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GSC Medical Anleihe: Vorsicht vor der Green Solutions Gruppe

Дата публикации: 17-08-2026 06:53:20

Die Green Solutions Capital GmbH verspricht mit Anleihen in Medizin­technik hohe Renditen. Das Angebot wirft viele Fragen auf. Die Gruppe steht auf unserer Warn­liste.

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In der Werbung ist die Welt in Ordnung: Die Green Solutions Gruppe präsentiert sich in einer Broschüre unter der Marke „GSC Medical“ als banken­unabhängiger, erfahrener Spezialist für Sach­werte. Das Geld der Anleger fließe in „reale Werte, keine Spekulation“ – in greif­bare Medizin­technik wie MRT-Systeme und Versorgungs­zentren, die die Broschüre der Gruppe aufgrund einer alternden Bevölkerung als „politisch, demogra­fisch und technologisch“ gesicherten und „krisen­festen“ Markt bewirbt.

Weil Gesundheit „keine Ermessens­entscheidung“ sei, verspreche dieser Bereich eine „Bodenhaftung“, die spekulati­vere Anlagen nicht erreichten; das Kapital fließe in Güter mit „nachgewiesener“ Substanz. Die Gruppe verschickt Werbung an Interes­sierte, die sich über die Website melden. „Exklusiv für Sie reser­viert“ seien die Unterlagen, schreibt Geschäfts­führerin Camelia Simion an einen Interes­senten. Beigelegt waren ein Zeichnungs­schein und die Anleihebedingungen für die GSC Medical Anleihe 2026 der Green Solutions Capital GmbH: 9,25 Prozent Zinsen jähr­lich, Mindest­anlage 10 000 Euro, unbe­grenzte Lauf­zeit, Gesamt­volumen bis zu vier Millionen Euro. Man möge unter­schreiben und über­weisen, wegen „Verzögerungen bei der Post“ gern auch per E-Mail zeichnen.

Geschäfts­anschrift ohne eigenes Büro

Emitten­tin der GSC Medical Anleihe ist die Green Solutions Capital GmbH, Tuchlauben 7a in Wien – eine Adresse, an der ein Business-Center Geschäfts­anschriften ohne eigenes Büro vermietet. Ideal für Brief­kastenfirmen. Auf Anfrage heißt es, dass eine Geschäfts­adresse ohne physisch ansässigen Sitz vor Ort bei digitalen Geschäfts­modellen etabliert sei. Auf Rück­fragen wird ergänzt, man arbeite vorwiegend im Homeoffice. Gegründet im August 2024, gehört die Gesell­schaft zur Green Solutions Gruppe um die Green Solutions Wealth Creation GmbH (Frank­furt, 2022) und die Green Solutions Holding GmbH (Wien, 2024). Die Stiftung Warentest warnt seit dem Juli 2025 vor den Firmen der Gruppe, eine Anfrage blieb damals unbe­antwortet.

Alleinige Geschäfts­führerin aller Gesell­schaften ist Camelia Simion. Die Gruppe wirbt mit „über 25 Jahren Erfahrung“ – dabei existiert die älteste Gesell­schaft laut Registern erst seit November 2022. Simion erklärt die Angabe mit der „Summierung der jeweiligen Branchen­erfahrung der beteiligten Mitarbeiter“. Auffällig dabei ist, dass Emitten­tin und Holding keine Mitarbeiter namentlich angeben und deren Geschäfts­führerin Simion 1985 geboren wurde. Angaben zum beruflichen Hintergrund von Mitarbeitern könne sie „aus Gründen des Daten­schutzes“ nicht mitteilen, teilt Simion mit. Auch zu ihrer Qualifikation äußerte sie sich nicht.

Werbung wider­spricht Wirk­lich­keit

Die Werbung verspricht Investments in Medizin­technik. Der Zeichnungs­schein beschreibt die Haupt­tätig­keit der Gesell­schaft jedoch anders als die Broschüre: Der Fokus liege auf „Investitionen in Bestands­immobilien“, die man einkaufen, optimieren und wieder veräußern wolle. Von Medizin­technik ist an dieser Stelle keine Rede. Auch die Broschüre wirft Fragen auf: GSC Medical investiere „ausschließ­lich in Medizin­technik-Projekte mit nachgewiesener Substanz und geprüfter Ertrags­stärke“ – ausgewählt aus „~500“ Projekten, von denen „weniger als 10 %“ ins Portfolio kämen.

Jahres­abschluss mit null Anlage­vermögen

Angesichts der Betonung von Sach­werten auffällig: Der Jahres­abschluss zum 31. Dezember 2024 weist ein Anlage­vermögen von 0,00 Euro aus; zum Stichtag habe „noch kein operativer Geschäfts­betrieb“ bestanden, da die Gesell­schaft erst 2024 gegründet worden sei. Die „geprüfte Ertrags­stärke“, so Simion, beziehe sich „auf bereits getätigte Investments“ – die jedoch die Bilanz nicht ausweisen. Inzwischen sei der Geschäfts­betrieb ange­laufen. Laut Anhang soll „bereits ab dem Jahr 2027“ ein positives Ergebnis erzielt werden. Die zugrunde liegende Planungs­rechnung legte sie trotz Bitte nicht vor. Auch wer die ausgewiesenen Darlehen über 261 260 Euro erhalten hat und zu welchen Konditionen, teilt sie nicht mit – aus Gründen des Geschäfts­geheim­nisses und des Daten­schutzes. Auch die Konzern­mutter Green Solutions Holding GmbH wies im Abschluss 2024 ein negatives Eigen­kapital aus (minus 12 341 Euro). Bei der Green Solutions Wealth Creation GmbH war das Eigen­kapital 2023 voll­ständig aufgezehrt, 2024 weist sie 35 340 Euro aus. Die Green Solutions Capital GmbH bezeichnet sich auf ihrer Website als „verläss­licher Partner für substanz­orientierte Investitionen“. Dem stehen zum Ende 2024 Verbindlich­keiten in Höhe von 306 401 Euro und ein negatives Eigen­kapital von 38 098 Euro gegen­über, bei 12 035 Euro Bank­guthaben. Im Anhang des Jahres­abschlusses beschreibt die Gesell­schaft ihr Geschäfts­modell: Sie finanziere sich „aus der Zins­differenz zwischen gegebenen Darlehen und erhaltenen Nach­rangdarlehen bzw. auf lange Sicht gesehen Anleihen“.

