Die Armenküche macht Armut mitten in Düsseldorf sichtbar. Bei der jüngsten Nachtzählung stieg die Zahl der Menschen ohne Obdach deutlich. Einmal im Jahr feiert der Verein beim „Essen für Arme und Reiche“ auf dem Burgplatz.
Die beiden Ehrenamtlerinnen Marianne (l.) und Dagmar geben gut gelaunt Erbsensuppe aus.
Foto: Georg Salzburg(salz)Düsseldorf · Die Armenküche macht Armut mitten in Düsseldorf sichtbar. Bei der jüngsten Nachtzählung stieg die Zahl der Menschen ohne Obdach deutlich. Einmal im Jahr feiert der Verein beim „Essen für Arme und Reiche“ auf dem Burgplatz.
Helmut trägt ein rotes Fortuna-Fanshirt und eine knielange rote Sporthose. Hinten an seinem Elektrorollstuhl weht eine kleine Fortuna-Fahne. An diesem Samstag bestreitet der Zweitliga-Absteiger sein erstes Heimspiel in der 3. Liga. Bevor Helmut zu einer der Kneipen in der Altstadt fährt, die das Match übertragen, holt er sich beim Fest der Armenküche auf dem Burgplatz einen Teller Erbsensuppe. Die schmeckt auch, wenn es draußen schwül ist.
Ein Ehrenamtlicher packt dem 76-Jährigen zusätzlich eine Portion für die nächsten Tage ein. Helmut ist Stammgast in der Armenküche. Nach Jahren auf der Straße lebt er inzwischen wieder in einer eigenen Wohnung. Trotzdem kommt er regelmäßig zum Mittagessen – auch, um sich mit anderen zu unterhalten, erzählt er.
Helmut ist einer von mehr als 200 armen Menschen, die der Verein täglich mit einer warmen Mahlzeit und bei Bedarf mit Beratung versorgt. Die Ausgabestelle liegt in einer Seitenstraße zum Burgplatz in einem hinteren Teil des Düsseldorfer Rathauses. Für 80 von ihnen gibt es einen Sitzplatz, wer es nicht so trubelig mag, nimmt sein Essen to go mit. Denn so groß ist die Gaststube nicht. Und die Zahl der Gäste ist seit Corona stetig gestiegen.
Einmal im Jahr zieht das gesamte Team der Armenküche auf den zentralen Platz in der Altstadt, um zum Fest „Essen für Arme und Reiche“ einzuladen. Die Erbsensuppe wird gegen eine Spende ausgegeben, die Grillwurst ist für zwei Euro im Brötchen zu haben. Eine Tasse Kaffee und ein Stück Streuselkuchen kosten zusammen 1,50 Euro.
Die Schlangen an den Ständen sind lang. Es ist ein gemischtes Publikum, das an den Tischen Platz nimmt. Darunter sind auch Erika und Hans aus Düsseldorf, die die nette Atmosphäre, aber auch die günstigen Preise schätzen: „Ausgehen ist ja inzwischen richtig teuer geworden“, sagt die Rentnerin und beißt in die Grillwurst.
Ehrenamtler Mikhail ist wie die anderen Ehrenamtlichen auf dem Fest an der weinroten Schürze zu erkennen. Er unterstützt die Armenküche seit einem Jahr bei der Essensausgabe. Alle zwei Wochen kommt der 34-Jährige, der 2014 aus Russland nach Düsseldorf kam, zum Helfen. Das gebe ihm ein gutes Gefühl, sagt er und lobt zudem das gute Miteinander im Team. Zu diesem gehören auch Marianne und Dagmar, die im Minutentakt Erbsensuppe ausgeben.
Auf der Bühne wird wie immer ein musikalisches Rahmenprogramm geboten. Alle Künstler treten ohne Gage auf. Wenn Pater Wolfgang, der geschäftsführende Vorstand der Armenküche, ruft, kann und will man nicht Nein sagen. Der Dominikanerpater hat 1992 die Armenküche gegründet. Seit 1997 wird jeweils zum Geburtstag der Einrichtung auf dem Burgplatz gefeiert. Das ist der Tag, „an dem die Armenküche ein Zeichen in die Stadt hinein setzt und sichtbar ist“, erläutert Pater Wolfgang im Gespräch mit unserer Redaktion und blickt auf die Grüppchen, die auf Bierbänken an Biertischen sitzen, sich ein Alt oder Wasser schmecken lassen. Dabei sei es jedem selbst überlassen, miteinander ins Gespräch zu kommen oder für sich zu bleiben. „Jeder, wie er mag.“ Bis in den frühen Abend hinein betritt Pater Wolfgang immer wieder die Bühne und spricht kurz zu den Besuchern. „Es sollen schließlich alle wissen, wer wir sind.“ Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden.
Und die werden dringend benötigt, geht die Schere zwischen Arm und Reich doch immer weiter auseinander, auch in einer Stadt wie Düsseldorf. „2021 haben wir die erste Nachtzählung der Menschen gemacht, die ohne Obdach sind. Die Zahl hat sich bei unserer Zählung 2025 um zwei Drittel erhöht“, sagt Pater Wolfgang.
Sozialarbeiter Holger Kirchhöfer befürchtet, dass die Zahl sogar noch weiter steigen wird. „Selbst eine Stadt wie Düsseldorf fängt jetzt im sozialen Bereich an zu kürzen. Ich bin sicher, dass das noch mehr Menschen auf die Straße treiben wird.“ Er arbeitet seit 26 Jahren bei der Armenküche und sagt, das sei ein Ort, an dem „Armut sehr offensichtlich“ sei. Er hält es für wichtig, in einer Stadt wie Düsseldorf auch das „Nicht-Schöne zu zeigen“. Am liebsten wäre es ihm, wenn die Einrichtung irgendwann einmal nicht mehr gebraucht wird. Doch derzeit geht er vom Gegenteil aus.