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Neuer Intendant am Staatstheater Cottbus: "Menschen dort begegnen, wo sie sind"

Дата публикации: 09-06-2026 07:30:19

Oper, Ballett, Schauspiel, Konzert: All das bietet das Staatstheater Cottbus als einziges seiner Art in Brandenburg. Ab dem Sommer übernimmt Berthold Schneider die Intendanz - und erklärt, wie er das Theater von innen nach außen tragen will.


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Interview Neuer Intendant am Staatstheater Cottbus "Wir wollen Menschen dort begegnen, wo sie sind"

Staatstheater Cottbus (Quelle: imago images)
Das Staatstheater Cottbus bietet vier Sparten: Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Konzert (Quelle: imago images).

Oper, Ballett, Schauspiel, Konzert: All das bietet das Staatstheater Cottbus als einziges seiner Art in Brandenburg. Ab dem Sommer übernimmt Berthold Schneider die Intendanz - und erklärt, wie er das Theater von innen nach außen tragen will.

rbb: Herr Schneider, wie fühlen Sie sich vor dem offiziellen Start als neuer Intendant des Staatstheater Cottbus?

Berthold Schneider: Bisher ist es mir gut ergangen. Sowohl im Theater als auch in der Stadt selber erlebe ich eine große Offenheit, eine Neugier, auch eine Bereitschaft, sich auf neue Dinge einzulassen. Das gibt es nicht überall.

Die Stadt ist jetzt nicht endlos. Man hat schnell einen Überblick, wo man ist - mit dem spektakulären Marktplatz, um den sich dann das ganze Zentrum gruppiert und wo das Herz dieser Stadt schlägt. Ein Gefühl für die Stadt zu bekommen und die Menschen zu spüren, geht relativ schnell.

Zur Person Berthold Schneider, designierter Intendant des Staatstheater Cottbus (Quelle: Jochen Quast)

Berthold Schneider wurde 1965 in Marburg geboren und arbeitete nach dem Studium u.a. in Saarbrücken, London und Wuppertal. Ab Sommer 2026 leiten er und sein Team das größte Theater im Land Brandenburg – das Staatstheater Cottbus.

rbb: Sie haben viele verschiedene berufliche Stationen absolviert. Immer wieder taucht die Oper auf. Das Staatstheater Cottbus vereint vier Sparten: Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Konzert. Wird jetzt vor allem die Musik am Haus gefördert?

Berthold Schneider: Natürlich bin ich ein Intendant für alle Sparten. Ich komme von der Oper, ich atme Oper, Musik ist meine Heimat. Und diese Identität trage ich auch in das Theater rein. Aber ich war in meiner vorherigen Beschäftigung Intendant an der Oper in Wuppertal, wo ich nur für die Oper zuständig war. Auch da war es mir wichtig, dass wir in Solidarität miteinander agieren. Es bringt doch nichts, wenn ich als Opernsparte profitiere und andere Sparten darunter leiden. Das ist für mich eine zentrale Aufgabe, die Notwendigkeiten auszugleichen und zu sehen, dass alle zum Blühen kommen.

rbb: Woher kam das Interesse fürs Theater im Allgemeinen und für die Oper im Speziellen?

Berthold Schneider: Das kam eindeutig vom Klavier, aber es war auch immer Mittel zum Zweck. Ich habe gewusst, dass ich in der Oper beziehungsweise im Theater arbeiten werde, bevor ich eine Oper gesehen habe. Ich bin ein echtes Landei, wo es kein Opernhaus gab. Ich wusste nicht, was das ist. Aber diese Musik, diese Überwältigung, dieses Erlebnis, war in meiner Vorstellung so stark.

Staatstheater Cottbus (Quelle: imago images) Das Staatstheater Cottbus ist einzige Staatstheater in Brandenburg (Quelle: imago images).

rbb: Cottbus und die gesamte Lausitz befinden sich im Strukturwandel. Wie möchten Sie das Staatstheater in diesen Prozess einbinden, und welche Rolle kann Theater dabei spielen?

