Lionel Messi steht mit Argentinien im WM-Finale gegen Spanien. Der 39-Jährige spaziert durchs Turnie. Seine extreme Effizienz zeigt die Zukunft des Fußballs.
Lionel Messi steht mit Argentinien im WM-Finale gegen Spanien. Der 39-jährige Superstar spaziert durch das Turnier, während andere Profis verschleißen. Dabei zeigt Messis extreme Effizienz die Zukunft des Fußballs.
Den Großteil seiner Spielzeit verbringt Lionel Messi im Gehen. Die offiziellen Daten des Fußball-Weltverbands Fifa von der Weltmeisterschaft belegen die extreme Verweigerung von Laufarbeit eindrucksvoll.
Demnach legt Messi pro Partie mickrige 6,85 Kilometer zurück, sagenhafte 4,39 Kilometer davon im reinen Gehmodus. Im Vollsprint kommt die argentinische Ikone auf lediglich 53 Meter pro Spiel. Zum Vergleich: Leroy Sané sprintet das Achtfache dieser Distanz.
Chris Coskunmeric ist Fußball-Experte, UEFA-B-Lizenz-Trainer und Spezialist für Taktik- und Videoanalyse. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Ab der K.o.-Phase steuerte Messi defensiv überhaupt nichts mehr bei. Seine Heatmaps zeigen eine klare Beschränkung auf die gegnerische Hälfte, fast dauerhaft parkt er auf dem rechten Flügel.
Bei der gewonnenen WM in Katar 2022 war Messi noch einen Kilometer mehr gelaufen, jetzt spart er sich jeden unnötigen Schritt. Das wird auch im Finale gegen Spanien so sein. Und zwar: mit Recht. Weil der 39 Jahre alte Superstar für die Vergangenheit, aber gewissermaßen auch die Zukunft des Fußballs steht.
Es ist ja so: Trotz seines, sagen wir, maximal ökonomischen Aufwands ist Messi die Überfigur dieses Turniers. Acht Tore, vier Torvorlagen, gottgleiche Präsenz. Im Halbfinale gegen England (2:1) bereitete er die beiden späten Argentinien-Treffer vor. Auch beim Comeback-Sieg gegen Ägypten (3:2) war Messi der entscheidende Mann.
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Er läuft nicht mehr viel, er läuft schlau. Seine verbliebene Energie explodiert nur noch in den Zonen, in denen es dem Gegner richtig wehtut. Er scannt und studiert das Spiel wie kein zweiter Fußballer auf diesem Planeten.
Der Geist fungiert hier als der eigentliche Regisseur für den alternden Körper. Messi paart seine strategische Spielweise mit einer radikalen körperlichen Disziplin abseits des Rasens; Ernährung, Fitness und gezielte Regeneration halten ihn komplett verletzungsfrei.
Cristiano Ronaldo, 41, scheiterte bei dieser WM an seinem eigenen Ego. Er verschenkte seine restliche Kraft permanent im Mittelfeld bei der erfolglosen Ballaufnahme, verließ seine Kernzone im Strafraum und schwächte damit sein Team.
Messi macht genau das Gegenteil und konserviert jede Muskelfaser für den finalen Pass. Er hat das System schlichtweg überlistet: Keiner nutzt seine Ressourcen aktuell so gewinnbringend aus.
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Während andere Topstars (fragen Sie mal nach bei den Engländern) zuletzt plattgewalzt wirken, vermittelt Messi noch immer einen frischen Eindruck. Und so wird auch die Wahl zum Weltfußballer 2026 nur über ihn gehen. Niemand sonst verabschiedet sich so genial von der Weltbühne.
Zugleich liefert Messis Spielstil den Nährboden zum Umdenken. Die extreme Belastung erzwingt ein Umdenken, der Spielplan bietet kaum noch Pausen für notwendige Regeneration. Deshalb müssen Trainer die Belastung über neue Rollenbilder steuern. Und der Kniff liegt darin, den Spielern das Gehen zur richtigen Zeit zu erlauben.
Aktuell fokussiert sich die Ausbildung im Nachwuchs zu oft auf reine Physis, das periphere Sehen kommt zu kurz. Dabei müssen junge Talente schon früh lernen, die Räume permanent zu analysieren. Sie müssen das Spiel im Gehen lesen können – wie Messi. Das ist am Ende immer wichtiger als bloßes Kilometerbolzen.
Der moderne Fußball verlangt nach Akteuren, die ihre Energie nicht in unwichtigen Zonen des Platzes verschwenden. Insofern ist der messianische Spaziergang kein Alibi, sondern die Zukunft des Fußballs.
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