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Helene Fischer im Olympiastadion: Comeback mit "Herzbeben"

Дата публикации: 14-06-2026 06:21:00

Helene Fischer ist zurück, nach rund drei Jahren Familienpause. Im ausverkauften Berliner Olympiastadion hat sie ihr 20. Bühnenjubiläum gefeiert. Akrobatik, Freudentränen und Spektakel begeisterten das Publikum.


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Konzert Helene Fischer im Olympiastadion Comeback mit "Herzbeben"

Archivbild: Die Sängerin Helene Fischer tritt im Rudolf-Harbig-Stadion beim Auftakt ihrer "360° Stadion Tour 2026" auf. (Quelle: dpa/Michael)
Archivbild: Die Sängerin Helene Fischer tritt im Rudolf-Harbig-Stadion beim Auftakt ihrer "360° Stadion Tour 2026" auf. (Quelle: dpa/Michael)

Von Kai Salander

Drei Jahre lang hat Helene Fischer nicht mehr auf einer großen Bühne gestanden – drei Jahre ohne Tour, ohne "Atemlos durch die Nacht" vor Zehntausenden. Nach ihrer Familienpause meldet sich der Schlagerstar nun zurück im ausverkauften Berliner Olympiastadion. Bereits auf dem Weg dahin jubelt eine Frau im mittleren Alter: Auf diesen Moment habe sie jahrelang gewartet. Das Publikum trägt viel Strass.

Ganze Frauengruppen kommen einheitlich in hellen Jeansjacken, weißen Turnschuhen und schwarzen Stoffhosen oder Röhrenjeans. Einige Männer stecken in Ganzkörper-Glitzeranzügen, einer trägt ein Regenbogen-Patch auf der Jacke. Ein älterer Herr hat sich eine silbrig glänzende Krone aufgesetzt und schiebt einen Rollator. Auch Eltern sind mit ihren Kindern zum Stadion gefahren.

Wenige Minuten vor dem Konzert: La-Ola-Wellen, angefeuert von einem Einheizer aus dem Helene-Fischer-Team auf einem der Oberränge. Es braucht ein paar Anläufe, bis die Welle einmal ums ganze Stadion läuft und die Fans erschrecken, als plötzlich laute Bassschläge und Sambarhythmen aus den Boxen donnern. Weiße Lichttraversen rund um die 25 Meter hohe Rundbühne blitzen jetzt rasend schnell. 288 Tonnen wiegt der Koloss, links und rechts führen zwei Stege in die Menge.

Luftakrobatik im Olympiastadion

Dutzende Tänzer in roten Overalls ziehen auf die schwarze Bühne – Eröffnungszeremonie für den großen Auftritt. Einige Zuschauer auf dem östlichen Unterrang aber blicken nach hinten, schräg nach oben: Dort steigt weißer Nebel hinter einem schwarzen Vorhang auf. Als der sich öffnet, fliegt Helene Fischer an Schnüren hoch über der Menge. Kurz breitet sie engelsgleich die Arme aus, lässt sich über allen Köpfen feiern und grüßt: "Hallo Berlin!"

Unter großem Jubel gleitet sie in ihrem roten Lederkleid zur Bühne hinab. Rote, kniehohe Stiefel und silberne Nieten zieren das Outfit, in der Hand hält sie ein goldenes Mikro.

Die gute Laune breitet sich bis unter das Stadiondach aus – Gänsehaut und das Gefühl, dass hier 90.000 Menschen an einem großen Moment teilhaben. Auf den LED-Bildschirmen verfolgen die Fans genau mit, wie ihre blonden Haare im Wind wehen, können jeden Hüftschwung sehen oder die funkelnden Kleider von Helene Fischer und ihren Tänzern bewundern. Bei einigen Nummern spielt kurz allein das Schlagzeug. Singpause für Helene, das Publikum kann den Refrain übernehmen.

