Nicht nur Aktien werden in Fonds gebündelt. Auch Kredite, Gewerbeimmobilien und Unternehmensanleihen werden verschnürt und verkauft. Das hat Tücken.
Immer wieder erleben Anleger eine unangenehme Überraschung: Anlageprodukte, die lange Zeit solide wirkten, offenbaren plötzlich Risiken, die ihnen vielleicht nicht klar waren. Das bekannteste Beispiel sind offene Immobilienfonds.
Dahinter steht ein grundsätzliches Konstruktionsproblem: Die Vermögenswerte im Fonds sind deutlich weniger gut handelbar als das Produkt selbst. In ruhigen Marktphasen fällt das kaum auf. Gerät der Markt aber in Turbulenzen, können sich die Schwächen dieses Konstrukts schnell und schmerzhaft zeigen.
Das ist das sogenannte Liquiditätsrisiko – also die Gefahr, dass die Anlagen im Produkt nicht mehr handelbar sind und währenddessen vielleicht auch noch massiv an Wert verlieren. Dieses Risiko zieht sich in unterschiedlicher Ausprägung quer durch alle Produkttypen: Aktien, Anleihen, Fonds und ETF, Zertifikate, offene Immobilienfonds, ELTIFs und mehr. Wir erklären, worauf Anleger achten sollten.
Offene Immobilienfonds: Ein bekanntes Problem kehrt zurückOffene Immobilienfonds sorgen wieder für Aufsehen. Einige Fonds müssen die Bewertungen ihrer Immobilien nach unten korrigieren – darunter der UniImmo Wohnen ZBI und der Kanam Leading Cities. Andere Offene Immobilienfonds haben die Rücknahme von Fondsanteilen ganz ausgesetzt, siehe Wertgrund Wohnselect und Fokus Wohnen Deutschland. Wer die Finanzkrise 2008/2009 noch in Erinnerung hat, kennt solche Meldungen. Neue gesetzliche Regelungen für Offene Immobilienfonds aus dem Jahr 2014 sollten genau das verhindern – offenbar ohne Erfolg.
Das Problem: Wenn viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile zurückgeben wollen und neue Käufer ausbleiben, greift der Fonds zunächst auf seine Barreserven zurück. Sind diese erschöpft, steht vielleicht noch eine Kreditlinie zur Verfügung. Reicht auch die nicht aus, muss der Fonds Immobilien verkaufen – ein Prozess, der Monate dauern kann. Bis das geschehen ist, kann der Fonds keine Anteile zurücknehmen und muss vorübergehend schließen. Wenn er wieder öffnet, soll er mit dem neuen Geld die Rücknahmewünsche der Anleger erfüllen – in der Hoffnung, dass nicht gleich wieder weitere Anleger aussteigen wollen.
Immobilienpreise schwer zu bestimmenImmobilien sind nicht börsennotiert. Transaktionen dauern oft Monate. Solange sie nicht den Besitzer wechseln, werden Preise und Werte der Immobilien von Gutachtern geschätzt – mit allen Unsicherheiten, die das mit sich bringt. Wenn der Immobilienmarkt zudem in einer Krise steckt, bedeutet das noch mehr Unsicherheit für den Wert einer Immobilie und potenzielle Käufer können ganz ausbleiben – anders als bei Aktien, wo es auch in fallenden Märkten noch Käufer gibt. Hinzu kommt, dass Immobilien in deutschen offenen Immobilienfonds erst einmal nicht deutlich unter dem zuletzt bilanzierten Wert verkauft werden dürfen.
Vor allen anderen raus?Das führt zu einem klassischen Dilemma: Ein optimistischer Anleger mag die Bewertung der Immobilien im Fonds für realistisch oder sogar günstig halten – und den Fonds damit für attraktiv. Doch wenn er befürchtet, dass viele andere Anleger aussteigen werden, kann es trotzdem sinnvoll sein, als Erster seine Anteile zurückzugeben, bevor der Fonds vielleicht geschlossen wird. Das ist wie beim gefürchteten Bank Run, also einem Ansturm vieler Kunden auf Banken: Entscheidend ist nicht, wie es um die Bank (oder den Fonds mit illiquiden Anlagen) wirklich steht, sondern dass man fürchtet, dass auch andere Anleger ihr Geld abziehen werden. Das kann dann dazu führen, dass die Bank oder der Fonds wirklich in Schieflage gerät.
