Politische Botschaften sind im Fußball unerwünscht. Aber so einfach ist es nicht. Wenn es den eigenen Geschäftsinteressen dient, sieht die Fifa das Thema schließlich nicht so eng.
Es gibt einen Präzedenzfall, einen überaus prominenten sogar. Aber der fällt in den Verantwortungsbereich des europäischen Fußballverbandes Uefa, der sich aus Sicht von Gianni Infantino, dem Präsidenten des Weltverbandes Fifa, vermutlich hart an der Grenze zum Linksextremismus bewegt – und deshalb für das eigene Handeln natürlich keine Relevanz besitzen kann.
Vor zwei Jahren war das: als die spanische Nationalmannschaft den Gewinn des EM-Titels feierte und Rodri, der Spielgestalter des Teams, und Alvaro Morata im Überschwang ihres Sieges gegen England skandierten: „Gibraltar ist spanisch!“ Beide wurden anschließend von der Uefa für das folgende Pflichtspiel ihrer Nationalmannschaft gesperrt, weil sie gegen die allgemeinen Verhaltensregeln verstoßen hatten.
Nach dieser Logik dürften Lisandro Martinez und Giovani Lo Celso dem argentinischen Team am Sonntag im Finale der WM gegen Spanien ebenfalls nicht zur Verfügung stehen. Denn nach dem Halbfinalsieg ihrer Mannschaft gegen England hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ zur Schau getragen: Die Malwinen – auch bekannt als die Falkland-Inseln – sind argentinisch.
Der Fußball – wie der Sport allgemein – gibt sich am liebsten unpolitisch. Politische Äußerungen sind den beteiligten Mannschaften bei den Spielen sogar explizit untersagt. Dass den beiden argentinischen Politaktivisten von der Fifa nun drastische Strafen aufgebrummt werden, ist trotzdem nicht zu erwarten. Schon gar nicht eine Sperre für das Finale der Weltmeisterschaft, das größte globale Sportereignis dieses Jahres. Schließlich würde es das eigene Produkt beschädigen.
Politik im Sport ist immer dann kein Problem, wenn es den eigenen Geschäftsinteressen dient. Deshalb zum Beispiel darf Fifa-Präsident Infantino, der laut den Statuten seines Verbandes zu politischer Neutralität verpflichtet ist, im stillen Hinterzimmer einen albernen Friedenspreis erfinden, mit dem er dann das Ego des US-Präsidenten Donald Trump umschmeichelt.
Ganz unabhängig davon, zu welcher Sanktion sich die Fifa im Falle der beiden argentinischen Fußballer durchringen wird (oder eben auch nicht): Die Weltmeisterschaft in den USA, das Turnier von Trumps Gnaden, hat mehr als jede WM zuvor gezeigt, wie weltfremd die Idee ist, die Politik aus dem Fußball halten zu können. Beziehungsweise den Fußball aus der Politik.
Für diese Erkenntnis hätte es den peinlichen Auftritt von Lisandro Martinez und Giovani Lo Celso und das Feixen ihrer Teamkollegen nicht einmal gebraucht.
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