Ohne Ladesäule das E-Auto laden: Das könnte in der Landeshauptstadt bald möglich sein. Die SPD schlägt ein Pilotprojekt mit der platzsparenden, praktisch unsichtbaren Technik vor. Ein führender Hersteller von Ladebordsteinen ist ein Rüstungskonzern.
Saarbrücken · Ohne Ladesäule das E-Auto laden: Das könnte in der Landeshauptstadt bald möglich sein. Die SPD schlägt ein Pilotprojekt mit der platzsparenden, praktisch unsichtbaren Technik vor. Ein führender Hersteller von Ladebordsteinen ist ein Rüstungskonzern.
Womöglich die Zukunft des Ladens von E-Autos in der Stadt: Ladeborsteine.
Foto: RheinmetallDass Elektro-Autos die Zukunft sind, daran zweifelt kaum noch jemand ernsthaft. Denn eigentlich sind E-Autos schon die Gegenwart, immer mehr der stinkfreien Fahrzeuge sieht man auch auf den Straßen des Saarlandes und von Saarbrücken. Nach Angaben der Stadt waren bereits Ende vergangenen Jahres in Saarbrücken mehr als 5.700 E-Autos zugelassen, Tendenz stark steigend.
Auto kippt während Fahrt in Sulzbach um – Feuerwehr befreit Insassen
16 Bilder
Diese Autos brauchen – klar, Strom. Aktuell, das geht aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervor und das kann man unter anderem auf Übersichtsseiten wie dem Portal goingelectric.de nachlesen, stehen in der Landeshauptstadt über 270 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung. An weit über 50 Standorten, vom Einkaufsmarkt bis zum Parkhaus, bieten die unterschiedlichsten Betreiber mit unterschiedlichen Preismodellen Strom an. „In den kommenden Jahren“, so lautet der Plan der Stadtverwaltung, „soll im gesamten Stadtgebiet ein flächendeckendes Ladenetz entstehen“. Man möchte „die umweltfreundliche E-Mobilität im öffentlichen Verkehrsraum in Saarbrücken vorantreiben“.
Künftig auch mit einer neuartigen Technik? Das könnte und das soll auch passieren, zumindest wenn es nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion geht. Sie schlägt für den kommenden Umweltausschuss ein „Pilotprojekt Ladebordsteine“ vor. „Ladebordsteine sind Bordsteine, in die die Ladeelektronik für Elektrofahrzeuge integriert ist. Sie beanspruchen keinen zusätzlichen Raum, sondern ersetzen einen konventionellen Bordstein und benötigen damit keine zusätzliche Ladesäule auf dem Gehweg. Das Fahrzeug kann direkt am Fahrbahnrand geladen werden, während der Gehweg frei bleibt“, schreiben die SPD-Politikerinnen Christine Jung und Anja Wagner in ihrem Antrag.
Wagner hat vor einiger Zeit im Fernsehen einen Bericht über Ladebordsteine gesehen. „Die Idee fand ich großartig, und ich habe mich direkt gefragt, ob die Bordsteine nicht auch was für Saarbrücken wären.“ Selbst ausprobiert hat Wagner die Bordsteine zwar noch nicht, doch sie habe viele Freunde und Bekannte in und um Köln, die durchweg überzeugt seien von der Technik, die dort schon mehr als zwei Jahre im Einsatz ist. Im April 2024 waren in der Domstadt die bundesweit ersten Ladebordsteine im öffentlichen Raum ans Netz gegangen.
Wie das Presseamt der Stadt Köln erklärt, seien in einer einjährigen Testphase an vier Ladepunkten über 2.800 Ladevorgänge gestartet worden. In einer Befragung hätten die Nutzer die Technik mit 4,38 von fünf Punkten bewertet – besonders geschätzt wurden demnach die einfache Bedienung, die platzsparende Bauweise und die unauffällige Integration ins Stadtbild.
Für die SPD-Fraktion steht fest: Auch für Saarbrücken könnte ein Pilotprojekt „wertvolle Erkenntnisse“ liefern, vor allem darüber, an welchen Standorten die Technik eingesetzt werden kann. Besonders in Quartieren „mit dichter Wohnbebauung, hohem Parkdruck und begrenztem Gehwegraum“ könne der Ladebordstein eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Ladesäulen sein. Die benötigen nun mal Platz auf Gehwegen oder am Fahrbahnrand und können dort Restgehwegbreiten, Sichtachsen oder städtebauliche Belange beeinträchtigen. „Der öffentliche Raum ist begrenzt“, betont die SPD, die den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur als zentrale Voraussetzung dafür sieht, dass Elektromobilität auch für Menschen ohne private Garage oder eigenen Stellplatz alltagstauglich wird.
Jung und Wagner fordern in ihrem Antrag die Stadtverwaltung auf zu prüfen, wie ein Pilotprojekt konkret umgesetzt werden kann. Dabei solle dargestellt werden, welche Standorte geeignet wären, nämlich vor allem „in städtebaulich sensiblen Bereichen, in denen klassische Ladesäulen nur schwer oder gar nicht umsetzbar sind“. Die Verwaltung soll außerdem untersuchen, welche technischen, rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für Ladebordsteine erfüllt sein müssen. Also: Was kostet das alles und gibt es womöglich Förderungen? Und: Ergeben sich Synergien mit ohnehin geplanten Baumaßnahmen?
Was so ein einzelner Ladebordstein kostet, dazu hat sich ein Manager der Stadtwerke Düsseldorf in der Rheinischen Post geäußert. Vor gut einem Jahr sagte er, inklusive Umbaukosten müsse man mit rund 5.000 Euro rechnen – etwas mehr als für herkömmliche Ladepunkte an einer Säule. Würden die E-Bordsteine aber in Serie produziert, so seine Hoffnung, könnten sie bald günstiger zu haben sein.
Einer der führenden Hersteller der Ladebordsteine ist der Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall aus Düsseldorf. Die Bordsteine seien „robust, platzsparend und modular skalierbar“, erklärt das Unternehmen, das mit Militärfahrzeugen und Munition seit Beginn des Krieges in der Ukraine Rekordumsätze macht. Rheinmetall wirbt selbstbewusst damit, man mache „eine völlig neue Dimension des elektrischen Ladens“ möglich. Bald wohl auch in Saarbrücken. (lck)