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The Cure in der Wuhlheide: Erst Schwermut, dann Volksfest

Дата публикации: 11-07-2026 06:12:00

Drei ausverkaufte Konzerte hintereinander in der Wuhlheide: Nach knapp vier Jahren sind The Cure zurück in Berlin - ein Wechselbad der Gefühle.


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Konzert The Cure in der Wuhlheide Erst Schwermut, dann Volksfest

The Cure-Frontmann Robert Smith in der Parkbühne Wuhlheide Berlin (Quelle: picture alliance / PIC ONE | Peter Engelke)
The Cure-Frontmann Robert Smith in der Parkbühne Wuhlheide Berlin (Quelle: picture alliance / PIC ONE | Peter Engelke)

Von Kai Salander

Die Augen dick mit schwarzem Kajal umrahmt, den konzentrierten Blick auf das Publikum gerichtet: The-Cure-Frontmann Robert Smith steht mit zerzausten schwarzen Locken, schwarzer Stoffhose und Flanellhemd auf der Bühne der Wuhlheide.

Auch seine Bandkollegen tragen Schwarz. Ein schlichter Look – als solle nichts von der Musik ablenken. Gitarrensoli flirren durch die lauwarme Abendluft. Flächenklänge und leicht verbogene Töne schweben über dem Publikum – ein Sound, der zur Weite rund um die Parkbühne passt.

Viel Ausdauer beim Konzert-Marathon

Bei "Never Enough" schlägt sich Smith mit einem Schellenkranz gegen den Unterarm. Viel mehr bewegt sich die Band zunächst nicht. Die Energie muss reichen für dieses lange Konzert, mehr als zwei Stunden sind geplant.

Auch große Gesten oder lange Ansprachen braucht es nicht. Die Musiker stehen meist konzentriert an ihren Instrumenten, während sich die Songs immer weiter ausdehnen und das Publikum in ihre düsteren Klangwelten ziehen.

Viele Fans sind seit Jahrzehnten dabei. Nahezu jeder Zweite trägt ein The-Cure-Shirt oder zumindest die Teamfarbe Schwarz – passend zu den melancholischen Texten der Band.

Auf den Rängen bleibt kaum Platz zum Stehen. Sicherheitskräfte ermahnen die Fans immer wieder, die Gänge freizuhalten. Ein Mann lässt einen Joint kreisen und schwärmt vom guten Sound und dem perfekten Setting im Park.

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Gespenstische Nebelhorn-Sythesizer

Dann verhallen Synthesizer wie gespenstische Nebelhörner in der Dämmerung. Es ist das Intro von "A Forest". Grünes Licht lässt die Bühne erstrahlen.

Im Innenraum gehen die Hände nach oben, die Fans klatschen zum Schlagzeugbeat. Beim kreischend hohen Gitarrensolo rastet die Menge aus. Gitarrist Reeves Gabrels tritt an den Bühnenrand und lässt sich feiern.

Auf den Sonnenuntergang folgen lang gezogene Gitarrenakkorde. Blubbernde Synthesizer geleiten die Fans in die Nacht. Auch auf der LED-Wand hinter der Bühne versinkt die Sonne. The Cure wickeln Tausende Fans in ihren Klangteppich. Es ist eine Art Massenhypnose – mehr Gleiten als Pogen, psychedelisch und verträumt, aber trotzdem voller Kraft.

Dazu preschen die Drums immer wieder nach vorn. Schnelle, verschobene Rhythmen durchbrechen die schwebenden Klangflächen, bis Schlagzeuger Jason Cooper nur noch die Becken zischen lässt und das nächste Gitarrensolo in die Höhe steigt.

Abflug in der Wuhlheide

Bei "Prayers for Rain" singt der 67-jährige Smith, als würden Schmerzen durch seinen Körper fahren. Er windet sich im Klang, streckt die Hand nach unten, ballt die Faust und schließt für einen Moment die Augen. Der Rock-Senior wirkt, als müsse er jede Zeile körperlich durchleben.

Nach rund 90 Minuten verschwindet die Band kurz hinter der Bühne. Die Lichter erlöschen, nur fünf Scheinwerfer bleiben eingeschaltet. Der Jubel reißt nicht ab. Manche Fans klopfen mit ihren Bierbechern gegen die Absperrung. Kurze Pause, um die Melancholie des ersten Konzertteils zu verdauen und die Fans ahnen bereits: Die großen Welthits stehen noch bevor. Niemand will die Zugabe verpassen.

Von "Friday I’m in Love" bis "Boys Don’t Cry"

Kurz vor Schluss folgt der Stimmungswechsel. Die ersten Akkorde von "Friday I'm in Love" erklingen – pure Ekstase. Die Fans liegen sich in den Armen, reißen die Hände hoch, schwingen die Hüften und hüpfen von rechts nach links. Jetzt herrscht Volksfeststimmung in der Wuhlheide. Ihren Höhepunkt erreicht sie bei "Boys Don't Cry".

Der Schwermut des ersten Konzertteils ist spätestens jetzt verflogen. Robert Smith singt hohe, beinahe divenhafte Einwürfe und wirkt dabei, als würde er seine eigenen Pop-Ohrwürmer nicht ganz ernst nehmen. Gerade das macht ihren Reiz aus. Hinter der Euphorie bleibt bei The Cure immer ein kleiner Rest Melancholie.

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Weltklasse-Spannungsbogen ohne Showeinlagen

So gelingt The Cure ein Weltklasse-Spannungsbogen: Erst zieht die Band das Publikum tief in ihre Melancholie. Dann löst sie den Schwermut mit einigen der größten Pop-Hymnen der vergangenen Jahrzehnte auf.

Dafür brauchen The Cure keine Pyrotechnik, keine großen Showeinlagen, kein aufwendiges Bühnenbild und kaum Zwischenansagen. Die Songs allein überzeugen mit großen Emptionen, erst bestürzen dann beflügeln. Das Konzept geht auch nach fast fünf Jahrzehnten Bandgeschichte noch auf.

The Cure spielen am Samstag (11. Juli) und Sonntag (12. Juli) noch zwei weitere Konzerte in der Wuhlheide.

Sendung: rbb24 Inforadio, 11.07.2026, 7:55 Uhr

Audio: rbb24 Inforadio, 11.07.2026, Kai Salander

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