Auch bei Aktienfonds kommt es zu AussetzernAktien gelten als jederzeit handelbar. Spätestens seitdem jeder mit einem Smartphone-Broker in der Hosentasche jederzeit rein und raus aus den Aktien-ETF kann, macht sich kaum einer mehr Gedanken darüber, dass es auch anders laufen könnte. Das kommt selten vor – aber es kommt vor: Als nach den Terroranschlägen vom September 2001 viele Weltbörsen für ein paar Tage schlossen, wurde auch der Handel aller Fonds und anderer Produkte eingestellt, die einen höheren Anteil der vom Handel ausgesetzten Aktien hielten. Als Russland vom Finanzmarkt ausgeschlossen wurde, passierte das gleiche bei Fonds mit hohem Anteil russischer Aktien. Ohne Aktienpreis wird der Handel von Produkten, die sich auf diese Aktien beziehen, meist eingestellt.
Selbst die super-liquiden ETF auf breitere Indizes wie den US-amerikanischen S&P 500 wurden bereits automatisch vom Handel ausgesetzt – wegen hoher Schwankungen und Handelsaussetzungen einzelner Aktien.
Das zeigt: Steht der Wert des Basiswerts nicht fest, ist auch das darauf basierende Finanzprodukt betroffen – und wird vom Handel ausgesetzt. Aktienkurse sind meist nur kurz ausgesetzt und das Finanzprodukt kann in der Regel schnell wieder normal gehandelt werden.
Zertifikate brauchen BasiswertBei Zertifikaten ist das Problem etwas ausgeprägter als bei ETF. Der Handel in Zertifikaten ist in normalen Phasen nur so liquide, weil fast immer der Zertifikateanbieter selbst an der Börse die Gegenpartei für die Anleger ist. Wenn der Zertifikateanbieter aber nicht weiß, was sein Zertifikat gerade kostet, weil der Basiswert nicht gehandelt wird, dann wird er auch nicht mehr als Gegenpartei an der Börse auftreten und setzt das Produkt vom Handel aus. ETF hingegen können gegebenenfalls genügend Angebot und Nachfrage aufweisen, so dass Börsenkurse auch ohne Kenntnis der Aktienkurse berechnet werden können. Das ist zwar Blindflug für die Marktteilnehmer, aber der typische, preisbildende Mechanismus der Börsen funktioniert immer noch. Als die griechische Börse 2015 für mehrere Wochen schloss, waren zu Beginn noch ETF auf griechische Aktienindizes handelbar – Käufer und Verkäufer der ETF nutzten die Börse zur Preisfindung, auch ohne die Aktienkurse genau zu kennen. Das ist aber die Ausnahme und auch der Handel mit den Griechenland-ETF wurde bald eingestellt.
Anleihen-Fonds mit RisikenNeben Aktien geben manche Unternehmen zu ihrer Finanzierung auch Unternehmensanleihen heraus. Es kommt vor, dass Fonds in Anleihen investiert haben, deren herausgebendes Unternehmen bankrott gegangen ist. Manchmal zieht es sich dann Jahre und durch verschiedene Gerichtsprozesse, bis klar ist, wie viel die Anleihen noch wert sind. Wenn diese Anleihen einen bedeutenden Anteil im Fonds ausmachen, kann der gesamte Fondswert eine Weile nicht zuverlässig ermittelt werden und wird dann ausgesetzt. Das Geld der Anleger ist dann nicht unbedingt komplett weg, es hängt aber fest.
Bei einer Vielzahl von normalen Unternehmensanleihen ist der Wert aber auch in normalen Zeiten nicht immer offensichtlich. Die wenigsten Anleihen werden über Börsen gehandelt, sondern der Handel passiert direkt zwischen Banken. Das mindert die Preistransparenz. Dass manche Anleihen nur sehr selten gehandelt werden, macht die Sache nicht besser.
