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Obergröningen: Wo Wasser teuer ist und Ehrenamt zusammenschweißt

Дата публикации: 26-07-2026 16:00:00

Obergröningen hat kaum Geld, aber ein starkes Ehrenamt. Wie Bürger die kleinste Gemeinde im Ostalbkreis am Laufen halten.

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Stand: 26.07.2026, 18:07 Uhr

Von: Michelle Podstawa

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Obergröningen hat kaum Geld, aber ein starkes Ehrenamt. Wie Bürger die kleinste Gemeinde im Ostalbkreis am Laufen halten.

Obergröningen. Nur knapp 430 Einwohner leben in Obergröningen. Die kleinste eigenständige Gemeinde im gesamten Ostalbkreis. „Die Eigenständigkeit verlangt eine gewisse Leidensfähigkeit von den Obergröningern", sagt Bürgermeister Jochen König, der auch Bürgermeister in Eschach ist. Die Bürgerinnen und Bürger wollen laut König nicht zu einem Teilort von Eschach oder Abtsgmünd werden. Aber die Eigenständigkeit bringe Herausforderungen mit sich. 

Zu wenig Geld für große Projekte

Die Ergebnisse der letzten Landtagswahl in Obergröningen.

Die Ergebnisse der letzten Landtagswahl in Obergröningen. © Wagner, Florian

„Obergröningen hat nie Geld. Wir sind also wirklich arm", sagt König bei dem Rundgang durch die Gemeinde. Der Ort habe die gleichen Ausgaben wie jede andere Kommune auch, nehme aber kaum Gewerbesteuern ein. Größere Investitionen seien deshalb nur möglich, wenn die Gemeinde zuvor zwei bis drei Jahre dafür spare.

Manche Vorhaben seien allerdings grundsätzlich nicht finanzierbar. Dazu gehört auch die Erschließung neuer Baugebiete. „Die Fixkosten, die so ein Baugebiet verursacht, vor allem mit der Regenrückhaltung, sind so hoch, da wäre nachher der Bauplatzpreis irgendwo bei 200 Euro pro Quadratmeter“, so König.

Der „Schandfleck Nummer eins“

Das ehemalige Rathaus steht seit Jahren leer. Inzwischen ist es nicht mehr begehbar. Die Gemeinde möchte es abreißen lassen.

Das ehemalige Rathaus steht seit Jahren leer. Inzwischen ist es nicht mehr begehbar. Die Gemeinde möchte es abreißen lassen. © Podstawa, Michelle

Auch für das ehemalige Rathaus und Schulhaus fehlen der Gemeinde die finanziellen Mittel. Seit 2002 steht das Gebäude leer. „Das ist unser Schandfleck Nummer eins", sagt König auf das verlassene Gebäude zeigend. Die Gemeindeverwaltung befindet sich inzwischen in Eschach, dort besuchen auch die Kinder aus Obergröningen die Schule.

Seit Jahren sucht die Gemeinde nach einer Lösung. Im Gespräch waren unter anderem ein Museum oder Wohnungen. Eine Nachnutzung scheitert bislang jedoch an den hohen Kosten, weshalb die Vorschläge bislang nicht umgesetzt werden konnten. Inzwischen sei das Haus in einem gefährlichen Zustand, deswegen wurde es von der Gemeinde verbarrikadiert.

Die Gemeinde sieht die Lösung im Abriss und stellte den entsprechenden Antrag. Dieser wurde von der Denkmalschutzbehörde abgelehnt. Grund dafür sind unter anderem das historische Krüppelwalmdach und der historische Türkeil des Gebäudes. In einer der kommenden Gemeinderatssitzungen will sich die Gemeinde nochmals für einen Abriss einsetzen. „Wir sind 400 Seelen. Was wollen wir mit dem Gebäude? Das muss abgerissen werden", sagt König. 

Hohe Wasserpreise bringen Eigenständigkeit ins Wanken

Mehr als die Hälfte der Fläche in Obergröningen wird landwirtschaftlich genutzt.

