Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig. Ein Experte erklärt, was Ernährung, Bewegung und die Abnehmspritze bewirken können.
In Deutschland ist laut Statistischem Bundesamt mehr als die Hälfte aller Erwachsenen übergewichtig. Im Gespräch erklärt der Mediziner und Longevity-Experte Dr. Felix Bertram, warum das Körpergewicht mehr mit unserer Lebenserwartung zu tun hat, als viele denken, welche Messmethoden aussagekräftiger sind als der klassische BMI und warum er von der Abnehmspritze nur bedingt überzeugt ist.
Herr Dr. Bertram, inwieweit wirkt sich Übergewicht auf unsere Gesundheit und Lebenserwartung aus?
Dr. Felix Bertram: Entscheidend ist nicht nur das Gewicht an sich, sondern vor allem das viszerale Fett – also das Fett im Bauchraum. Gerade dieses Fett wirkt sich negativ auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus, begünstigt Diabetes und fördert Entzündungen im Körper. Schon eine Reduktion von zehn Prozent in diesem Bereich macht für die Gesundheit viel aus.
Der BMI galt lange als Standard, um Übergewicht zu bestimmen. Ist er noch zeitgemäß?
Er wird weiterhin verwendet, ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Das Problem beim BMI: Ein muskulöser Bodybuilder kann locker über einem BMI von 30 liegen, obwohl er kaum Körperfett hat. Aussagekräftiger ist das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße. Liegt dieser Wert unter 0,5 ist alles im grünen Bereich. Wer es noch genauer wissen will, kann einen Dexa-Scan machen. Das ist eine strahlungsarme Röntgenmethode, die Fettanteil, Muskelmasse und sogar die Knochendichte sichtbar macht.

Und wie genau sind die haushaltsüblichen Körperfettwaagen?
Die sind für den Ausgangswert oft zu ungenau, eignen sich aber gut, um einen Verlauf über die Zeit zu beobachten. Als Richtwert gilt: Bei Männern sind 10 bis 20 Prozent Körperfettanteil in Ordnung, bei Frauen, die naturgemäß einen höheren Anteil haben, 20 bis 30 Prozent. Wichtiger als der reine Wert ist aber die Stoffwechselgesundheit. Wer trotz leicht erhöhten Körperfettanteils gesunde Blutfettwerte hat und nicht an Diabetes leidet, hat mehr Spielraum.
Erhebungen zufolge liegt mehr als die Hälfte der Deutschen darüber. Warum gerät das Gewicht bei so vielen Menschen außer Kontrolle?
Das sind vor allem strukturelle Probleme. Wir essen viel hoch verarbeitete Lebensmittel, die oft mit Zucker und viel Fett zubereitet sind, aber nicht lange sättigen. Dazu kommen ständig verfügbare Süßgetränke und Snacks. In Summe nehmen wir mehr Kalorien auf, als wir verbrennen, und bewegen uns gleichzeitig immer weniger, weil wir den Aufzug statt der Treppe nehmen oder mit dem Auto bis vor die Arbeit fahren. Im Grunde ist es wie beim Geld: Ich kann nur so viel ausgeben, wie ich einnehme.
Abnehmen: Mit diesen Maßnahmen hat Felix Bertram 15 Kilo verlorenReicht es also, einfach ein Kaloriendefizit zu erzeugen?
Ganz so einfach ist es leider nicht. Wichtig ist vor allem eine proteinreiche und ballaststoffreiche Ernährung. Ballaststoffe liefern bei wenig Kalorien viel Volumen – ein bunter Teller Salat ist ein gutes Beispiel. Eiweiß wirkt ähnlich und stabilisiert zusätzlich den Blutzucker. Ich esse morgens zum Beispiel Porridge mit Eiweiß und bin dadurch bis mittags satt, was mir hilft, auf Zwischensnacks zu verzichten.

Sie selbst haben 15 Kilo abgenommen. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Am Anfang ist es nicht leicht, weil sich der Körper erst umstellen muss. Ich habe auf drei Dinge gesetzt: proteinreiche und ballaststoffreiche Ernährung, Sport und Bewegung sowie den Verzicht auf Alkohol. Wichtig ist zudem das Tempo: Man sollte nicht mehr als etwa ein Prozent des Körpergewichts pro Woche verlieren, sonst baut man zu viel Muskelmasse ab. Bei mir hat der gesamte Prozess fast anderthalb bis zwei Jahre gedauert. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen.
