Fifa-Präsident Infantino treibt die Kommerzialisierung des Fußballs auf die Spitze. Der geplante Einstieg privater Investoren könnte den Sport letztlich kaputt machen.
Wer dachte, die Fifa und ihr Präsident Gianni Infantino hätten bei der jüngsten Weltmeisterschaft den Höhepunkt in Sachen Kommerzialisierung des Fußballs erreicht, wurde am Dienstag eines Besseren belehrt. Es gibt nämlich Pläne, die weit über Hydration Breaks, ausufernde Halftime-Shows oder noch größere Teilnehmerfelder hinausgehen. Pläne, die schlicht vorsehen, den Fußball zu verkaufen.
So kündigte Infantino an, das Unternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen zu wollen, um etwa 20 bis 30 Prozent der kommerziellen Rechte an ihren Turnieren an Investoren zu verkaufen. Damit wolle man mehr als vier Milliarden Dollar erlösen, wie der Weltverband, der Mehrheits-Eigentümer sein werde, mitteilte.
Das Ziel dabei sei die Demokratisierung des Fußballs, die kleineren Verbände sollten endlich Beachtung finden und finanziell profitieren. Anders gehe es ja ohnehin nicht, wenn der Sport weiter wachsen wolle. Ein Schelm, wer da Infantino Eigennützigkeit unterstellt, im März steht schließlich seine Wiederwahl an.
Unter ähnlich sarkastischen Reaktionen wie dieser mischen sich seit Dienstag ganz ernsthafte Sorgen. Die Uefa ebenso wie Hans-Joachim Watzke, der unter anderem DFB-Vizepräsident ist, übten scharfe Kritik und waren sich einig: Gianni Infantino hat mit diesem Vorhaben eine Grenze überschritten.
Denn zunächst einmal ist die Fifa kein armer Verband, der sich über Wasser halten muss. Vielmehr hat er zuletzt Rekordeinnahmen erzielt. Und private Geldgeber investieren natürlich nicht, weil sie den Fußball entwickeln oder demokratisieren wollen, sondern weil sie eine Rendite erwarten. Das bedeutet im Umkehrschluss, durch mehr Turniere und größere Teilnehmerfelder immer neue Einnahmen zu erschließen.
Es geht ihnen einzig und allein um den Versuch, einen globalen Sport in eine investierbare Anlage zu verwandeln und ihn bis aufs Letzte auszubeuten.
Charlotte Bruch
Allen Beteiligten dieser Pläne geht es dabei am wenigsten um die Interessen der kleineren Verbände, der Sportler:innen oder der Fans. Es geht ihnen einzig und allein um den Versuch, einen globalen Sport in eine investierbare Anlage zu verwandeln und ihn bis aufs Letzte auszubeuten.
Sportrechte sind zwar ein Geschäft und ohne Einnahmen wäre der internationale Fußball nicht finanzierbar. Es ist aber ein Unterschied, ob ein Verband seine Wettbewerbe vermarktet oder ob er Geldgeber an deren künftiger Wertsteigerung beteiligt.
Mit der geplanten Investorengruppe, angeführt von Joshua Kushner, dem Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, kommt allerdings auch eine politische Dimension hinzu und die Frage, inwiefern die US-Regierung den Deal steuert. Transparenz darf man allerdings weder an dieser noch an anderer Stelle erwarten.
Die große Frage bleibt vielmehr, wer den immer wahnwitzigeren Plänen Infantinos Einhalt gebieten kann. Von den kleineren der 211 Mitgliedsverbände der Fifa, die auf Zuschüsse angewiesen sind, und dem Fifa-Rat darf man nicht erwarten, dass sie gegen den Vorschlag stimmen.
Es wird auf die größeren Entscheidungsträger wie die Uefa um Präsident Aleksander Ceferin oder Verbände wie den DFB ankommen. Sie müssen sich vereint gegen das Vorhaben der Fifa stellen und dafür sorgen, dass der Fußball nicht wie eine Handelsware betrachtet wird. Sonst bleibt am Ende nichts von ihm übrig.