Sommerwetter im Juni ist normal. Das Ausmaß der aktuellen Hitzewelle in Europa hingegen kaum, zeigt eine aktuelle Analyse aus der Klima-Attributionsforschung. Zudem kommt es zu solchen Ereignissen häufiger als gedacht.
AUDIO: Hitzewelle in Westeuropa je nach Region um vier Grad heißer (1 Min)
Heat Dome über Europa
Stand: 24.06.2026 10:18 Uhr
Sommerwetter im Juni ist normal. Das Ausmaß der aktuellen, in diesem Jahr bereits zweiten europäischen Hitzewelle hingegen kaum, zeigt eine aktuelle Analyse aus der Klima-Attributionsforschung. Zudem kommt es zu solchen Ereignissen häufiger als gedacht.
von MDR WISSEN/flo
Badewetter und ausnahmsweise eine zweite Portion Speiseeis mögen rund um Mittsommer nichts Ungewöhnliches sein. Eine Hitzewelle mit dem aktuellen Ausmaß ist hingegen kein Sommer-Business as usual, darin ist sich das paneuropäische Konsortium von Climameter sicher. Mit Ihrer Echtzeit-Attributionsforschung – also dem Nachweis vom Klimawandel an Wetterereignissen – im Rahmen der aktuellen Großwetterlage kommen die Fachleute zu dem Schluss: Sowas hätte es früher nicht gegeben.
Demnach seien, je nach Ort, zusätzliche zwei bis vier Grad der aktuellen Temperaturen auf die menschengemachte Erderwärmung zurückzuführen. Am 22. Juni waren es zusätzliche 2,4 Grad in Paris, 3,8 in Mailand und vier im nordspanischen Saragossa. In Ihren Analysen vergleichen die Forschenden – vereinfacht gesagt – die Muster aktueller Großwetterlagen mit vergleichbaren Wetterlagen der Jahre 1950 bis 1979, einem Zeitraum mit noch geringen Auswirkungen des Klimawandels.
Gewöhnliche Wetterlage, ungewöhnliche TemperaturenNeben den Extremwerten in Westeuropa, zeigen die Daten auch für Deutschland eine klimawandelbedingte Verschärfung der Sachlage, insbesondere im Süden und Südwesten des Landes. In München wurden zusätzliche 2,3 Grad ermittelt, in Berlin 1,2 Grad – in diesem Rahmen bewegen sich auch Teile Mitteldeutschlands. In Hamburg oder dem norddeutschen Teil Sachsen-Anhalts war am 22. Juni hingegen keine klimawandelbedingte Abweichung zu verzeichnen. Das bedeutet: Es war warm bis heiß, die Temperaturen waren aber Teil der natürlichen Schwankungen, die auch ohne Klimawandel vorkommen. Das unterstreicht, dass Abweichungen von langjährigen Durchschnittstemperaturen nicht automatisch dem Klimawandel zuzurechnen sind.
In dieser, bereits zweiten europäischen Hitzewelle des Jahres 2026 wurden in Zentralfrankreich über 41 Grad gemessen, in Paris gab es mit 38,4 Grad den womöglich heißesten Junitag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch in Spanien bewegen sich Messwerte zwischen vierzig und 45 Grad. Die Vierzig-Grad-Marke könnte diese Woche auch im Südwesten Deutschlands erreicht werden, wo Werte im mittleren Dreißiger-Bereich zur Zeit an der Tagesordnung sind. Solche Temperaturen werden im Verlaufe der Woche gleich an mehreren Tagen ebenfalls für Mitteldeutschland erwartet.
Die Forschenden betonen, dass wir es hier nicht mit einer außergewöhnlichen Konstellation in der Wetterküche zu tun haben. Das Bemerkenswerte sei, wie eine gewöhnliche, sommerliche Großwetterlage plötzlich viel mehr Hitze hervorbringe. "Bereits im Juni herrschen gefährliche Hitzewerte, die sowohl die Infrastruktur als auch den Einzelnen stark belasten", erklärt Emma Holmberg von der Uni Bern. "Dies gilt insbesondere für die Mitglieder unserer Gemeinschaft, die besonders hitzeempfindlich sind, wie beispielsweise ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen."
Die Ergebnisse stimmten mit den Schlussfolgerungen des Weltklimarats (IPCC) überein, betonen die Fachleute von Climameter in einer Mitteilung. In Westeuropa würden die extremen Hitzeereignisse bereits schneller zunehmen, als es Klimamodelle vorhergesagt hätten, was die Befürchtung aufkommen lasse, dass zukünftige Hitzeprognosen möglicherweise zu konservativ sind.
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