Berthold Schneider: Nicht nur die Region und die Stadt sind im Wandel, das Theater selbst hat sich auch in den letzten sieben, acht Jahren mehrfach neu erfinden müssen. Es gab viele Wechsel, teilweise auch dramatische Erlebnisse, sodass da vielleicht so eine gewisse Übereinstimmung zwischen dem Gefühl in der Stadt und dem, was die Theatermitarbeitenden empfinden und erleben, besteht. Theater kann bei solchen Prozessen ein sehr guter Partner sein, weil wir Erlebnisräume schaffen können. Wir sind eine Bühne, wo man vorspielen kann. Aber man kann auch Räume öffnen, wo Menschen sich einbringen können. Wir wollen nicht nur das Staatstheater als Bauwerk in der Stadt sein. Unser neuer Leiter der von uns ins Leben gerufenen Spielstätte Stadt sagt: "Wo ich bin, ist Theater." Und mit dieser Nachricht und dem entsprechenden Selbstbewusstsein gehen wir auch raus und wollen den Menschen dort begegnen, wo sie sind - auch jenen, die sich vielleicht nie eine Karte kaufen würden.

rbb: Wie kann man sich diese "Spielstätte Stadt" vorstellen?

Berthold Schneider: Erstmal ist es schlichtweg alles, was nicht bei uns im Haus stattfindet. Wir werden zum Beispiel mit einem Kettenkarussell an verschiedenen Orten sein und dort Theater spielen. Wir werden Produktionen machen, die sowohl in der Kammerbühne stattfinden werden, als auch mobil auf einem Anhänger aufgebaut an verschiedenen Orten der Stadt. Wir werden Hebebühnenkonzerte veranstalten, wo unsere Orchestermitglieder vor Hausfassaden spielen werden. Unser Ballett wird draußen tanzen – also nicht nur im Theater selber. Es werden nicht nur Profis tanzen, sondern Bürger:innen werden in die Lage versetzt, mitzutanzen. Es ist uns wichtig, dass die Menschen aktiviert werden, um etwas erleben zu können und nicht nur zugucken.

rbb: Auf welche Höhepunkte freuen Sie sich außerdem?

Berthold Schneider: Wir werden eine alte Tradition wieder zum Leben erwecken, nämlich die Spielplanvorstellungen in Branitz. Wir feiern ein großes Fest im Park und erweitern das Konzept um einen neuen Schwerpunkt für Familien. Wir möchten die Freude daran, sich in diesem Park und seinem wunderschönen Ambiente mit Kultur zu beschäftigen, wieder aufleben lassen. Das Fest findet am 5. September statt.

Die eigentliche Spielzeiteröffnung folgt dann am 26. September mit der Premiere von "Romeo und Julia". Wir wollen diese Geschichte neu erzählen, indem wir sie in vier Künsten erzählen. Wir haben ein Vierspartenhaus mit einem Orchester, einer Ballett- und Schauspiel- sowie einer Opernkompanie. Sie werden einen tanzenden und einen schauspielenden Romeo sehen, eine Julia, die singt. Mit diesem Experiment, eine Geschichte zu erzählen - und zwar gleichberechtigt - starten wir. Und wenn die Zuschauer:innen aus dem Theater kommen, werden sie sich mit anderen Cottbuser:innen vermischen und auf das Haus schauen. Diese Architekturikone Staatstheater Cottbus möchten wir in Szene setzen mit dem Projekt "Staatstheater im Licht".

Wir konnten den renommierten Lichtkünstler Gregor Eisenmann gewinnen, der das Theater mithilfe von Videomapping in Szene setzen wird. Dafür nutzt er Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes. Wir werden das Innere nach außen kehren. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet ein spektakuläres visuelles Erlebnis, fast wie ein riesiges Feuerwerk aus Licht und Bildern. Wir hoffen, diesen Aufbruch gemeinsam mit den Cottbuserinnen und Cottbusern feiern zu können – unabhängig davon, ob sie eine Karte für das Theater besitzen oder nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sendung: rbb|24, 09.06.2026, 9:30 Uhr

Audio: rbb|24, 09.06.2026, Josefine Jahn im Gespräch mit Berthold Schneider

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