In Wolfratshausen gibt es jetzt einen Referenten für Kultur, Brauchtum und Tradition. Beantragt hatte die neue Bezeichnung die CSU-Fraktion im Stadtrat.
Stand: 01.08.2026, 17:00 Uhr
Von: Carl-Christian Eick

In Wolfratshausen gibt es jetzt einen Referenten für Kultur, Brauchtum und Tradition. Beantragt hatte die neue Bezeichnung die CSU-Fraktion im Stadtrat.
Wolfratshausen – Änderung der Referentenordnung: Was banal klingt, geriet in der jüngsten Stadtratssitzung zu einem Politikum. Die Person, um die sich die kontroverse Diskussion drehte, war nicht anwesend. Eine Entschuldigung lag Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) nicht vor.
In einer Kampfabstimmung hatte sich Wolfgang Weichlein (CSU) in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats Mitte Mai gegen Mitbewerberin Jennifer Layton (Grüne) durchgesetzt (wir berichteten). Weichlein holte sich mit 17:8 Stimmen den Posten des Kulturreferenten. Wenig später stellte CSU-Fraktionschefin Clauda Drexl-Weile den Antrag, die Referentenordnung zu erweitern: Weichlein hege und pflege nicht nur die Kultur in der Loisachstadt, sondern auch explizit das Brauchtum und die Tradition.
Politikum um Referentenposten: CSU pocht auf Wertschätzung von „Brauchtum und Tradition“„Mit dieser Anpassung wird der tatsächliche Aufgaben- und Verantwortungsbereich des Referats präziser und umfassender dargestellt“, begründete Drexl-Weile den Antrag. „Es geht nicht um Personen“, betonte sie in der Stadtratssitzung.
Brauchtum und Tradition seien ihm wichtig, sagte SPD-Fraktionschef Fritz Meixner. Doch mit dem CSU-Antrag „tue ich mich schwer“. Beide Begriffe seien nach seiner Meinung „im Begriff Kultur drin“. Zudem hätten alle Referenten „einen großen Handlungsspielraum“ bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Meixner erinnerte an Ex-Stadtrat Alfred Fraas (CSU). Der habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Wolfratshausen seit 2010 den Titel Internationale Flößerstadt trägt – zweifelsohne eine Hommage an Brauchtum und Tradition. „Obwohl Herr Fraas nur Kulturreferent war“, gab Meixner zu bedenken. Er zitierte Weichleins einzigen Satz bei dessen Bewerbung um das Referentenamt: „Ich rede nicht, ich handle.“ Meixner: „Und jetzt reden wir über Begrifflichkeiten.“ Für ihn erschließe sich der Sinn des Antrags nicht.
Soll ein anderer Schwerpunkt gesetzt werden?
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FDP-Stadtrat Patrick Lechner, Mitglied der Liste-Wor-Fraktion, stellte die Frage in den Raum: „Soll ein anderer Schwerpunkt gesetzt werden?“ Der Begriff Kultur decke eine große Bandbreite ab, auch die Themenfelder Brauchtum und Tradition. Die Arbeit eines Referenten „wird durch dessen Persönlichkeit geprägt, nicht durch den Titel“, so Lechner. Die Losung des Liberalen: „Keep it simple“ – einfach an der angestammten Bezeichnung festhalten.
„Nicht sinnvoll“ sei die vorgeschlagene Umbenennung, meinte Jens Klein (Grüne). Der Begriff Kultur sei „umfassend“, er schließe „Brauchtum und Tradition selbstverständlich ein“ – reiche aber „bewusst“ noch weiter. Kulturpolitik heiße nicht nur, Bestehendes zu erhalten, sondern „Neues zu ermöglichen und gesellschaftliche Entwicklungen zu begleiten“. Der Referent sollte sich deshalb „an alle Menschen wenden“, so Klein. Ganz egal, ob sie sich in Traditionsvereinen engagieren, moderne Kunst schaffen, Konzerte organisieren oder neue kulturelle Projekte initiieren.
Für mich bricht da jetzt keine Welt zusammen.
Gerade in einer „vielfältigen Stadt wie Wolfratshausen“ sei es wichtig, „Kultur nicht auf Brauchtum und Tradition zu verengen“, stellte der Grünen-Stadtrat fest. „Wer diese Begriffe ausdrücklich in den Titel nimmt, setzt ein politisches Signal.“ Die CSU erwecke den Eindruck, als sollten „bestimmte kulturelle Ausdrucksformen“ besonders hervorgehoben werden – „obwohl sie bereits selbstverständlich Teil des Kulturbegriffs sind“, konstatierte Klein.
„Uns geht es darum, herauszuarbeiten, dass Kultur zweischneidig ist“, entgegnete Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU). Die beantragte Erweiterung der Referentenbezeichnung solle unter anderem die Wertschätzung von sechs Schützenvereinen in der Flößerstadt deutlich machen. Diesem Argument konnte Helmuth Holzheu (BVW) etwas abgewinnen. Die Bestellung eines Referenten für Kultur, Brauchtum und Tradition zeige der Bevölkerung „noch mehr, was dahintersteckt“.
14:9 Stimmen: Antrag der CSU-Fraktion mit Mehrheit angenommenBürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) betrachtete den Antrag pragmatisch: „Für mich bricht da jetzt keine Welt zusammen.“ Die Bezeichnung des Referenten sei für ihn, Heilinglechner, „eher irrelevant“. Viel wichtiger sei: „Was tut der Referent Weichlein?“
CSU, AfD, BVW sowie die Liste Wolfratshausen mit Ausnahme von Lechner votierten für den Antrag. SPD und Grüne sagten geschlossen Nein. Das heißt in Zahlen: 14 zu 9 – Wolfgang Weichlein ist jetzt Referent für Kultur, Brauchtum und Tradition. (cce)
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