Neuer Bürgermeister, bewährte Ideen: Wie Jochen Nauert die Gemeinde weiterentwickelt und auf solide Finanzierung setzt, zeigt er bei einem Ortsrundgang.
Stand: 19.07.2026, 20:45 Uhr
Von: Michelle Podstawa

Neuer Bürgermeister, bewährte Ideen: Wie Jochen Nauert die Gemeinde weiterentwickelt und auf solide Finanzierung setzt, zeigt er bei einem Ortsrundgang.
Durlangen. Eine Outdoor-Kindergartengruppe im Wald, ein eigenes Lehrschwimmbecken, ein genossenschaftlicher Dorfladen und Vereine, die fast jedes Wochenende ein Fest veranstalten: Durlangen lebt von vielen kleinen Ideen, die zusammen die circa 2700-Einwohner-Gemeinde bilden.
Amtswechsel: Nauert übernimmt von GerstlauerJochen Nauert ist erst seit Mitte April 2026 Durlangens Bürgermeister. Sein Vorgänger – Dieter Gerstlauer – war seit 1994 im Amt. Statt mit eigenen Großprojekten beginnt Nauerts Amtszeit zunächst mit dem Abschluss dessen, was sein Vorgänger angestoßen hat: Feuerwehr und Rathaus wurden modernisiert, erzählt Nauert bei dem Rundgang durch die Ortschaft: „Also das ist natürlich schon eines von den Mammutprojekten, das in Durlangen die letzten Jahre gelaufen ist. Das ist natürlich auch vom Finanzvolumen her schon echt ordentlich, ungefähr 1,8 Millionen Euro", sagt Nauert.
Finanzierung durch Fördermittel und EigenanteilDie rund 1,8 Millionen Euro teure Sanierung wurde aus Eigenmitteln der Gemeinde sowie mit Unterstützung mehrerer Förderprogramme finanziert. Nach Angaben des Bürgermeisters flossen unter anderem Mittel aus dem Ausgleichsstock, der Feuerwehrförderung des Landes (Z-Feu), dem BAFA-Förderprogramm sowie dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) in das Projekt.
Die Feuerwehr erhielt einen neuen Funkraum sowie neue Besprechungs- und Schulungsräume. Die Frauen bekamen eine eigene Umkleide. Auf dem Dach gibt es nun Photovoltaikanlagen. Zudem wurde im April dieses Jahres ein neues Feuerwehrfahrzeug in den Dienst gestellt.
Das Rathaus wurde energetisch saniert und modernisiert. Zudem wurden neue Besprechungsräume, neue Böden und Möbel eingerichtet. Ungefähr zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten an, welche Nauert übernommen und finalisiert hat.
Zwar sind die Einwohnerzahlen in Durlangen leicht rückläufig, dennoch rücken für Bürgermeister Jochen Nauert vorallem junge Familien in den Fokus. „Wir haben gesagt, das Angebot muss stimmen – gerade für junge Familien. Das ist der Kindergarten, das ist die Schule und das ist, glaube ich, auch ein Schwerpunkt in der Gemeinde“, sagt Nauert.
Waldwichtel-Gruppe als besonderes AngebotDie Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten, die nach seinen Angaben beide vollständig ausgelastet sind. Nauert steht vor dem Gemeindekindergarten „Pusteblume“. Er umfasst insgesamt sechs Gruppen. Eine davon ist die sogenannte Waldwichtel-Gruppe. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Waldkindergarten, sondern um eine projektbezogene Außengruppe. Alle sechs Wochen wechseln die Kinder, sodass möglichst viele von dem Angebot profitieren können. Während dieser Zeit verbringen sie – ähnlich wie in einem Waldkindergarten – den Alltag in einem kleinen Waldstück mit eigens errichteter Holzhütte und naturnahen Spielmöglichkeiten.
Kinder- und Familienzentrum geplant: Kindergarten wird erweitertIm kommenden Jahr soll der Gemeindekindergarten erweitert werden. Geplant ist, einen Teil des Gebäudes aufzustocken. Dort soll künftig ein Kinder- und Familienzentrum entstehen. Dieses soll unter anderem Räume für Logopädie, einen Bewegungs- beziehungsweise Sportraum sowie weitere Beratungs- und Veranstaltungsangebote für Familien bieten.
Zudem soll eine der bestehenden Kindergartengruppen in das neue Obergeschoss umziehen. Die Grundlagenplanung ist bereits abgeschlossen. Wie schon bei der Sanierung von Rathaus und Feuerwehr möchte die Gemeinde auch für dieses Projekt Fördermittel in Anspruch nehmen. Wie hoch die Gesamtkosten ausfallen werden, steht bislang noch nicht fest.
Aktuell besuchen fünf Klassen die Durlanger Grundschule. Die Schule ist direkt neben dem Kindergarten, die Wege in Durlangen sind kurz. Bereits im kommenden Schuljahr wird eine sechste Klasse hinzukommen. Die Schülerzahlen seien in den vergangenen Jahren entgegen dem landesweiten Trend gestiegen, sagt Nauert auf dem Schulhof
Ebenfalls besonders: Durlangen verfügt über ein eigenes Lehrschwimmbecken. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nach Angaben des baden-württembergischen Kultusministeriums bot im Schuljahr 2023/2024 rund jede fünfte Grundschule im Land keinen Schwimmunterricht an. In Durlangen dagegen lernen die Kinder direkt vor Ort schwimmen. „Bei uns kommt eigentlich kein Kind aus der Schule, ohne dass es schwimmen kann“, sagt Nauert am Rande des Beckens stehend.
Neben den Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung stehen Investitionen in der Infrastruktur an. Im Wohnplatz Hummelbühl soll im kommenden Jahr die Löschwasserversorgung verbessert werden. Dort sind die bestehenden Wasserleitungen nach Angaben von Bürgermeister Jochen Nauert zu klein dimensioniert. Dadurch steht für den Notfall nicht genug Wasser zur Verfügung. Die Bauarbeiten hierzu beginnen im Sommer 2027, die Kosten liegen bei 200.000 Euro.
Auch eine Brücke soll saniert werden. Sie ist derzeit noch bis zu einer Tonnage von neun Tonnen befahrbar, muss nach einer statischen Untersuchung jedoch erneuert werden. Auch hier beginnen die Bauarbeiten im Sommer 2027, die Kosten liegen bei 220.000 Euro.
Um Arbeiten und Investitionen dieser Art weiter umsetzen zu können, wünscht sich Nauert künftig mehr Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Trotzdem gehe es Durlangen im Vergleich zu anderen Kommunen gut: „In Anbetracht der gegebenen Umstände, muss ich sagen, hat der Vorgänger mit der Kämmerin zusammen hervorragende Arbeit geleistet“, Durlangen sei nicht überschuldet. Zudem halte sich die Pro-Kopf-Verschuldung mit 1069 Euro pro Person im Rahmen.“Da sind wir tatsächlich gut aufgestellt“, so Nauert.
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