Musizieren gehört hier zum Alltag: Cleo Wilmanns ist sieben Jahre alt und auf dem heimischen Klavier bereits beim Duett angelangt. Vater Marco packt seine linke Hand für die tiefen Töne dazu.
Marco Wilmanns und seine siebenjährige Tochter Cleo in der Wohnung beim gemeinsamen Musizieren.
Foto: Georg Salzburg(salz)/Georg SalzburgDüsseldorf · Musizieren gehört hier zum Alltag: Cleo Wilmanns ist sieben Jahre alt und auf dem heimischen Klavier bereits beim Duett angelangt. Vater Marco packt seine linke Hand für die tiefen Töne dazu.
„Du bist!“, ruft Cleo. Das Wörtchen „dran“, das diese Aufforderung eigentlich vervollständigen müsste, spart die Siebenjährige aus. Es ist ein fröhlicher Kurzbefehl, der geradewegs vom Pausenhof zu kommen scheint, vom Fangen vielleicht oder vom Gummitwist. Jetzt und hier gilt er Cleos Vater, der neben ihr am Ibach-Klavier sitzt.
Gerade muss er ein wenig raten, wann er wieder an der Reihe ist, weil seine Tochter im Tempo schwankt. Er begleitet die Melodie, die sie mit der rechten Hand spielt, mit der linken Hand im Bass. So machen sie es oft: Cleo sitzt auf der Klavierbank, der Vater rückt einen Stuhl heran, stützt sich mit der rechten Hand hinter ihrem Rücken ab. Die Füße des Mädchens reichen noch nicht ganz bis zu den Pedalen; ein zweistufiger Tritthocker hilft aus.
Für Marco Wilmanns ist es wichtig, seinen Kindern das Musizieren schmackhaft zu machen – und die Freude daran weiterzugeben, möglichst ohne Leistungsdruck. Er selbst fasste erst mit 16 den Entschluss, ein Instrument zu lernen. In einer Schüler-Rockband spielte er Bassgitarre: „Für E-Gitarre war ich nicht extrovertiert genug“, sagt er mit ironischem Grinsen. Später kam noch der Kontrabass hinzu. Er sei „leider nicht drangeblieben“, habe lange pausiert, bis seine Frau ihn zu einem Neuanfang ermutigt habe. Über Facebook gründete er eine neue Band, mit der er Funk spielte. „Wir haben es aber nie aus dem Probenraum geschafft, sind irgendwann auf der Stelle getreten, weil alle immer mehr in Anspruch genommen waren. Vor einem Jahr haben wir daher beschlossen, uns aufzulösen.“
Vor fünf Jahren kaufte er das Ibach-Klavier gebraucht, unter einer Bedingung: Mindestens eines seiner beiden Kinder sollte ebenfalls Klavier lernen. Seit eineinhalb Jahren erhält Cleo nun Unterricht bei Ellina Perlin an der Musikschule Subito. „Ich hatte aber schon vorher ein kleines Klavier!“, ruft Cleo dazwischen. „Das war so ein Spielzeugklavier, da hab ich immer drauf rumgehauen.“ Der Vater korrigiert: „Nein, das war eher dein Bruder! Du bist eigentlich von Beginn an recht sanft damit umgegangen.“ Strahlend erklärt Cleo: „Mein Bruder spielt Schlagzeug.“
Einen besonderen Musikraum gibt es nicht. Das Klavier steht im Wohnraum, der zur Küche hin offen ist: dort, wo sich der Familienalltag ohnehin abspielt. Für Cleo ist der Weg zu den Tasten entsprechend kurz – und das Instrument kein Gegenstand, vor dem man erst einmal Haltung annehmen müsste. Das Schlagzeug des Bruders steht im Kinderzimmer, gegenüber einem Doppelstockbett. Zum Glück für die Nachbarn ist es nur ein leises Übungsset mit perforierten Becken. Bislang habe es noch nie Ärger mit den Nachbarn gegeben, sagt Marco Wilmanns. Im Gegenteil: In der Wohngegend werde ohnehin viel musiziert.
Mit sieben Jahren weiß Cleo offenbar schon recht genau, was sie will. Nicht immer muss der Vater sie zum Üben animieren; manchmal findet sie von allein zum Klavier. Und es kommt vor, dass sie ausdrücklich nicht mit ihm spielen möchte. Ohne Scheu spricht sie mit dem Besuch. Auch ans Schlagzeug des Bruders setzt sie sich ohne großes Aufheben. Sie nimmt die Stöcke in die Hand und probiert aus, was sich ihnen entlocken lässt. „Mein Bruder kann die in die Luft werfen und wieder auffangen. Soll ich das auch mal probieren?“ Der Vater hält sie noch rechtzeitig von dem Experiment ab.
Die Siebenjährige besucht die zweite Klasse einer Montessori-Schule, wo sie ebenfalls Musikunterricht bekommt. Sie liebt Pferde, geht schwimmen und fährt gern Rad, macht Judo. Neben Schule, Sport und anderen Entdeckungen ist das Klavier eines von vielen Dingen, die Cleo gerade beschäftigen. Eine ihrer engsten Freundinnen spielt ebenfalls Klavier. Kleine Übungsstücke wie „Großstadtleben“ von Tatjana Davidoff gelingen Cleo und ihrem Vater bereits gut. Nach ihrem Lieblingsstück gefragt, zeigt sie eine Fingerübung: Erst wird eine kleine Melodie langsam in Viertelnoten gespielt, dann schnell in Achtelnoten wiederholt. Vielleicht ist das ja typisch menschlich: Beschleunigung macht Spaß.
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