Die Aktienkurse sind seit Tagen auf Berg- und Talfahrt. Viele Anleger sind verunsichert. Stiftung-Warentest-Finanzexperte Thomas Krüger sagt, was jetzt wichtig ist.
Wohin man an den Weltbörsen derzeit schaut – überall sinken die Kurse. Grund ist die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, hohe Zölle auf Einfuhren aus fast allen Ländern der Welt zu erheben. Die Gewinnaussichten vieler Unternehmen haben sich dadurch drastisch verschlechtert. Investoren stoßen daher Aktien ab, die Kurse fallen. Wie sollten Privatanleger reagieren? Antworten auf fünf Fragen.
Thomas Krüger, Finanzexperte der Stiftung Warentest, erklärt, wie Privatanleger sich in dieser Situation verhalten sollten – und wie er die Aussichten für die Zukunft einschätzt. © privat
Die Börsen stürzen ab – sollte ich jetzt besser sofort alles verkaufen?Wer langfristig anlegt, sollte jetzt die Nerven behalten. Es stimmt zwar: Wer jetzt verkauft, kann weitere Verluste vermeiden – vorausgesetzt, die Märkte fallen tatsächlich noch weiter. Doch es ist äußerst schwierig, den richtigen Wiedereinstiegszeitpunkt zu treffen. Vielleicht kündigt Trump schon morgen eine Pause bei den Strafzöllen an – und die Kurse steigen sprunghaft. Wer dann nicht investiert ist, verpasst den Aufschwung. Sind Sie langfristig in Aktienfonds investiert, ist es meist besser, Ruhe zu bewahren und Rückschläge auszusitzen.
Ich habe aber seit Freitag kein Auge zugetan. Kann ich nicht irgendwas unternehmen?Schauen Sie sich Ihr gesamtes Portfolio an – nicht nur die Entwicklung Ihrer Aktienfonds. Der Sinn von Mischportfolios, etwa mit Tagesgeld oder Geldmarktfonds, liegt darin, das Gesamtrisiko zu reduzieren. Wer das von der Stiftung Warentest entwickelte Pantoffel-Portfolio mit 75, 50 oder 25 Prozent Aktienanteil hat, spürt einen Crash entsprechend abgeschwächt.
Überprüfen Sie auch Ihren Anlagehorizont: Wenn Sie noch viele Jahre Zeit haben, können Sie den Abschwung aussitzen. Langfristige Investments in Aktienfonds lohnen sich trotz zwischenzeitlicher Rückgänge – das zeigen die Daten. Wenn Ihre Anlagedauer aber bald endet und Sie das Geld brauchen, kann ein Verkauf oder Teilverkauf sinnvoll sein.
Ein Beispiel: Wer seit zehn Jahren weltweit gestreut in Aktien-ETFs investiert ist, hat (Stand: 4. April 2025) trotz aller Rückschläge im Schnitt rund 9 Prozent Rendite pro Jahr erzielt – das entspricht einem Zuwachs von etwa 137 Prozent. Dieser Gewinn wird nach dem heutigen Tagesverlust nun schrumpfen, wenn Sie verkaufen, bleibt aber trotzdem deutlich positiv.
Ich habe einen ETF-Sparplan. Soll ich den jetzt stoppen?Nein, bitte nicht! Gerade wenn Sie sich noch in der ersten Hälfte Ihres Sparplans befinden, profitieren Sie vom Abschwung – Sie kaufen günstig nach. Wenn Ihr Sparplan schon länger läuft, gelten die Empfehlungen aus Frage 2: Ruhe bewahren, langfristig denken.
Mein Nachbar meint, gerade jetzt müsste man Aktien kaufen – ist das eine gute Idee?„Kaufen, wenn alle verkaufen“ – dieser antizyklische Ansatz war in der Vergangenheit häufig erfolgreich. Wir verfolgen diesen Ansatz auch im Rahmen unserer Pantoffel-Portfolios.
Das gilt allerdings vor allem für breit gestreute Aktieninvestments, etwa über ETF – weniger für Einzelaktien, bei denen das Risiko deutlich höher ist. Wer jetzt kauft, sollte sich trotzdem bewusst sein: Es kann noch weiter bergab gehen, bevor es wieder aufwärts geht. Den perfekten Einstiegszeitpunkt erwischt man selten.
Gehen die Börsen denn garantiert wieder nach oben – oder bleibt das jetzt so?Eine Garantie gibt es bei Aktien nicht. Die Börsen haben sich nach jedem Crash bislang erholt – aber das kann dauern. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 brauchte der MSCI World Index, das Börsenbarometer für globale Aktienmärkte, rund 13 Jahre, um wieder alte Höchststände zu erreichen. Zwischendurch waren Verluste von bis zu 60 Prozent möglich. Trotzdem: Langfristig gesehen haben sich globale Aktienmärkte bislang immer wieder nach oben entwickelt. Wer investiert bleibt, hat gute Chancen – aber eben keine Sicherheit.
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