Helene Fischer mit Tänzer:innen im Berliner Olympiastadion (Quelle: IMAGO / Berlinfoto) Helene Fischer mit Tänzer:innen im Berliner Olympiastadion (Quelle: IMAGO / Berlinfoto)

Echte Wärme statt Platitüde

Nach dem ersten Song gesteht die 41-Jährige: "Mein Herz zerspringt in so viele Teile. Es ist so schön, nach drei Jahren wieder auf der Bühne zu stehen. Ich bin einfach nur erfüllt und dankbar, dass ich nach 20 Jahren auch ein Stadion füllen darf. Ich möchte euch für so viele Jahre der Treue danken."

Ihre Stimme überschlägt sich fast beim Sprechen, ihre Augen scheinen nur einen Wimpernschlag von Tränen entfernt, sind ganz glasig. Die Worte der Mutter zweier Töchter klingen kein bisschen nach Platitüde, sondern strahlen echte Wärme aus.

Während der Proben für die Tour, erzählt sie, sei immer wieder vom 20. Jubiläum die Rede gewesen. Dabei sei ihre Karriere erst vor zehn Jahren so richtig ins Rollen gekommen. An ihr allererstes Mal im Studio kann sich die 41-Jährige noch gut erinnern: Total aufgeregt sei sie gewesen. Ihren ersten Song "Feuer am Horizont" will sie gemeinsam mit den Fans singen – doch nur einige Hundert können mitsingen. "Kennt keiner mehr", scherzt ein Mann.

Helene Fischer als Anti-Schlagerstar

Als sie von Freiheit, vom Fliegen und einem Sternenmeer singt, heben ihre Tänzer sie auf einen weißen Thron – Akrobatik mitten im Gesang. Bei der Nummer "Die Hölle morgen früh" springt sie auf einen roten Tisch. Davor stehen rote Stühle, auf denen sich ihre Tänzer rekeln und Kerzenständer in die Luft strecken. Auch der virale Hit "Schau mal herein" steht auf der Setlist der Show. Bläser, Background-Sänger, eine Gitarristin und ein Drummer begleiten den Schlagerstar. Sie hätte nie gedacht, dass ihr ein TikTok mit "Flori" – Florian Silbereisen – gelinge, erzählt sie.

Bei dem Song wisse sie nie genau, wann Flori beim Singen einsetze; viele lustige Telefonate habe sie schon mit ihm dazu geführt, aber Fehler könnten nun mal passieren, alles nur menschlich. Solche und ähnliche Ansagen lassen sie eher wie der Anti-Schlagerstar wirken, keine makellose Showmaschine, mehr menschelnd als glattgebügelt, ein durch und durch authentischer Auftritt. Bei den Fans punktet sie mit dieser neuen Lässigkeit.

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Kräftige Hüftschwünge beim Latin-Medley

Einige Songs fließen ohne Zwischenansagen ineinander über. Dabei haben die diversen Songgruppen musikalische Themenschwerpunkte. Beim Latin-Medley steht ein schwarzer Käfig auf der Bühne, daran klettern die Tänzer hoch. Auf lateinamerikanische Drumbeats folgen Herzschläge, ein Tanzpaar wirbelt mit kräftigen Hüftschwüngen über den Bühnensteg. Helene Fischer kommt hinzu, nach kurzem Outfitwechsel, jetzt im türkisblauen Glitzerkleid.

Bei dem Latin-Schlager "Marathon" lädt die Bläser-Sektion zur Salsa-Party, ein Temperament, das überkocht. Trompete und Posaune, Tänzer und Helene Fischer ziehen in einer Polonaise über den rechten Steg hinaus ins feiernde Publikum. Im vorübergehenden Regenschauer tanzen einige Fans Discofox. Die lateinamerikanische Showeinlage entfacht ein Feuer der Leidenschaft – irgendwo zwischen Cocktailbar, Flirt am Poolrand und Strandurlaub. "Wir holen uns einfach den Sommer hierher", verspricht Helene Fischer.