Mehr als die Hälfte der Fläche in Obergröningen wird landwirtschaftlich genutzt. © Wagner, Florian

Obergröningen ist nicht nur die kleinste selbstständige Gemeinde im Ostalbkreis, sondern auch die Gemeinde, mit den höchsten Wasserpreisen. Grund dafür: Die hohen Fixkosten für die Infrastruktur, die mit der Wasserversorgung zusammenhängt. Die Gemeinde muss mehrere Teilorte mit Wasser versorgen und die entsprechenden Leitungen, Pumpstationen und Hochbehälter unterhalten – bei weniger als 450 Einwohnern. 

Der Bürger schimpft über die hohen Wasserpreise, weil aus seiner Sicht das gleiche Wasser aus dem Hahn kommt wie in Schechingen, Durlangen oder Abtsgmünd“, sagt König. Die Gebühren müssten jedoch kostendeckend kalkuliert werden und dürften nicht über den Gemeindehaushalt subventioniert werden.

Die Bevölkerung in Obergröningen nimmt ab.

Die Bevölkerung in Obergröningen nimmt ab. © Wagner, Florian

Hinzu kommt, dass laut König zwei der größten landwirtschaftlichen Betriebe überlegen eigene Brunnen zu bohren. Sie machen rund ein Drittel des Wasserverbrauchs der Gemeinde aus. Würden sie künftig kein Wasser mehr von der Gemeinde beziehen, müssten die Fixkosten auf noch weniger Verbraucher umgelegt werden.

Die hohen Gebühren haben inzwischen eine grundsätzliche Debatte ausgelöst: Bei einer Informationsveranstaltung seien erste Rufe nach einer Eingemeindung laut geworden, sagt König. Einige Bürger zweifelten daran, dass Obergröningen die finanziellen Belastungen dauerhaft allein tragen könne.

Ohne Ehrenamt würde Obergröningen nicht funktionieren

Der FC Traktor ist ein zentraler Bestandteil von Obergröningen.

Der FC Traktor ist ein zentraler Bestandteil von Obergröningen. © Podstawa, Michelle

Viele Projekte in Obergröningen wären ohne ehrenamtliches Engagement nicht umsetzbar. „Was hier in der Gemeinde umgesetzt wird, ist sehr beachtlich im Ehrenamt. Ohne das würde es gar nicht funktionieren", sagt König. 

Das zeigt sich zum Beispiel am Spielplatz: Die Gemeinde finanzierte die Geräte, den Aufbau übernahmen rund 15 Väter an zwei Samstagen selbst. Dadurch konnten die Kosten deutlich reduziert werden.

Die Geräte für den Spielplatz zahlte die Gemeinde. 15 Väter haben diese an zwei Samstagen angebracht.

Die Geräte für den Spielplatz zahlte die Gemeinde. 15 Väter haben diese an zwei Samstagen angebracht. © Podstawa, Michelle

Auch bei der Erweiterung und Sanierung des Feuerwehrhauses sparte die Gemeinde durch ehrenamtliche Eigenleistungen viel Geld. Mitglieder der Feuerwehr übernahmen mehrere Arbeiten selbst, darunter die Gestaltung der Außenanlage. Dadurch blieb das Projekt laut König rund 110.000 Euro unter dem vorgesehenen Kostenrahmen.

Den Dorfplatz gestaltete die Feuerwehr aktiv mit, indem sie aus einem alten Maibaum Bänke fertigte, die heute als Sitzgelegenheit dienen. 

Aus einem alten Maibaum hat die Feuerwehr Sitzbänke für den Dorfplatz gestaltet.

Aus einem alten Maibaum hat die Feuerwehr Sitzbänke für den Dorfplatz gestaltet. © Podstawa, Michelle

Zu den wichtigsten Trägern des Dorflebens gehört außerdem der FC Traktor Obergröningen. Der Verein organisiert regelmäßig Feste, Weißwurstessen und Public Viewings und sorgt damit für Begegnungen im Ort. Sein Vereinsheim, die „Molke“, wird ihm von einem ehemaligen Obergröninger kostenlos zur Verfügung gestellt – ein weiteres Beispiel für den starken Zusammenhalt in der Gemeinde.

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