Noch einmal gehen der Kabarettist Dieter Hallervorden und Ministerpräsident Sven Schulze gemeinsam mit „Kunst braucht Freiheit“ auf die Theaterbühne. Macht das bald Schule?
Einer geht noch, am 7. August in Naumburg. Dort werden „Hallervorden und Schulze“ ihren vierten und letzten gemeinsamen Auftritt hinlegen. Der Kabarettist und der Ministerpräsident gehen wieder mit ihrem Erfolgsprogramm „Kunst braucht Freiheit“ auf die Theaterbühne. Die gemeinsamen Auftritte sind Teil des Wahlkampfes der CDU Sachsen-Anhalt vor der Wahl am 6. September.
Sämtliche Veranstaltungen des polit-kabarettistischen Dreamteams sind ausgebucht. Das lässt die Partei jubeln, die in den Umfragen abgeschlagen hinter der AfD liegt: endlich Zuspruch, endlich Aufmerksamkeit, endlich Mittelpunkt!
Dieter Hallervorden gibt im „Gespräch über Demokratie“ den Ton an, schimpft Verteidigungsminister Pistorius einen „Kriegsminister“, kritisiert den „Völkermord in Gaza“. Sven Schulze nickt alle Invektiven ab, weil er so zentrale CDU-Werte bestätigt sieht, also Rede-, Meinungs- und Kunstfreiheit. Alles durch, wegen und mit Dieter Hallervorden.
Vor Hallervorden war Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung die umjubelte Stimmungskanone. Beiden, Hallervorden wie Steimle, ist es gelungen, die sonst so ritualisierten Parteitermine aufzubrechen, die gewohnte Klatsch-und-Hackordnung in einen bunten Abend zu drehen. Warum Politik, warum ernsthafte Politik, wenn Haudrauf und Lustig die Schenkel der Sitzbänkler traktieren!
Die Politik gibt ihren Platz freiDie Politiker scheinen gar nicht begreifen zu wollen, dass sie ihren ureigensten Platz aufgeben und die Politik gleich mit. Muss Politik mit Spaß konkurrieren, kann die Politik nur verlieren. Die Spaßmacher machen mit ihren Halluzinationen einfach mehr gute Laune als die drögen Politiker, wenn sie Krankenkassen- oder Rentenreform in blutleere Schachtelsätze zwingen.
Das kann Schule machen. Es gibt ja noch mehr Landtagswahlen, noch mehr Parteiveranstaltungen, noch mehr fernsehpopularisierte Kabarettisten, Comedians und Komödianten.
Vorstellbar wäre doch, dass Dieter Nuhr im Pas-de-Deux mit FDP-Ramme Wolfgang Kubicki die Berliner Liberalen mit ausgesuchten Femizid-Witzen über die Fünf-Prozent-Hürde wuppt, wenn Jan Böhmermann für die Grünen (oder doch besser für die Linken?) die Nazi-Ahnenreihen der politischen Konkurrenz sortiert.
Zur SPD würde es passen, dass der schmählichen Umfragewerte wegen höchstwahrscheinlich keiner aus dem Scherzgewerbe zum Lachen mit den Sozis aufläuft.
Spekulationen, nichts als Spekulationen, trotzdem undenkbar, dass Hallervorden, Steimle & Co. in die Politik wechseln? Jetzt, wo sie dort so viel Spaß haben und die Politiker der eigenen Claqueur-Rolle applaudieren.
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