Weniger Alkohol, Zucker oder rotes Fleisch? Was die Deutschen wirklich streichen, um gesünder zu leben – und wo der Verzicht noch längst nicht so weit geht.
Wir Deutschen gelten international als sparsam, preisbewusst und zurückhaltend beim Geldausgeben. Man könnte fast sagen: Wir sind Meister der Enthaltsamkeit. Dabei geht es uns, so will es das Klischee, nicht unbedingt um Verzicht der Gesundheit zuliebe, sondern um eine ausgeprägte Schnäppchenmentalität und Konsumzurückhaltung.
Aber wie steht es um den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, die häufig mit einem ungesunden Lebensstil in Verbindung gebracht werden? Enthalten wir uns häufiger und mehr als andere Nationen?
Wie eine neue Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) zeigt, scheint hierzulande vor allem bei Alkohol Enthaltsamkeit hoch im Kurs zu stehen. Für die Erhebung wurden repräsentativ in Deutschland, Frankreich, Schweden, Japan und den USA insgesamt 5000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt.
Demnach gaben 57 Prozent der Deutschen an, bereits weitestgehend auf Alkohol zu verzichten – der höchste Anteil unter den fünf untersuchten Ländern. Weitere 24 Prozent stuften sich zwar als weniger enthaltsam ein, können sich einen Verzicht aber in Zukunft vorstellen. Zum Vergleich: In Schweden verzichten laut der Studie lediglich 37 Prozent weitestgehend auf Alkohol, für weitere 28 Prozent ist ein Verzicht vorstellbar.
Dass gerade die Deutschen von den fünf Ländern am häufigsten auf Alkohol zu verzichten scheinen, ist bemerkenswert. Laut dem OECD-Bericht „Health at a Glance 2025“ gehört Deutschland nämlich zu den Ländern mit dem höchsten Alkoholkonsum. Insgesamt 10,6 Liter reinen Alkohol waren es demnach 2023 pro Person ab 15 Jahren – womit Deutschland weit über dem OECD-Durchschnitt liegt.
Zum Vergleich: In Schweden waren es in diesem Jahr 7,4 Liter, in Japan gerade einmal 6,7 Liter. Und sogar im Wein- und Champagnerland Frankreich waren es 0,2 Liter weniger als in Deutschland.
Bei Zucker und Salz scheint der Wille zum Verzicht hierzulande bislang weniger verbreitet zu sein. Gut jede dritte Person in Deutschland gab an, derzeit weitestgehend auf Zucker beziehungsweise Salz zu verzichten. Was der Zusatz „weitestgehend“ bedeutet, wird übrigens nicht weiter ausgeführt. Immerhin ein weiteres Drittel kann sich den Verzicht auf Zucker und Salz in Zukunft vorstellen.
Damit liegt Deutschland ungefähr auf dem Niveau von Frankreich, Japan und den USA. In Schweden verzichten aktuell gerade einmal 28 Prozent auf Zucker und nur 17 Prozent auf Salz.
Auch beim Verzicht auf bestimmte Lebensmittel scheint das skandinavische Land besonders zaghaft zu sein. Bloß jede fünfte Person schränkt in Schweden ihren Konsum von rotem Fleisch ein, für 53 Prozent ist ein Verzicht unvorstellbar. Nur Japaner halten stärker daran fest: 68 Prozent geben an, dass sie auf ihr Wagyu nicht verzichten wollen. Und in Deutschland? Hier gibt, wie auch bei Salz und Zucker, jeder Dritte an, bereits weitestgehend auf rotes Fleisch zu verzichten.
Obwohl sich 57 Prozent bei Alkohol, über 30 Prozent bei Salz und Zucker sowie bei rotem Fleisch zum Verzicht bereit erklären, gaben übrigens gerade einmal 22 Prozent der Befragten an, sehr diszipliniert zu sein, wenn es darum geht, für ein möglichst langes und gesundes Leben bewusst auf Dinge zu verzichten.
Grundsätzlich habe nämlich der Lebensgenuss einen hohen Stellenwert: 53 Prozent der Deutschen geben an, im Hier und Jetzt leben, ihr Leben genießen und sich möglichst wenig einschränken zu wollen. Also: Von wegen Meister der Enthaltsamkeit!
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