Braucht es zwingend Sport, um abzunehmen?
Nein, Gewichtsabnahme oder -zunahme lässt sich im Prinzip allein über die Kalorienbilanz steuern. Sport hilft aber dabei, das Gewicht zu halten, weil er den Grundumsatz erhöht, insbesondere durch Muskelaufbau. Langfristig würde ich beides kombinieren.
Abnehmspritze: Das hält der Experte von Ozempic, Wegovy und Co.Woran kann es liegen, wenn ich trotz aller Bemühungen nicht abnehme?
Dann kann tatsächlich eine medizinische Ursache dahinterstecken, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, hormonelle Probleme oder bestimmte Medikamente. Auch Fettverteilungsstörungen wie das Lipödem sollten abgeklärt werden. Dabei sammelt sich viel Fett und Lymphflüssigkeit vor allem in den Beinen an, was äußerlich wie Übergewicht wirkt, tatsächlich aber eine eigenständige Krankheit ist, die oft nicht richtig diagnostiziert wird. Betroffenen wird fälschlicherweise mangelnde Disziplin vorgeworfen, dabei können sie nichts dafür. Es gibt inzwischen darauf spezialisierte Kliniken.
Die sogenannten Abnehmspritzen wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro werden immer beliebter. Was halten Sie davon?
Die Basis sind GLP-1-Agonisten. Sie imitieren ein Sättigungshormon, verlangsamen die Magen-Darm-Entleerung, wodurch man sich schneller gesättigt fühlt und weniger isst. Ich habe selbst Erfahrung damit: Mit Ozempic hatte ich starke Nebenwirkungen und Übelkeit, mit Mounjaro hat es dagegen gut funktioniert und mir einen guten Anfangsimpuls gegeben. Setzt man das Mittel ab, muss man aber diszipliniert bleiben, denn sonst kommt das Gewicht sofort zurück. Außerdem ist das Medikament in der Regel eine Selbstzahlerleistung und sehr teuer.
Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.
Sie würden das Medikament also nicht uneingeschränkt empfehlen?
Nein. Erstens gibt es diese Präparate erst seit rund zehn, fünfzehn Jahren – wir sollten noch etwas abwarten. Zweitens bin ich kein Freund von Abkürzungen. Wer weiterhin Bier trinkt, Pizza und Eiscreme isst, wird auch mit Spritze keinen dauerhaften Erfolg haben. Ich würde immer zuerst versuchen, den Lebensstil auszuschöpfen. Es ist kein Lifestyle-Medikament für den stoffwechselgesunden Menschen mit kleinem Bäuchlein, sondern sinnvoll bei starkem Übergewicht oder ausgeprägten Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Правда ли помогает хлорофилл для похудения: что говорит наука | 0 | 5 | 12-01-2026 |
| 2 | Darf’s ein bisschen weniger sein? Worauf die Deutschen am meisten verzichten | 0 | 8.4 | 19-08-2026 |
| 3 | Tres remedios caseros adelgazantes que no funcionan... otro que sí y un quinto peligroso | 0 | 5 | 10-01-2026 |
| 4 | Why losing weight isn't just about counting calories — and what to do about it | 0 | 5 | 07-07-2026 |
| 5 | Why losing weight isn't just about counting calories—and what to do about it | 0 | 5 | 07-07-2026 |
| 6 | The 75p supplement that could turbo-charge your weight loss: Drug-free pill can mimic the effect of fat jabs by silencing food cravings | 2 | 6 | 02-07-2026 |
| 7 | Обезвоживание не дремлет. Три ошибки с рационом в жару | 0 | 8.92 | 07-08-2026 |
| 8 | Neurodermitis: Was ich mit der Abnehmspritze in der Mikrodosis erlebte | 0 | 7.84 | 14-08-2026 |
| 9 | Знаменитый певец сбросил 30 килограммов и раскрыл простой секрет похудения | 5 | 7 | 08-07-2026 |