Nicht von Bafin geprüft

Keine Gesell­schaft der Green Solutions Gruppe findet sich in der Unter­nehmens­daten­bank der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Ein von der Bafin gebil­ligter Prospekt ist dort ebenso wenig auffind­bar wie ein hinterlegtes Wert­papier-Informations­blatt. Laut Zeichnungs­schein unterliegt die Emitten­tin „keiner behördlichen Aufsicht“.

Die Gesell­schaft beruft sich auf Ausnahmen der EU-Prospekt­ver­ordnung: Wer ein Angebot an weniger als 150 Anleger je Mitglieds­staat richtet, braucht kein gebil­ligtes Informations­blatt. Diese Ausnahme greift aber nur, wenn sich das Angebot an einen begrenzten, gezielt angesprochenen Kreis richtet – nicht, wenn es öffent­lich zugäng­lich ist. Eine „Bewerbung der Anleihe im Internet“ habe es nicht gegeben, teilt Simion mit; öffent­lich beworben würden nur Angebote „ab einem Anla­gebetrag von EUR 200 000,00 an qualifizierte Anleger“. Der uns vorliegende Zeichnungs­schein nennt dagegen 10 000 Euro Mindest­anlage, richtet sich an Verbraucher und enthält die dafür vorgeschriebene Widerrufs­belehrung für den Fern­absatz. Und dem Interes­senten, dessen Unterlagen der Stiftung Warentest vorliegen, wurden die Zeichnungs­unterlagen zugäng­lich, nachdem er über die Website Kontakt aufgenommen hatte.

Wie viele Personen in Deutsch­land ange­schrieben wurden – die für die Ausnahme entscheidende Zahl –, nennt Simion nicht. In einer zweiten Stellung­nahme versichert sie, dass im Kontext der Anleihe weniger als 150 und „ausschließ­lich nicht-qualifizierte Anleger“, also Privat­anleger, ange­schrieben worden seien. Ob die Ausnahme greift, ließ sich nicht über­prüfen; belegen müsste das die Gesell­schaft.

Anleger sollen zudem per Unter­schrift bestätigen, den „Prospekt“ samt Risikohin­weisen „genau und voll­ständig gelesen“ zu haben – ein Dokument, das nach Darstellung der Gesell­schaft gar nicht erstellt werden muss und das Anleger selbst anfordern müssten. Darin sieht sie keinen Wider­spruch.

Wider­sprüche in Zeichnungs­schein und Anleihebedingungen

Anschreiben und Zeichnungs­schein nennen zwei verschiedene Konten bei zwei Banken. Für die erste Zins­zahlung finden sich drei Termine – besonders wider­sprüchlich: der in den Anleihebedingungen genannte 15. Mai 2025 liegt fast ein Jahr vor dem fest­gelegten Ausgabetag 1. Mai 2026. Auch zum ersten Kündigungs­termin nennen Anleihebedingungen und Zeichnungs­schein unterschiedliche Jahre. Für eine Kündigung verlangen die Bedingungen eine „Bescheinigung der Depot­bank“, obwohl „die Verbriefung in Einzel­urkunden“ per Post kommt und kein Depot existiert. Diesen Punkt räumt die Gesell­schaft ein: Die Klausel beruhe „auf einem anwalt­lichen Versehen“, die Zeichner würden informiert. Zu den übrigen Abweichungen teilt sie mit, sie könne „keine Wider­sprüche fest­stellen“, und bittet um genauere Angaben; zwei Konten seien nicht unüblich.

Die Vorgeschichte

Laut Handels­register über­nahm Simion im April 2022 die Geschäfts­führung einer Baugesell­schaft von einem Herrn, vor dessen Firma die Stiftung Warentest 2024 warnte. Anleger meldeten dort ausgebliebene Zinsen auf Nach­rangdarlehen, der ehemalige Geschäfts­führer war nicht mehr auffind­bar. Simion erklärt, zwischen den Green-Solutions-Gesell­schaften und diesem Herrn bestünden „keinerlei geschäftliche Beziehungen“, auch sie selbst unterhalte keine.

Hinweis zur Warn­liste Geld­anlage der Stiftung Warentest

Die Warn­liste Geld­anlage listet alle Unternehmen, Geld­anlage­angebote und Dienst­leistungen der vergangenen zwei Jahre auf, die die Stiftung Warentest negativ bewertet hat. Sie lässt sich kostenlos durchsuchen. Die Warn­liste umfasst mehrere Rubriken und wird in der Regel mindestens einmal im Monat aktualisiert. Wenn zwei Jahre vergangen sind, werden Einträge gelöscht, wenn in der Zwischen­zeit nicht erneut negativ berichtet wurde. Einträge, die älter als zwei Jahre sind und ohne Folgebe­richt­erstattung blieben, sind ab dann nicht mehr auf der aktuellen Warn­liste zu finden.

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