Ein Brief aus Chile

"Sechs Jahre Dank dir" steht auf einem Plakat in der Menge, und Helene Fischer erfährt: Die beiden seien dank ihr seit vielen Jahren befreundet. Danach knipst sie Selfies mit Handys aus dem Publikum, grüßt eine Alina, die an diesem Abend ihren Junggesellinnenabschied feiert, stimmt ein Geburtstagsständchen an für alle Geburtstagskinder.

Doch das Highlight der Publikums-Interaktion ist ein besonderer Brief: Ein Mann habe ihrem Team geschrieben, er wolle für das Konzert aus Chile anreisen. "Wo bist du, Louis?", fragt Helene und blickt in die Menge – und auf einem der Unterränge breitet Louis eine chilenische Flagge aus: "Ich bin für dich 12.000 Kilometer gereist." Helene Fischer feiert seinen Einsatz: "My dear, good to have you here in Berlin, have a great show."

Klar, nach zwei Jahrzehnten weiß Helene, wie sie mit simplen Melodien den maximalen Herzschmerz, Freude und Euphorie aus ihren Fans kitzeln kann. Meist wirken die großen Gefühle auch ehrlich, doch der Moment mit zwei Fahnenschwenkern und einem Gitarrensolo auf einem hochfahrenden Podest ist dann doch etwas zu pathetisch. Dagegen ist die Luftakrobatik eines der Highlights des Abends und ein Grund für viele Handyfotos.

Zu afrikanischen Trommeln hängt sich der Schlagerstar mit einem Arm in eine Schlaufe, lässt sich von einem Podest durch die Luft ziehen. Im silbernen Paillettenkleid schwebt sie über den Köpfen, seilt sich zur Bühne hinab und singt währenddessen vom Regenbogen – alles mühelos, perfekt einstudiert. Auf einem der Unterränge breiten Fans eine Regenbogenfahne aus, auch das Stadiondach erstrahlt in bunten Farben.

Tausende Fans singen "Atemlos durch die Nacht"

"Seid ihr bereit für die Nummer, die alles verändert hat?", will sie wissen. Der Moment, auf den alle warten – "Atemlos durch die Nacht". Sambarhythmen verleihen dem Durchbruch-Hit zusätzlichen Schwung und das Stadion ruft lauthals "Atemlos durch die Nacht". Die Showtruppe zieht mit Trommeln über die Bühne – Outfits und Percussion-Instrumente, alles in Silber. "Richtig stark", ruft eine junge Frau. Die Fans jubeln, kreischen, liegen sich in den Armen – ein Moment, den vermutlich niemand so schnell vergisst.

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Doch Helene Fischer kann den Moment noch einmal toppen: Bei "An meiner Seite" schwebt sie wieder an Seilen durch das Stadion, diesmal kopfüber. Beim Paartanz mit einem Tänzer legt sie sich in der Luft unter ihn, sodass er auf ihr stehen kann. Sogar ein Spagat gelingt ihr hoch über den Köpfen.

Während ihrer Zugabe erinnert Helene Fischer an ein für sie besonderes Konzert in Berlin: 2015, als alle gemeinsam im Regen gestanden hätten – daran denke sie noch immer gern zurück. Sie lobt die Fans, bedankt sich für das Fest der Liebe. Berlin sei etwas ganz Besonderes, sie habe heute alles aufgesogen und hoffe, dem Publikum dasselbe zurückgegeben zu haben.

Es ist ein Abend, an dem Helene Fischer ihren Fans ganz nah kommt, ja auch körperlich. Zweifellos ist es Kitsch auf großer Bühne, ein Höher, Schneller, Weiter für alle Schlagerherzen. Doch die großen Emotionen und Lobeshymnen auf das Publikum wirken authentisch und ernst gemeint. Helene Fischers große Freude beim Wiedersehen ist ansteckend und überträgt sich auf das komplette Stadion. "Angesichts der Weltlage gibt es doch nichts Besseres als zwei Stunden optimistische Popsongs", freut sich eine junge Frau nach dem Konzert.

Sendung: rbb|24, 14.06.2026, 08:02 Uhr

Audio: rbb|24, 14.06.2026, Kai Salander

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