozess?

Spiekermann: Ich gehe immer relativ analytisch vor. 1985 hatte ich beispielsweise für die Deutsche Bundespost eine Schrift entworfen. Dafür habe ich mir Telefonbücher unter anderem aus Holland, Italien, Frankreich, Schweden und Deutschland angeguckt und analysiert. Ungefähr 20 Schriften habe ich mir insgesamt angesehen. Das war schon eine halbe Wissenschaft. Letztendlich wurde die Schrift aber nicht genommen.

Heutzutage ist alles viel einfacher - dafür muss ich aber auch wesentlich mehr machen. Ich muss sehr große Alphabete zeichnen, weil es nicht nur um Deutsch dabei geht. Und ich muss immer noch eine fette, eine halbfette, eine kursive und so weiter Variante machen. Nach der Skizzenphase unterstützt mich mein Team - weil ich erstens faul bin und zweitens gerne mit Leuten zusammenarbeite. Mein Team kann digital einfach mehr machen kann. Das, wofür ich früher zwei Wochen gebraucht habe, erledigt es zum Teil in zwei Tagen.

rbb: Wenn Sie an der BVG vorbeifahren - an Ihren Schriftzügen: Sind Sie da auch ein bisschen stolz?

Spiekermann: Wenn ein gelber Doppeldeckerbus vorbeifährt, macht mich das schon sehr stolz. Das ist Berlin für mich. Das definiert Berlin, so wie die roten Busse London oder die gelben Taxis New York definieren.

Ansonsten genieße ich diesen Rumpelstilzchen-Moment. Wenn ich zum Beispiel Dinge mit meiner Schrift sehe, sage ich mir immer: Ach wie gut das keiner weiß, dass ich das gemacht habe. Das finde ich viel besser, als wenn man drauf schaut und weiß: 'Spiekermann hat das gemacht'. Das ist ja langweilig.

Denn ich bin ja kein Künstler, ich will ja nicht berühmt werden. Ich will Arbeit machen, die Leute nutzen. Darüber hinaus ist es unsere Pflicht, einen ästhetischen Mehrwert zu schaffen. Auch der Fahrplan hat eine gewisse Ästhetik. Das ist meine Aufgabe - natürlich muss alles funktionieren, aber es muss auch schön sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Text ist eine gekürzte und redaktionell bearbeitete Fassung. Das Original-Audio können Sie oben im Player nachhören.

Sendung: rbb24 Inforadio, 20.06.2026, 17:05 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 20.06.2026, Anke Burmeister im Gespräch mit Erik Spiekermann

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