Anleihe-Spezialisten schätzen dann anhand von Firmen- und Anleiheneigenschaften den Kurs, weil sie ihn mit ähnlichen Anleihen vergleichen können. So werden in normalen Zeiten Anleihenkörbe bewertet, obwohl nicht für jede Anleihe ein aktueller, gehandelter Kurs vorliegt. In normalen Zeiten kann so auch mit nicht so liquiden Anleihen ein fairer Fonds-Preis ermittelt werden.
Sekundengenaue Kurse trotz UnsicherheitManche Unternehmensanleihen-ETF überspitzen dieses Prinzip und bieten im ETF auf Anleihenindizes mit hunderten von Anleihen eine sekündliche Liquidität, die ein normaler Anleger schon bei einzelnen der enthaltenen Wertpapiere nicht erreichen kann – vom Gesamtkorb der Anleihen ganz zu schweigen.
Aber auch hier gilt: Wenn große Unsicherheit oder gar Panik an den Börsen herrscht, funktioniert die Bewertung vieler Anleihen nicht mehr. Die „Market Maker“, die für die Kursstellung der ETF verantwortlich sind und in normalen Zeiten eine hohe Liquidität gewährleisten, werden zuerst die Geld-Briefspannen der ETF erhöhen, handelbare Mengen herabsetzen und am Ende die Kursstellung ganz einstellen.
ETF mit deutschen Staatsanleihen gelten als höchst liquide und auch andere europäische Staatsanleihen in ETF werden kaum als Risiko betrachtet, was die Liquidität anbelangt. Bei ETF auf Unternehmensanleihen ist das Thema relevanter und ETF auf spekulative Anleihen und Anleihen aus Schwellenländern sind am anfälligsten für das Liquiditätsrisiko, wenn im Anleihenmarkt mal große Unsicherheit herrschen sollte.
ELTIF: Neue Verpackung, bekannte RisikenÄhnlich wie Offene Immobilienfonds sind ELTIFs – European Long-Term Investment Funds, Europäische Langfrist-Investmentfonds – spezielle Vehikel, die in illiquide Anlagen investieren können, etwa in Projekte für erneuerbare Energien oder in Private Equity. Anders als Offene Immobilienfonds müssen sie jedoch nicht täglich handelbar sein. Je nach Konstruktion gibt es vierteljährliche oder jährliche Rückgabemöglichkeiten, die zudem mengenmäßig begrenzt sein können.
Trade Republic hat zuletzt zwei ELTIFs auf Private Equity vertrieben und will über einen eigenen Marktplatz Käufer und Verkäufer zusammenbringen. Doch auch hier gilt: Erfahrungsgemäß funktioniert das nur, solange die Märkte ruhig sind.
Angst setzt Papiere unter DruckAktuell liest man neben Problemen bei Private-Equity-Investitionen auch über Probleme bei Fonds mit Private Debt. „Private“ heißt, die Aktien oder Schuldpapiere sind nicht börsengelistet – was sie zu öffentlich gehandelten Wertpapieren machen würde – sondern werden von Firmen nur an ausgewählte Investoren ausgegeben. Es gibt keinen Marktplatz für diese Aktien oder Schuldpapiere. Nicht nur deshalb ist deren Wert schwer zu bestimmen, sondern auch weil die herausgebenden Firmen oft nicht die Berichts- und Transparenzpflichten haben wie zum Beispiel Aktiengesellschaften im Dax.
Steigt der Stress an den Märkten, werden Bewertungen illiquider Papiere als Erstes kritisch hinterfragt. Genau das passiert gerade bei Private Debt. Bisher waren solche Fonds vor allem institutionellen und sehr vermögenden Anlegern vorbehalten. Nun gibt es Probleme: Die Zinswende in den USA und Europa hat viele Schuldner in Bedrängnis gebracht. Geschäftsmodelle, die in der Niedrigzinsphase auf Pump funktionierten, geraten bei höheren Zinsen unter Druck – manche rutschen in die Verlustzone. Investoren wollen aussteigen. Zunächst reichten die vorgesehenen Rückgabequoten noch aus. Inzwischen haben aber bereits Fonds renommierter Anbieter wie Blue Owl oder Blackrock die Rücknahme von Anteilen vollständig oder teilweise eingestellt.
Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch den KI-Boom: Viele Unternehmen rund um Künstliche Intelligenz und deren Rechenzentren haben sich über Private Debt finanziert. Die wachsende Angst vor einer Bewertungsblase im KI-Sektor lässt Zweifel aufkommen, ob diese Firmen mittelfristig überleben werden. Allein diese Angst reicht, um den Wert entsprechender Private-Debt-Papiere stark unter Druck zu setzen.
Fazit: Bekannte Risiken, die gerne vergessen werdenDie Risiken von Produkten, die in weniger liquide oder gar illiquide Vermögenswerte investieren, sind im Prinzip bekannt. Weil sie aber selten auftreten, werden sie gerne verdrängt oder übersehen. Bei Offenen Immobilienfonds und ELTIFs kommt erschwerend hinzu, dass die Fondswerte in guten Zeiten oft wie mit dem Lineal gezogen steigen. Dieser stetige Anstieg suggeriert eine Sicherheit, die es so nicht gibt. Klassische Risikokennzahlen wie die Volatilität fallen damit bei illiquiden Anlagen in ruhigen Phasen niedrig aus – und vermitteln damit ein falsches Bild. Das eigentliche Liquiditätsrisiko wird kaum oder gar nicht erfasst – bis zum nächsten Crash.
Was dann droht: Im besten Fall wird das Produkt vom Handel ausgesetzt, und Anleger warten, bis sich die Märkte beruhigt haben. Im schlechteren Fall beginnt der Fonds, Vermögenswerte unter Wert zu verkaufen – auf Kosten derjenigen, die eigentlich investiert bleiben wollten. Im schlimmsten Fall wird das Produkt ganz abgewickelt, oft zu denkbar schlechten Preisen. Hinzu kommt das Risiko überhöhter Bewertungen in guten Zeiten, auf die in schlechten Zeiten scharfe Korrekturen folgen. Denn eines bleibt immer wahr: Illiquide Vermögenswerte haben keinen Börsenpreis. Ihr Wert wird geschätzt – und Schätzungen können sich als viel zu optimistisch erweisen.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Immobilieninvestments: Betongold? Für wen sich Fonds, ETF und Anleihen eignen | 0 | 12.78 | 22-04-2026 |
| 2 | Börsenturbulenzen: Wie Sie jetzt Ihr Depot richtig aufstellen | 0 | 13.96 | 12-03-2026 |
| 3 | Morning Briefing: Drei Gründe, warum die Märkte Schulden weniger tolerieren – und Anleihen unter Druck geraten | 0 | 9.81 | 19-08-2026 |
| 4 | Wertgrund Wohnselect D und Fokus Wohnen Deutschland: Zwei offene Immobilienfonds schließen – was schiefgelaufen ist | 0 | 13.96 | 07-04-2026 |
| 5 | Deutsche Finance Group: Bedenkliche Schwachstellen bei großer Investmentgesellschaft | 0 | 14.52 | 07-07-2026 |
| 6 | Anlegerfehler vermeiden: Fünf Fallen der Geldanlage – und wie Sie sie vermeiden | 0 | 11.5 | 16-06-2026 |
| 7 | Mischfonds-ETF: Die ganze Geldanlage in einem ETF | 0 | 16.54 | 07-08-2026 |
| 8 | Project Immobilien: Großteil der Anlegergelder in Project-Fonds ist weg | 0 | 20.21 | 20-07-2026 |
| 9 | Immobilien: Deutsche-Finance-Fonds offenbar vor Pleite | 0 | 13.99 | 13-08-2026 |
| 10 | Aktien, Anleihen, Gold? : Wohin mit 25.000 Euro im August? | 0 | 10.97 | 18-08-2026 |